Stand: 29.06.2017 08:47 Uhr

Post macht mit Video-Gesichtserkennung weiter

Die Deutsche Post will trotz einer gegen sie gerichteten Strafanzeige an der Kundengesichtsanalyse in ihren Filialen in Hannover und Hildesheim festhalten. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte NDR 1 Niedersachsen, es handele sich um eine Testphase, die Ende des Jahres ausgewertet werde. Solange zeichnen Kameras die Kunden auf und zeigen ihnen dann ausgewählte Werbung auf Bildschirmen an. Die Supermarktkette real hatte das Aufzeichnen von Kunden zu Werbezwecken am Mittwoch eingestellt. Hintergrund sei die in den vergangenen Tagen öffentlich geführte Diskussion darüber, teilte das Unternehmen mit.

Datenschützer machen weiter Druck

Unter anderem hatte NDR 1 Niedersachsen über das Testverfahren in Filialen zum Beispiel in Hildesheim und Hannover berichtet. Mit Hilfe von Kameras wurden dabei Gesichter von Kunden eingescannt und zu Werbezwecken analysiert. Ein entsprechender Testbetrieb lief in 40 der bundesweit 285 Filialen der Supermarktkette bereits seit vergangenem Herbst. Die Datenschutz-Organisation Digitalcourage erstattete daraufhin Strafanzeige. Nach der Entscheidung von real zeigt sich Digitalcourage zufrieden. Die Datenschützer wollen an der Strafanzeige allerdings festhalten.

Real wollte Werbung zielgruppengerecht anpassen

Die Analyse bei real soll folgendermaßen abgelaufen sein: Auf Bildschirmen im Kassenbereich wurde den Kunden demnach Werbung angezeigt, eine Kamera erfasste alle Blickkontakte des Kunden mit dem Bildschirm und analysierte zudem das Geschlecht sowie das Alter. Real wollte damit versuchen, die Werbung zielgruppengerecht anzupassen. Wer genau die jeweilige Person ist, das soll nach Angaben des Unternehmens aber nicht erkannt und gespeichert worden sein.

Datenschützer besorgt

Auch die Deutsche Post nutzt laut Digitalcourage ein derartiges Videoanalyse-System. Die Organisation hat deshalb auch das Logistik-Unternehmen angezeigt. Kritik an den Analysen hatte auch die niedersächsische Landesdatenschutzbehörde geübt. Die Videoaufnahmen ließen Rückschlüsse auf sensible personenbezogene Daten zu, sagte Sprecher Jens Thurow NDR 1 Niedersachsen. Wenn die Kunden dem nicht aktiv zustimmen, sei das rechtswidrig.

Markus Kompa, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, hält es für möglich, dass nun entsprechende Ordungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden. Aussicht auf Erfolg hätten diese wahrscheinlich aber nur, wenn Betroffene selbst Strafanzeige erstatten.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 29.06.2017 | 08:30 Uhr

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