Stand: 22.09.2015 20:37 Uhr

Neues Schröder-Buch: Merkel lobt Amtsvorgänger

Dass Altkanzler Helmut Kohl (CDU) eine Biographie über seinen Vorgänger Helmut Schmidt (SPD) vorstellt - wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Doch der Nachfolger Kohls, Gerhard Schröder (SPD), und wiederum seine Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) pflegen offenbar einen anderen Umgang, auch wenn die Nacht der Ablösung nach Schröders Niederlage bei der Bundestagswahl 2005 alles anderes als harmonisch über die Bühne ging. Geschrieben hat die gerade erschienene Biographie über den Altkanzler aus Hannover der Erlanger Historiker Gregor Schöllgen. Vorgestellt hat das gut tausend Seiten starke Werk mit dem Titel "Gerhard Schröder - Die Biographie" Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag in Berlin - an ihrer Seite war ihr Amtsvorgänger.

Merkel lobt Reformen ihres Amtsvorgängers

Kanzlerin Merkel würdigte bei der Buchpräsentation erneut die Reformagenda 2010. Schröder habe sich um Deutschland verdient gemacht. Dass die Bundesrepublik heute wirtschaftlich so stark dastehe, habe ohne jeden Zweifel seinen Ausgang in den damaligen Sozialreformen. "Wir waren und sind in manchen Punkten, gerade in der Außenpolitik, fundamental anderer Meinung, aber das ändert nichts an meiner Hochachtung für die Leistungen des Reformers Gerhard Schröder", sagte Merkel bei der Vorstellung des Buches.

Glosse

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22.09.2015 18:25 Uhr
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Legendärer Auftritt in "Elefantenrunde"

Von Hochachtung war damals im Herbst 2005 nach der Bundestagswahl wenig zu spüren. Schröders Auftritt in der "Elefantenrunde" nach der Wahl 2005 ist vielen in Erinnerung geblieben. Damals hatte SPD-Kanzler selbstsicher bezweifelt, dass die CDU-Politikerin das Kanzleramt übernimmt. Wörtlich sagte er damals: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel bei dieser Sachlage einginge, in dem sie sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden". Auch diese Episode findet in dem Buch Schöllgens ihren Platz.

Viele Details über den Menschen Schröder

Schöllgen, der Professor für Neuere und Neueste Geschichte ist, hatte für die Biographie auch Einblicke in private Dokumente und Akten des Kanzleramts und liefert dadurch viele Details über den SPD-Kanzler Schröder. Außerdem führte der Historiker zahlreiche Interviews: CDU-Kanzlerin Angela Merkel äußert sich im Gespräch über die vorgezogenen und verlorenen Neuwahlen 2005 inzwischen wohlwollend über Schröder: Sie bezeichnet ihn als einen der "besten Wahlkämpfer, die Europa gesehen hat". Schöllgen sprach auch mit vielen Weggefährten des Altkanzlers. Freunde wie Feinde kommen zu Wort. Beispielsweise auch Oskar Lafontaine. Der sich zu seinem Rücktritt als SPD-Chef und Bundesfinanzminister im Jahr 1999 und seinem Verhältnis zu Schröder äußert. Auf den rund tausend Seiten zeichnet Schöllgen den fast beispiellosen Aufstieg Schröders aus ärmlichen Verhältnissen bis in eines der höchsten Staatsämter nach.

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