Stand: 03.02.2015 19:23 Uhr

Schafzüchter bringen tote Schnucke zu Wenzel

Ein Zeichen des Protests: Schafzüchter aus dem Landkreis Vechta haben am Dienstag eine tote Heidschnucke vor das Umweltministerium in Hannover gelegt.

Aufgebrachte Schafzüchter aus den Landkreisen Vechta und Diepholz haben am Dienstag demonstrativ einen toten Heidschnucken-Bock vor das Umweltministerium in Hannover gelegt. Sie fordern mehr Unterstützung von der rot-grünen Landesregierung, insbesondere von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Der jedoch war nicht im Ministerium, seine Staatssekretärin Almut Kottwitz sprach stattdessen mit den Landwirten. Sie trat nur an die Tür, nahm das Schaf aber nicht in Empfang. Die Tierwirte klagen über die zunehmenden Attacken durch frei lebende Wölfe in ihrer Region. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Zwar wird den Landwirten im Fall eines Wolfsrisses finanziell geholfen, allerdings nur, wenn der Wolf auch als Täter durch einen DNA-Test bewiesen werden kann. Häufig dauere es Monate bis die Ergebnisse vorliegen. Den Züchtern dauert das zu lange.

Forderungen stehen in offenem Brief

"Das Schaf wurde am Wochenende gerissen, es hat eindeutige Bissspuren, die auf einen Wolf oder ein wolfsähnliches Tier hindeuten", erklärte Schafhalter Sebastian Ostmann im Vorfeld der Aktion. Er fordert in einem offenen Brief, der dem NDR vorliegt, stellvertretend für alle betroffenen Landwirte im Landkreis Vechta, die Landesregierung auf, die DNA-Ergebnisse unverzüglich offenzulegen. Außerdem will Ostmann durchsetzen, "wolfstypische Spuren" wie die Beschaffenheit der Bisswunde als Nachweis für den Wolf zu akzeptieren. Zudem soll die Regierung die Fördermittel mehr als verdoppeln, damit Schäfer "effektive Schutzmaßnahmen" finanzieren können. Mit dem Brief hat sich Ostmann auch an den CDU-Wahlkreisabgeordneten Stephan Siemer gewandt. Er hatte bereits in einer Anfrage an die Landesregierung die Aufnahme der Schafhalter des Kreises Vechta in die Fördermaßnahme gefordert.

Staatssekretärin: Termin in Planung

Während der Aktion vor dem Umweltministerium überreichte Staatssekretärin Kottwitz einen Brief an Züchter Ostmann. Darin heißt es, dass ein gemeinsamer Termin bei einem betroffenen Schafzuchtbetrieb in der Region mit anschließender Diskussion geplant sei. Ein genaues Datum befinde sich gerade in der Abstimmung. Für die "konstruktive Mitwirkung der Verbände an der Erarbeitung von Strategien und praktikablen Lösungen zum Umgang mit dem Rückkehrer Wolf ist die Landesregierung ausgesprochen dankbar", schreibt Kottwitz.

Zudem teilte die Staatssekretärin mit, dass die DNA-Ergebnisse aus dem Landkreis Vechta auch nach mehrfacher Nachfrage der Fachbehörde beim zuständigen Labor noch nicht vorliegen.

40 tote Tiere in drei Monaten

Hinter der Aktion steckt die wachsende Angst bei Züchtern und Landwirten in der Region: Allein in den vergangenen drei Monaten sollen dort rund 40 Tiere von Wölfen getötet worden sein. Die Landwirte sprechen gar von einem ganz besonders aggressiven Wolf, einem "Problemwolf". Er töte die Tiere, fresse sie aber nicht. Auch vor Häusern und Stallungen würde der Wolf nicht zurückschrecken, heißt es bei den Züchtern im Landkreis. Mit jedem weiteren Riss wächst auch die Furcht. Nach NDR Informationen ist in der Region schon die Rede von einer neuen Kreatur, einer Mischung aus Wolf und Hund.

Der Wolf - geschützt in Europa

Die Landesregierung weist in der Diskussion um den Wolf immer wieder darauf hin, dass die Tiere in ganz Europa geschützt sind. Schon seit Längerem zahlt das Land Niedersachsen für durch den Wolf verletzte oder getötete Tiere. Die Förderung richtet sich vornehmlich an Halter von Schafen, Ziegen und Gatterwild. Seit der Einführung der Wolfsrichtlinie im vergangenen November, trägt das Land auch Teile der Prävention zum Herdenschutz. Dazu gehören Zäune und Herdenschutzhunde, doch keine Esel, auf die ein Züchter aus Twistringen (Landkreis Diepholz) setzt.

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Niedersachsen 18.00 Uhr | 03.02.2015 | 18:00 Uhr