Stand: 02.10.2015 20:55 Uhr

Klimakonferenz: Kommunen im Fokus

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Am Donnerstag und Freitag berieten in Hannover Experten über den Klimaschutz.

Rund 300 Experten haben am Donnerstag und Freitag in Hannovers Schloss Herrenhausen und der benachbarten Orangerie darüber beraten, wie das globale Klima durch lokales Handeln zu retten ist. Vertreter aus Kommunen, der Politik, Netzwerken, Stiftungen und der Wissenschaft kamen zur Internationalen kommunalen Klima-Konferenz (ICCA). Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beteiligte sich an der Konferenz und sprach besonders Städte und Gemeinden an. Die Kommunen seien Vorreiter bei der Entwicklung kreativer Ideen zum Klimaschutz, sagte Hendricks beim Abschluss der Konferenz am Freitagnachmittag. Ein Beispiel dafür seien energiesparende Straßenbeleuchtungen. Der nationale oder globale Klimaschutz könne ohne kommunale Unterstützung nicht funktionieren, so Hendricks.

Teilnehmer der kommunalen Klima-Konferenz in Hannover sitzen an einem Tisch. © NDR

Wenzel bei Klimakonferenz: Kommunen unterstützen

Niedersachsen 18.00 Uhr -

Am Freitag endete die Internationale kommunale Klimakonferenz in Hannover. Mit dabei waren auch Niedersachsens Umweltminister Wenzel und Bundesumweltministerin Hendricks.

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"Es gibt einen globalen Bewusstseinswandel"

Zur Eröffnung am Donnerstag hatte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) dazu aufgerufen, Regierungschefs Mut zu machen "für visionäre Entscheidungen". Die große Umweltkonferenz in Paris, an der ab 30. November zahlreiche Staats- und Regierungschefs teilnehmen werden, könne zum Erfolg für den Klimaschutz werden, so Wenzel: Es gebe einen globalen Bewusstseinswandel, die "Zerbrechlichkeit unserer Erde" werde vielen Menschen immer deutlicher. Wichtig seien jedoch auch die vielen kleinen Projekte weltweit, so der Minister. Oft seien es in der Vergangenheit die Städte und Gemeinden gewesen, die zum Experimentierfeld für erneuerbare Energien wurden.

Das Ziel ist Klimaneutralität

"Kommunen waren schon immer bedeutende Kräfte in der Energieversorgung und werden es bleiben", sagte Wenzel. Als Vorreiter gelten die sogenannten Masterplan-Kommunen, 19 gibt es bundesweit. Allein fünf dieser Pioniere befinden sich in Niedersachsen: Die Stadt Göttingen, Stadt und Landkreis Osnabrück sowie Stadt und Region Hannover sind mit dabei. Alle Masterplan-Kommunen vereint das Ziel, bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden. Das heißt, sie wollen möglichst keine schädlichen Treibhausgase wie zum Beispiel Kohlendioxid mehr freisetzen - oder aber zumindest den Ausstoß der Treibhausgase durch Einsparungen an anderer Stelle ausgleichen. Sie bauten zum Beispiel Radwege aus, setzten emissionsarme Busse ein oder sanierten kommunale Gebäude und Schulen.

Klimakonferenz von Bund und Land

Organisiert wurde die Internationale kommunale Klima-Konferenz (International Conference on Climate Action, ICCA 2015) in Hannover vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, dem niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz sowie dem Deutschen Institut für Urbanistik. Als Referenten standen unter anderem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) auf dem Podium.

Flassbarth: Fossile Energien sind die Vergangenheit

Ein entscheidender Baustein, um die Klimaziele zu erreichen, sei der Verzicht auf fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle, sagte Jochen Flassbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, am Donnerstag. Die Industrieländer könnten das bis Mitte des Jahrhunderts schaffen, doch aus vielen Ländern der Erde komme Widerstand. Vom Ziel einer baldigen CO2-neutralen Energieversorgung dürfe aber auf keinen Fall abgerückt werden. Fossile Energien seien nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit, bekräftigte der Staatssekretär.

Wenzel: "Dreister Betrug" bei Volkswagen

Auch die Internationale Klimakonferenz in Hannover kam nicht am VW-Abgas-Skandal vorbei. Die gefälschten Emissionswerte des "Weltkonzerns aus Niedersachsen" erschütterten die Glaubwürdigkeit des industriellen Umwelt-und Klimaschutzes, sagte Umweltminister Wenzel. Volkswagen sei in der Lage, saubere Autos zu bauen, habe aber stattdessen Abgaswerte manipuliert, um Bauteile im Wert von 100 bis 300 Euro pro Fahrzeug einzusparen, schimpfte der Minister: "Dieser dreiste Betrug zulasten des Klimas und der Gesundheit ist aufgeflogen und die Verantwortlichen werden bestraft." Doch nicht nur VW müsse aus dem Skandal lernen, sondern die gesamte Automobilbranche und die Gesellschaft als Ganzes.

Greenpeace näht Riesen-Putzlappen

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Für die Greenpeace-Protestaktion hat sich unter anderem Udo Lindenberg auf einem Lappen verewigt.

Am Rande der Konferenz demonstrierte die Umweltorganisation Greenpeace am Donnerstag für den Schutz der Arktis. 15.000 Putzlappen wurden zu einem einzigen zusammengenäht - laut Greenpeace entstand so der größte Putzlappen der Welt. Die Lappen waren zum Teil von Prominenten gestaltet worden: Musiker Udo Lindenberg beispielsweise hatte ein Selbstporträt auf einen Lappen gemalt, Komiker Otto Waalkes - was sonst - einen Ottifanten. Greenpeace protestierte mit der Aktion gegen Ölbohrungen in der Arktis.

Diskussionen, Workshops und Vorträge

Die ICCA gliederte sich in zwei Teile: Die Fachkonferenz in den Räumen des Schlosses Herrenhausen war nicht öffentlich. Dort fanden für die Teilnehmer Workshops und Diskussionsrunden statt. Nebenan in der Orangerie Herrenhausen gab es die "Climate Neighbourhoods" - die Klimanachbarschaften. Kommunen, Akteure aus Schulen, Netzwerken und Forschungseinrichtungen stellten dort ihre Projekte vor. Im Mittelpunkt stand die grenzüberschreitende Bedeutung des Klimawandels - aber auch die Möglichkeit der Kooperation über Ländergrenzen hinweg. Auf der Konferenz wurden auch die Preisträger zum Wettbewerb "Kommunaler Klimaschutz 2015" ausgezeichnet.

Ein Aufsteller zur Klimakonferenz am 1. Oktober 2015 steht vor der Orangerie Herrenhausen in Hannover. © NDR Fotograf: Thomas Hans

"Der große Klimaschutz entsteht im Kleinen"

Donnerstag und Freitag findet die "Internationale kommunale Klimaschutzkonferenz" in Hannover statt. Zentrales Thema sei die kommunale Rolle beim Klimaschutz, sagt Justina Lethen vom niedersächsischen Umweltministerium.

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