Stand: 26.05.2017 12:21 Uhr

Spanische Justiz lässt Rocker Hanebuth warten

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Abwarten und Wasser trinken: Noch hat die spanische Justiz nicht entschieden, ob sie Frank Hanebuth anklagt. (Archivbild)

Am 22. Juli will "Hells Angel" Frank Hanebuth heiraten, und zwar in der Nähe von Hannover. Dorthin kann er dann allerdings nur für kurze Zeit reisen: Hanebuth muss sich in Spanien aufhalten, bis die dortige Justiz entschieden hat, ob er angeklagt wird. Der ehemalige Rocker-Chef ist auf Kaution frei, darf das Land aber nicht ohne Weiteres verlassen - nur für Ausflüge. Ab und an führen die ihn nach Hannover. So hatte er dort im September seinen Geburtstag gefeiert. Im November sah er sich einen Boxkampf in Hannover an, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) damals berichtete. Doch nach einigen Tagen muss er stets die Koffer packen und sich in Spanien zurückmelden.

Ermittlungen muten an wie im Gangsterfilm

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Fast vier Jahre ist es her, dass Hanebuth von der spanischen Justiz festgesetzt wurde. Im Rahmen einer Razzia im Juli 2013 wurde er festgenommen, mit ihm mehr als 20 weitere "Hells Angels". Die Ermittlungen förderten Filmreifes zutage, nicht nur wegen ihres Namens "Operation Casablanca". Die Fahnder stellten Schuss- und Stichwaffen sowie Autos, Motorräder, Boote, Juwelen und Drogen sicher. Die Vorwürfe der Behörden gegen Hanebuth sind umfangreich und wiegen schwer: Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei, Geldwäsche. Konkret sollen die "Hells Angels" geplant haben, beim Bau einer Formel-1-Rennstrecke Geld in Millionenhöhe zu waschen. Hanebuth verbrachte zwei Jahre in Untersuchungshaft im Hochsicherheitsgefängnis in der Stadt Cadiz. Gegen Auflagen wurde er freigelassen - nun muss er abwarten.

Justiz könnte Entscheidung auf Januar vertagen

Am 23. Juli läuft die Frist für die Justiz ab. Bis dahin muss sie entscheiden, ob sie Anklage erhebt - eigentlich. Doch nach Auskunft der spanischen Behörden kann die Frist in komplexen Fällen verlängert werden. Dann müsste der "Hells Angel" noch einmal bis zu sechs Monate auf eine Entscheidung warten.

Ermittlungen in Deutschland eingestellt

In Deutschland waren Ermittlungen gegen den Boss des früheren Hannover-Charters des Rockerclubs im Sande verlaufen. Im Mai 2012 war Hanebuths Anwesen bei Hannover durchsucht worden - mit großem Spektakel. Die Sicherheitsbehörden fuhren alles auf: Bewaffnete und vermummte Polizisten, GSG-9-Kräfte, die sich vom Hubschrauber abseilten, gewaltsam Tore auframmten und einen Hund erschossen. Hierbei ging es um den Verdacht, Hanebuth könnte für einen Auftragsmord verantwortlich sein. Doch die Staatsanwaltschaft Kiel stellte die Ermittlungen rund ein Jahr später mangels Beweisen ein.

Neuer Ortsverein mit "den alten Leuten"

Der Hannover-Charter der "Hells Angels" löste sich im Sommer 2012 auf. Mittlerweile existiert allerdings ein Ortsverein mit dem Namen "Northgate Hannover". "Das ist ein sogenanntes re-open mit den alten Leuten", erklärte eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) nach der Gründung 2016. Für die Ermittler ist dies wieder eine Vereinigung mehr, die sie im Blick behalten müssen. Die Polizei habe immer ein Auge auf die Rocker in ihrem Bereich und tausche sich eng mit dem LKA aus, sagte LKA-Sprecher Frank Federau NDR.de. Die Behörden hätten "immer einen Überblick über den Stand der Rockergruppen" in Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 26.05.2017 | 17:00 Uhr

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