Stand: 18.02.2016 07:28 Uhr

Lebenslange Haftstrafe für Supermarkt-Räuber

Der sogenannte Supermarkt-Räuber ist am Mittwoch vom Landgericht Hannover wegen Raubmordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem stellten die Richter die besondere schwere der Schuld fest und folgten damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Das bedeutet, dass der Angeklagte mindestens 21 Jahre in Haft bleiben muss. Nach Ansicht der Richter hat der 42-Jährige mehr als 20 Supermärkte in ganz Deutschland überfallen. Beim Überfall auf einen Discounter in Hannover-Stöcken hat er dabei einen Kunden erschossen, der sich schützend vor eine Kassiererin gestellt hatte. Die Verteidigung des Angeklagten hatte zuvor gefordert, von der besonderen Schwere der Schuld abzusehen - ohne ein konkretes Strafmaß zu fordern. Der 42-Jährige hatte sich vor der Urteilsverkündung erstmals im Prozess zu Wort gemeldet und die Taten bestritten: "Ich denke, dass es hier zu vielen gefälschten Beweisen gekommen ist durch die deutsche Polizei."

Angeklagter gibt an, zur Tatzeit in Polen gewesen zu sein

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"Das ist alles gefälscht": Der sogenannte Supermarkt-Räuber bestreitet vor dem Gericht seine Taten und beschuldigt die Polizei. (Archiv)

Zum Zeitpunkt etlicher Taten habe er sich zu Hause in Polen befunden und nicht in Deutschland, erklärte der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht. Sein Handy sei an Tatorten von der Polizei geortet worden, obwohl es bereits vom polnischen Netzbetreiber blockiert gewesen sei. Zudem will er zum Zeitpunkt eines Überfalls an einer polnischen Tankstelle gewesen sein. Dort müsse er sogar von einer Kamera gefilmt worden sein, sagte er vor Gericht aus.

Mutter sagt dem Angeklagten "Tod ohne Vergebung" voraus

In seiner ersten Stellungnahme ging der Angeklagte noch einen Schritt weiter: Er zweifele auch an den Fingerabdrücken und DNA-Spuren, die an den Tatorten gesichert wurden. Zudem habe er nur eine Schreckschusspistole und keine scharfe Munition bei sich geführt. "Das ist alles gefälscht", sagte er - und fordert nun die Aufklärung durch die polnische Polizei. Das Gericht, das den Fall seit vergangenem Dezember verhandelt hat, setzte die Verhandlung nach der Einlassung des mutmaßlichen Raub-Mörders fort. Das Gericht ließ auch die Mutter des erschossenen 21-Jährigen in Stöcken zu Wort kommen: Sie sagte dem Angeklagten einen "qualvollen, einsamen Tod ohne Vergebung" voraus.

Taten in mehreren Bundesländern

Neben den tödlichen Schüssen im hannoverschen Discounter werden dem 42-Jährigen noch weitere 23 Fälle in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern zur Last gelegt. In acht Fällen soll er ebenfalls Schüsse abgefeuert haben. Zugeordnet werden konnten ihm die Taten aufgrund von DNA-Spuren an den Tatorten, Aufnahmen aus Überwachungskameras und eines Waffengutachtens. Festgenommen werden konnte der Mann im vergangenen Juni auf einem Autobahn-Rastplatz bei Dresden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.02.2016 | 14:00 Uhr