Stand: 27.03.2017 21:44 Uhr

Meyer will Sauen aus den Kästen befreien

Die in Deutschland gehaltenen Sauen sollen mehr Platz bekommen: Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) fordert einen weitgehenden Ausstieg aus der umstrittenen Kastenhaltung. Deutschland solle sich an Dänemark orientieren und in den nächsten 20 Jahren die Verwendung von den sogenannten Kastenständen auf das absolute Minimum herabsetzen, sagte Meyer der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wollen klar sagen, dass wir aus einem System herauswollen, wo eine Sau die Hälfte ihrer Lebenszeit in einem Kastenstand fixiert ist", sagte Meyer. Das Thema solle bei der am Mittwoch in Hannover beginnenden Agrarministerkonferenz eine große Rolle spielen, so Meyer. Er hat den Vorsitz der Konferenz der Ressortchefs der Länder inne.

Gericht verbietet kleine Kastenstände

Die Neugestaltung der Haltungsbedingungen hat ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg nötig gemacht. Das besagt, dass die Kastenstände, in die die Sauen zur Besamung eingesperrt sind, zu klein sind. Sie müssten mindestens so breit sein, wie das Tier hoch ist. Das gewährleiste, dass sich die Tiere hinlegen können, ohne mit ihren Beinen in den Kasten des Nebentieres zu kommen. Mit der Bestätigung des Urteils durch das Bundesverwaltungsgericht gilt es in ganz Deutschland.

Übergangsfrist von zehn bis 20 Jahren

Gemeinsam mit Interessenverbänden der Landwirte seien Eckpunkte der neuen Haltungsverordnung erarbeitet worden, so Meyer. Die sehen vor, dass den Landwirten Übergangsfristen eingeräumt werden. Es solle einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren geben, in dem die Landwirte Zeit haben, ihre Ställe umzubauen. "Wer neu baut oder wer Fördermittel des Landes bekommt, für den gilt es sofort", sagte der Minister.

Orientierung an dänischem Modell

Das dänische Modell, an dem sich Meyer orientieren will, sieht vor, dass die Tiere nach der Besamung nur wenige Tage im Kastenstand gehalten werden, bevor sie in die Gruppe kommen. Teilweise wird dies schon von konventionellen Landwirten in Deutschland praktiziert. Die meisten müssten jedoch ihre Ställe umbauen. In der Bio-Haltung ist die Praxis bereits weit verbreitet. Bislang dürfen Sauen in konventioneller Haltung bis zu 28 Tage im Kasten gehalten werden. Der Kasten soll zum einen die Besamung ermöglichen, zum anderen die Tiere vor Verletzungen durch Rangkämpfe in der Gruppe schützen. Beim Abferkeln kommen sie wieder für fünf Wochen in die Kastenhaltung, damit die Ferkel beim Saugen nicht von der Mutter erdrückt werden können.

Fixierung auf fünf bis zehn Tage begrenzen

Das will Meyer ändern. "Die Fixierung würde auf fünf bis zehn Tage im Deckzentrum begrenzt", sagte Meyer. Die Agrarministerkonferenz wolle den Bund auffordern, die Nutztierhaltungsverordnung entsprechend zu ändern. Der Bund habe signalisiert, die Änderungen umsetzen zu wollen, sollten sich die Ressortchefs der Länder darauf einigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.03.2017 | 06:00 Uhr