Stand: 28.06.2017 17:00 Uhr

Neuausrichtung der CeBIT? Läuft, sagt die Messe

Dass immer die letzte CeBIT die beste gewesen ist, gehört zum Ende jeder Digital-Schau in Hannover zum Sprech der Verantwortlichen. Das wird sich sicherlich auch nach Toreschluss der kommenden Schau nicht ändern. Am 15. Juni 2018 könnte das dann etwa so klingen: "Diese CeBIT, meine Damen und Herren, war die beste CeBIT aller Zeiten. Sie bot einen Blick in die digitale Zukunft, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz. Dazu: Kultur, Sonnenschein und Unterhaltung am Abend." Noch vor drei Jahren hatte die Computermesse ihren "gelungenen Neustart" als Messe für Geschäftskunden gefeiert, nun setzt die Messe AG wieder auf ein neues Konzept. Und zwar auf eines mit Festival-Charakter und Talkshow-Elementen. Dabei wieder mehr im Blick: der Privatbesucher, der zuletzt eher zu kurz gekommen ist.

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Inhaltliche Planung abgeschlossen

Aber wie geht es voran auf der Suche und Umsetzung einer neuen, frischen CeBIT in einer Zeit, in der das neue Digitale vom Abend, am Morgen schon überholt scheint? Die Phase der inhaltlichen Ausgestaltung sei abgeschlossen, erklärte Messe-Chef Oliver Frese am Mittwoch. Nun werde das um Festival- und Talkshow-Elemente erweiterte Konzept umgesetzt. "Die CeBIT hat eine neue Marke bekommen, wir haben einen neuen Online-Auftritt und eine neue Preisgestaltung für Besucher und Aussteller."

"Als ob wir einen Knoten gelöst haben"

Frese sieht die Neuausrichtung der CeBIT, die 2018 im Juni und nicht mehr wie gewohnt im März stattfinden wird, gerade für die Deutsche Messe AG als Chance und Herausforderung zugleich: Das gesamte Unternehmen arbeite an der Entwicklung der neuen CeBIT und würde selbst derzeit ein Stück von innen heraus reformiert. Mit Blick auf das neue Konzept sagt Frese: "Es ist, als ob wir einen Knoten gelöst haben, als wenn die Digitalindustrie nur darauf gewartet hätte, dass wir mit der CeBIT den Schritt nach vorne machen."

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Hat die Digitalindustrie darauf gewartet?

Ob das die Digitalindustrie und die Besucher auch so sehen, wird sich zeigen. Eintausend Tickets jedenfalls seien bereits verkauft worden, "ohne dass wir richtig in die Werbung gegangen sind". Auf das angekündigte Konzept gebe es überwiegend positive Reaktionen, so der Messe-Chef. Neuorientierung hin oder her - einige Themenfelder klingen altbekannt: "So werden etwa Fragen rund um Mobilität der Zukunft, datengetriebene Geschäftsmodelle im Automobilsektor und autonomes Fahren eine größere Rolle auf der Messe spielen."

Vier Elemente - und aus CeBIT wird CEBIT

In neue Hallen soll die CeBIT, die sich fortan nur noch in großen Lettern schreibt, im kommenden Jahr umziehen. Für die Aussteller bedeutet das, dass auch sie ihre Messeauftritte neu konzipieren müssen. Im Zentrum des neuen vierstufigen Konzepts steht eine Art Campus unter dem Expo-Dach, genannt: "d!campus". Er soll Digitalisierung und Kultur vereinen. "Dort werden Anwendungen zum Erleben gezeigt", so Frese. Konferenzen, wie sie bislang gehalten wurden, sollen im neuen Talkshow-Format "d'talk" stattfinden. Gefragt seien dabei: Querdenker, Visionäre und Experten. Das Kernelement nennt sich "d!conomy", es diene der Vorbereitung von Geschäftsabschlüssen und der neuen Technologie-Präsentation - etwa für Einsatzbereiche für Künstliche Intelligenz wie Chat-Bots oder Datenanalyse. Bei "d!tec" präsentieren sich Forschung und junge Unternehmen. Zu erwartende Themen: autonomes Fahren und Service-Roboter für den Gesundheitsbereich.

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"Digital Friday" für Privatbesucher

Geöffnet werden soll die CeBIT an den Messetagen später, dafür aber länger gehen. Konkret bedeutet das: von 10 bis 19 Uhr. Vier weitere Stunden bleibt das Gelände aber für das Abendprogramm zugänglich. Separate Tickets für die bisherige Konferenz-Serie soll es nicht mehr geben. Geplant sind nur noch Dauertickets. Ein besonderer Blick, abseits des Geschäftskundengeschäfts, gilt dem Freitag - dem "Digital Friday". Der soll die breite, technikbegeisterte Öffentlichkeit ansprechen. Der Montag soll politischen Veranstaltungen vorbehalten sein, die restlichen drei Tage werden dann ganz dem Business gewidmet sein.

Lob und Kritik

Mit Blick auf die Ausstellerzahlen erwartet Messe-Chef Frese mindestens einen Gleichstand zu diesem Jahr. Im März waren es 3.000 Aussteller aus 70 Ländern. Seit 1986 fand die CeBIT jährlich im Frühjahr vier Wochen vor der größeren Hannover Messe statt. Mit Bekanntwerden des neuen Termins im Juni zur vergangenen Messe wurde neben Lob - wie etwa der Telekom oder Computer-Hersteller Hewlett Packard - auch Kritik laut: "Die stark rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre und eine Verwässerung eines eindeutigen Messekonzepts machen es derzeit schwer, an einen erfolgreichen Neustart der CeBIT zu glauben", sagte etwa Stefan Rojacher von Kaspersky Lab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 12.06.2017 | 18:30 Uhr