Stand: 05.02.2016 15:12 Uhr

Terrorzelle: Offenbar deutliche Hinweise auf IS

Eine Zelle islamistischer Terroristen soll einen Anschlag in Berlin geplant haben, vier Algerier stehen unter Verdacht - und einer von ihnen wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft in Isernhagen (Region Hannover). Der 26-Jährige soll an den Plänen mitgearbeitet haben. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit Verweis auf Sicherheitskreise mitteilt, befand sich die Planung in einem frühen Stadium. Konkrete Ziele habe es noch nicht gegeben. Im Rahmen einer Großrazzia in drei Bundesländern war die Unterkunft in Isernhagen gestern durchsucht worden, ebenso wie eine Wohnung in Hannover-Vahrenwald.

Flüchtling in Hannover unter Verdacht

Die Polizisten hatten einen Hinweis erhalten, demzufolge sich der 26-jährige Algerier häufig in der Vahrenwalder Wohnung aufhält. Sie trafen den Mann dort auch tatsächlich an. Da gegen ihn kein Haftbefehl vorlag, sei er wieder auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings wurden Beweismittel wie Handys und Computer beschlagnahmt. Der Algerier soll Verbindungen zur belgischen Islamistenszene haben, genauer: in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Das ist der Ort, in dem auch einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, gelebt hat. Molenbeek gilt als Islamisten-Hochburg.

RBB
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Fotos sollen IS-Kontakte eines Verdächtigen belegen

Nach der Razzia gegen eine mutmaßliche Terrorzelle hat die Berliner Polizei das Foto eines Verdächtigen veröffentlicht. Es soll Verbindungen zur Terrormiliz IS belegen. Der rbb berichtet. extern

Fotos legen IS-Mitgliedschaft nahe

Der Hauptverdächtige der mutmaßlichen Terrorzelle wurde im Sauerland festgenommen. Es handelt sich dabei um einen 34-jährigen Algerier. Er ist es, dessen Foto die Ermittler veröffentlichten - es liefere Hinweise darauf, dass der 34-Jährige in einem syrischen Terrorcamp ausgebildet wurde. Dem Magazin "Spiegel" zufolge zeigt ein weiteres Bild, das nicht veröffentlicht wurde, den Verdächtigen in Kampfmontur neben Leichen. Auf einem dritten Foto sei der Mann zusammen mit einer Person aus dem Umfeld der mutmaßlichen Attentäter von Paris zu sehen. "Die Fotos sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders ernst genommen haben", sagte ein Berliner Polizeisprecher am Freitag. Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass der Algerier im Herbst mit seiner Familie über die Balkanroute nach Deutschland gekommen ist. Er und seine 27-jährige Frau wurden in einer Flüchtlingsunterkunft verhaftet. Die algerischen Behörden werfen ihnen vor, Mitglieder der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) zu sein. Beide waren mit internationalen Haftbefehlen gesucht worden. Nach Informationen der dpa aus Sicherheitskreisen gibt es Indizien, dass die beiden gezielt vom IS als Attentäter nach Deutschland geschickt wurden. Einen weiteren mutmaßlichen Komplizen, einen 49-jährigen Mann, nahm die Polizei in Berlin fest.

Razzia gegen mutmaßliche Islamisten

Ermittlungen seit einigen Wochen

Gegen die Männer aus Algerien wurde bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hatten sich offenbar um den Jahreswechsel herum verdichtet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, dass die Terrorzelle verschlüsselt miteinander kommunizierte. Die Verdächtigen operierten demnach verdeckt und unter großer Geheimhaltung. Eine Verbindung zu den Terror-Warnungen zu Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es. Offenbar erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in Nordrhein-Westfalen vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Im Zuge weiterer Ermittlungen habe man dann Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt.

34-Jähriger soll dem IS Geld überwiesen haben

Bereits am Mittwoch hatte die Polizei im Raum Wolfsburg drei Wohnungen durchsucht. Auch in Gifhorn, im Landkreis Harburg sowie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren Räume durchsucht worden, wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilte. Verfolgt worden sei dabei die Spur eines 34-Jährigen im Landkreis Esslingen, der in ganz Deutschland Gelder für den IS gesammelt haben soll. In Niedersachsen stellten die Ermittler nach eigenen Angaben unter anderem 60.000 Euro in bar, Schriftstücke, Handys und andere Datenträger sicher.

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