Stand: 26.10.2017 19:14 Uhr

Schwerverbrecher wegen Würstchenklau vor Gericht

Gesenkter Blick: Dieser Mann ist einer der JVA-Insassen, die das Fleisch unterschlagen haben sollen.

"Fleisch ist mein Gemüse" - dieses Motto hatten sich offenbar mehrere Häftlinge des Hochsicherheitsgefängnisses Celle auf die Fahne geschrieben. Ihr ungewöhnlicher Fall beschäftigt seit Donnerstag das Amtsgericht Celle. Vier Männer sind angeklagt, weil sie aus der Knast-Küche knapp 46 Kilogramm Fleisch unterschlagen haben sollen. Die wegen anderer Delikte bereits verurteilten Schwerverbrecher, darunter ein Doppelmörder, sollen überwiegend Schweinefleisch portioniert, zu Schnitzel und Würstchen weiterverarbeitet und dann in eigenen Gefrierfächern verstaut haben.

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Wurde mit dem Fleisch gehandelt?

Ebenfalls unter den Angeklagten ist ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalt (JVA). Er muss sich wegen Beihilfe zum Diebstahl verantworten. Es handelt sich dabei um den Küchenchef des Gefängnisses. Er hat laut Anklage beim Portionieren und Einschweißen geholfen. Das Gerichtsverfahren soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft klären, wie sich der Fleisch-Klau genau abgespielt hat. Außerdem soll es um die Frage gehen, ob die Häftlinge mit den Schnitzeln und Würstchen handelten.

Ehemalige Angeklagte werden als Zeugen gehört

Am ersten von drei angesetzten Prozesstagen musste die Verhandlung mehrfach unterbrochen werden: Eine Flut von Anträgen der Verteidiger sorgte für mehrstündige Pausen. Ein Grund war, dass die Verteidigung erst vor Gericht erfahren hatte, dass die Verfahren gegen vier weitere Angeklagte wegen Geringfügigkeit eingestellt wurden - und diese nun als Zeugen gehört werden sollen. Die Verteidigung kritisierte zudem, dass der Aufwand rund um den Prozess zu hoch sei. "Hier ist eine riesige Kostenmaschinerie in Gang gesetzt worden", beklagte Rechtsanwalt Benjamin Schmidt angesichts der enormen Sicherheitsvorkehrungen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Verhandelt wird im großen Sitzungssaal des Oberlandesgerichts (OLG) Celle. Dieter Philipp Klass, Direktor des eigentlich für den Fall zuständigen Amtsgerichts Celle, begründete dies mit der großen Anzahl der Prozessbeteiligten. Angeklagt worden waren die Männer bereits im Dezember, für die Verhandlung musste aber auf einen freien Termin im großen Saal des OLG gewartet werden. Den Angeklagten drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren. Ein Urteil könnte Mitte November fallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 26.10.2017 | 09:00 Uhr

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