Stand: 11.03.2017 20:36 Uhr

Kirchen wollen Weg zur Gemeinschaft weitergehen

Zum 500. Reformationsjubiläum haben deutsche Protestanten und Katholiken ein besonderes Zeichen der Versöhnung gesetzt: 400 Gäste aus Politik und Kirche sind am Sonnabend in der Hildesheimer St. Michaeliskirche zu einem Gottesdienst zusammengekommen. Dieser zählte zu den zentralen Ereignissen des Reformationsjubiläums. Unter anderen kamen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle.

Zwei Geistliche halten einen Gottesdienst

Versöhnungsgottesdienst in Osnabrück

Hallo Niedersachsen -

In der Katharinenkirche in Osnabrück hat sich die Prominenz der niedersächsischen Katholiken und Protestanten zum ökumenischen Gottesdienst getroffen.

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Gauck lobt Versöhnungs-Bemühungen

Versöhnung gebe es "nur mit dem Blick nach vorne, ohne das Vergangene zu vergessen, aber auch ohne das Vergangene übermächtig bestimmend sein zu lassen", sagte Gauck in einem Grußwort im Anschluss an den Gottesdienst. Die gemeinsame Feier trotz der getrennten Kirchen zeige das "Zusammenspiel menschlicher Anstrengung, menschlichen guten Willens", lobte er.

Die Kirchen wollen Gräben schließen

"Konkrete Schritte gehen"

Katholiken und Protestanten wollten nicht vergessen, was sie einander angetan haben, zugleich aber Gott dafür danken, was sie aneinander hätten, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Er leitete den Gottesdienst gemeinsam mit dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Dieser Gottesdienst soll nicht folgenlos bleiben. Wir setzen darauf, dass viele ähnliche Gottesdienste in unserem Land gefeiert werden", sagte Marx. Bedford-Strohm ergänzte: "Wir wollen konkrete Schritte gehen, die unser Gebet, unsere Lehre und unser Handeln im Geist der ökumenischen Geschwisterlichkeit verändern." Am Gottesdienst beteiligt waren außerdem die methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner und der griechisch-orthodoxe Erzpriester Constantin Miron, die die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vertraten.

"Erinnerungen heilen - Jesus Christus bezeugen"

Der Gottesdienst unter dem Motto "Erinnerungen heilen - Jesus Christus bezeugen" war Teil des Prozesses "Healing of Memories", auf den sich Protestanten und Katholiken verständigt haben. "Im engeren Sinn ist 'Healing of Memories' ein seelsorgerlich-therapeutisches Verfahren in der Täter-Opfer-Arbeit", erklärt die EKD auf ihrer Internetseite. "In den vergangenen Jahren wurde der Begriff aber auf Aussöhnungen zwischen Religionsgemeinschaften, Kulturen und Volksgruppen erweitert." Mit der besonderen ökumenischen Feier wollten die Konfessionen zum ersten Mal ein Reformationsjubiläum nicht zur Abgrenzung, sondern zur Annäherung nutzen. Wegen des großen Interesses wurde der Gottesdienst auf eine riesige Leinwand in die benachbarte Andreaskirche übertragen.

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Die Gabe des anderen

Wenn es gelinge, in Zukunft nicht mehr die Vorurteile übereinander sprechen zu lassen, sondern den anderen als eine Gabe zu sehen, "dann wäre schon viel gewonnen", sagte der theologische Vizepräsident der EKD, Thies Gundlach, im Vorfeld des Versöhnungs-Gottesdienstes. Dennoch blieben theologische Unterschiede zum Beispiel im Verständnis von Amt und Abendmahl. So wurde auch im Fernsehgottesdienst in Hildesheim kein Abendmahl gefeiert.

Trotz Versöhnung: Unterschiede bleiben

Die Gegensätze zwischen katholischer und evangelischer Kirche sind eben nach wie vor da und nicht wegzureden, auch wenn in der St. Michaeliskirche die Versöhnung im Vordergrund stand. Die katholische Kirche betrachtet sich unverändert als die eine wahre christliche Kirche. Andere, darunter die evangelisch-lutherische, sind für sie keine Kirchen im eigentlichen Sinn, sondern lediglich kirchliche Gemeinschaften. Entsprechende Äußerungen stammen zwar schon aus dem Jahr 2000, als Kardinal Joseph Ratzinger die Instruktion "Dominus Iesus" verfasste, und sie wurden auch von Katholiken kritisiert. Doch zurückgenommen wurden diese Äußerungen von der katholischen Kirche nicht, auch wenn Papst Franziskus sich ausdrücklich für die Ökumene ausspricht und lieber die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede betont.

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Ein Grund zu feiern: 500 Jahre Reformation

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.03.2017 | 19:30 Uhr

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