Stand: 19.12.2015 12:39 Uhr

Missbrauch: Opferverband fordert weitere Schritte

Nachdem der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle am Freitag zum ersten Mal Versäumnisse bei der Aufarbeitung eines Missbrauchsfalls eingeräumt hat, der im Jahr 2010 gemeldet wurde, fordert der Opferverband Eckiger Tisch weitere Konsequenzen. Die Stellungnahme des Bischofs gehe nicht weit genug, heißt es. Immerhin werde eingeräumt, dass sich das Bistum nicht richtig verhalten hat, sagte Matthias Katsch, der Vorsitzende des Verbands. Er sei allerdings der Meinung, dass jemand Verantwortung für dieses Fehlverhalten übernehmen müsse - etwa durch einen Rücktritt. Außerdem hätte er sich gewünscht, dass sich Bischof Trelle für das Fehlverhalten entschuldigt, so Katsch. Das sei aber nicht der Fall.

Alte Aufnahme von Bischof Trelle bei einer Pressekonferenz.

Missbrauchsfall: Bischof bedauert Versäumnisse

Hallo Niedersachsen -

Der Hildesheimer Bischof Trelle hat auf die massive Kritik im jüngsten Missbrauchsfall reagiert. Eine damals 14-Jährige hatte von Annäherungsversuchen eines Priesters berichtet.

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Bischof räumt eigene Versäumnisse ein

Der Bischof hatte sich in einem Brief an die Priester, Diakone und Mitarbeiter des Bistums gewandt und sich zu den Missbrauchsvorwürfen eines Mädchens gegen einen Priester aus dem Jahr 2010 geäußert - und dabei durchaus eigene Versäumnisse eingeräumt. Trelle setzt sich in dem Text detailliert mit den gegen ihn gerichteten Vorwürfen auseinander, die Ermittlungen gegen einen Pfarrer im Ruhestand wegen sexuellen Missbrauchs zu spät angezeigt zu haben. Die damals 14-Jährige hatte von "deutlichen Annäherungsversuchen" des Geistlichen berichtet. Das geht aus einer Mitschrift des Bistums hervor, die die Staatsanwaltschaft inzwischen angefordert hat. Dagegen schildert Trelle in dem Bischofsbrief, das Mädchen habe sich in einem ersten Gespräch 2010 "sehr zurückhaltend geäußert". Ein Gesprächsangebot mit den erziehungsberechtigten Großeltern habe es auf Bitte des Mädchens nicht gegeben. Stattdessen sei ihm geraten worden, mit seiner Religionslehrerin oder der Therapeutin darüber zu reden.

"Heute würden wir anders entscheiden und vorgehen"

"Aus heutiger Sicht und mit der Erfahrung von fünf Jahren Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch würden wir heute anders entscheiden und vorgehen", schreibt Trelle weiter. "Dass wir damals so entschieden haben, bedauern wir heute sehr." Es wäre dem Mädchen eine größere Hilfe gewesen, wenn man sich trotzdem an die Großeltern gewandt "oder unmittelbar die Staatsanwaltschaft kontaktiert hätte". Weiter schreibt Trelle, dass er es begrüßen würde, wenn die Ermittlungen gegen den beschuldigten Priester wieder aufgenommen würden.

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen

Hintergrund ist eine WDR-Dokumentation über den Fall der heute 20-jährigen Frau: Anders als von Bischof Trelle dargestellt hat das Opfer demnach bereits in einem ersten Gespräch mit dem Bistum konkrete Angaben zu den Annäherungsversuchen des Priesters gemacht, heißt es dort. Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft inzwischen, ob sie ihre Ermittlungen gegen den Priester wieder aufnimmt. 2011 waren die Ermittlungen gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Der Priester gilt auch als einer der Haupttäter im Missbrauchs-Skandal am Canisius-Kolleg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.12.2015 | 08:00 Uhr