Stand: 19.04.2017 16:13 Uhr

MHH hilft Männern mit Gewaltfantasien

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat vor fünf Jahren ein Präventionsprojekt für pädophile Männer gestartet. Das Angebot wird auch gut angenommen - doch die Experten mussten feststellen, dass es nicht ausreicht. Denn es meldeten sich Männer, die nicht ins Programm passten, aber dringend Hilfe brauchten: Sie sprachen von sexuellen Gewaltfantasien gegen erwachsene Frauen. Die MHH hat nun ein neues Präventionsangebot ins Leben gerufen, das parallel zur Ambulanz für Pädophile läuft. Es richtet sich unter anderem an Männer, die befürchten, ihre Fantasien nicht kontrollieren zu können.

Noch wenig belastbare Erkenntnisse zu Gewaltfantasien

"Sexuelle Übergriffe passieren nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel", sagte einer der Leiter, Sexualmediziner Uwe Hartmann, am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts. "Es gibt einen Vorlauf in der Seele und der Sexualität des Täters." Gewaltfantasien seien weit verbreitet, aber kaum erforscht, so Hartmann. Mithilfe ihrer Patienten wollen die Mediziner deshalb auch mehr über das Phänomen erfahren, um Betroffene besser behandeln zu können. Diejenigen, die wegen solcher Empfindungen Hilfe bei den MHH-Medizinern suchen, können daher auch an einer Studie teilnehmen.

Fantasien können unterschiedliche Hintergründe haben

Bei der MHH rechnet man mit drei Gruppen von Männern, die das Programm in Anspruch nehmen könnten. Das seien erstens solche, denen es nicht gelingt, auf Frauen zuzugehen und die dadurch Minderwertigkeits- und Hassgefühle entwickeln, sagte Hartmann. Bei einer zweiten Gruppe "geht es mehr um Machtausübung", erklärte er. Die dritte bestehe aus Männern, die schon seit ihrer Jugend sadistische Fantasien im Kopf hätten.

Therapie ist kostenlos und anonym

Auch Männer, die bereits gewalttätig geworden sind, können sich in der MHH helfen lassen. Das Team unterliegt der Schweigepflicht. Es darf allerdings kein Ermittlungs- oder Strafverfahren gegen die Patienten laufen. Die Interessenten können per E-Mail oder Telefon Kontakt zu den Mitarbeitern aufnehmen, danach werden sie zu einem ersten Gespräch eingeladen. Die Betroffenen können anonym bleiben, die Therapie ist für sie kostenlos und wird nicht über die Krankenkasse abgerechnet.

Förderung des Gesundheitsministeriums

Die offizielle Bezeichnung des Projekts lautet "Prävention und Behandlung dysregulierter Sexualität (PBDS)". Das niedersächsische Gesundheitsministerium fördert das Präventionsprojekt mit 450.000 Euro für zunächst drei Jahre. "Frauen leiden ihr Leben lang, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind", sagte Ministerin Cornelia Rundt (SPD) am Mittwoch.

Weitere Informationen

Hilfe für pädophile Männer stark nachgefragt

Seit fünf Jahren gibt es an der MHH ein ambulantes Therapieangebot für pädophile Männer. Das Angebot stößt auf großes Interesse. 250 Patienten wurden seit dem Start behandelt. (14.03.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 19.04.2017 | 17:00 Uhr