Stand: 06.10.2015 14:28 Uhr

"System Hanebuth" auf Mallorca geplant?

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Hanebuth darf Spanien vorerst nicht verlassen. (Archiv)

Der ehemalige Präsident des Rockerclubs "Hells Angels" in Hannover, Frank Hanebuth, wartet in Spanien weiter auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft: Kommt es zum Prozess gegen ihn? Wie lauten die Anklagepunkte? Der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) liegt nach eigenen Angaben ein aktueller Bericht der Justizbehörde vor. In dem Vorgehen von Hanebuth in Spanien glauben die Ermittler demnach ein System erkannt zu haben. So soll er bereits 2011 nach Madrid geflogen sein, um dort gemeinsam mit den ebenfalls angeklagten Brüdern Khalik und Abdelghani Y. die Chefs der spanischen "Hells Angels" zu treffen. Sie soll er gebeten haben, auf Mallorca ein Charter gründen zu dürfen.

Strohmann auf Mallorca

Anschließend soll Hanebuth mehrere Rocker aus Niedersachsen nach Mallorca eingeflogen und einen örtlichen "Hells Angels"-Club gegründet haben. Der eingesetzte Präsident des mallorquinischen Charters, Norbert K., soll lediglich als Strohmann fungiert haben. In Wahrheit hätten die Brüder Y. in enger Absprache mit Hanebuth die Fäden gezogen. Auf der Insel wären sie dann kriminellen Machenschaften nachgegangen: Geschäftsleute erpressen, bedrohen und nötigen, Geld waschen und Frauen zur Prostitution zwingen.

Anwalt: "Alte Kamellen werden aufgewärmt"

Nach Angaben der "HAZ" stützen sich viele Anschuldigungen gegen den 51-jährigen Hanebuth weiterhin auf Indizien. Eine offizielle Stellungnahme der spanischen Staatsanwaltschaft gibt es nicht. Nach Angaben von Hanebuths spanischem Anwalt kann sie sich für die Anklage auch so lange Zeit lassen, wie sie will. Hanebuths deutscher Anwalt, Götz von Fromberg sagte am Dienstag gegenüber NDR.de, dass der Bericht eigentlich "alte Kamellen aufwärmt, die man bereits kennt." Hanebuth habe sich nach eigenen Angaben nichts vorzuwerfen, so Fromberg. "Man versucht nun offenbar händeringend ein Gebilde mit verschiedenen Kontakten zu stricken, in das man ihn mithineinziehen will", sagte der Anwalt.

"Zum Urlaub nach Mallorca"

"Solange Hanebuth in Hannover war", so von Fromberg weiter, "war er in Mallorca nicht präsent und auch nicht von Wichtigkeit." Hanebuth sei bis zur freiwilligen Auflösung des Charters in Hannover geblieben und erst im Sommer 2013 mit seinem Sohn auf die Baleareninsel geflogen, um dort Urlaub zu machen. Es habe Überlegungen gegeben, vielleicht später ein Cafe auf Mallorca zu eröffnen. In der Zeit davor sei er von den Landeskriminalämtern in Hannover und Kiel unter ständiger Überwachung gewesen. "Wir werden nachweisen können, dass er danach kein konkretes geschäftliches Interesse an Mallorca hatte", so von Fromberg gegenüber NDR.de.