Stand: 26.09.2017 18:23 Uhr

IS-Kämpfer rekrutiert? Abu Walaa vor Gericht

Vor dem Oberlandesgericht Celle hat am Dienstagmorgen der Prozess gegen den Prediger Abu Walaa begonnen. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft ist der Iraker mit dem bürgerlichen Namen Ahmad Abdulaziz Abdullah A. die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland. Mit ihm angeklagt sind vier weitere mutmaßliche führende Islamisten. Verhandelt wird im Hochsicherheitstrakt des Gerichts, die Angeklagten sitzen hinter einer Panzerglasscheibe.

Angeklagte sollen IS-Kämpfer rekrutiert haben

Die fünf Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren sollen von einer Hildesheimer Moschee aus Freiwillige für den IS rekrutiert haben. Alle fünf waren im vergangenen November in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen worden und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Der "Deutsche Islamkreis Hildesheim" (DIK), in dem der 33-jährige Abu Walaa seine radikal-islamistischen Predigten gehalten haben soll, ist inzwischen verboten. Abu Walaa soll die Hildesheimer Moschee zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Auch Anis Amri, der in Berlin einen Anschlag verübt hat, soll sich im Umfeld des Predigers aufgehalten haben.

Sicherheitsvorkehrungen verzögern Prozessbeginn

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Fragen und Antworten zu Abu Walaa

Der Hildesheimer IS-Prediger Abu Walaa muss sich vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten. NDR Redakteurin Angelika Henkel beantwortet die wichtigsten Fragen zum Prozess. mehr

Der Prozess begann knapp eine Stunde später als geplant. Hauptgrund hierfür waren die hohen Sicherheitsvorkehrungen: Alle Besucher mussten eine Sicherheitsschleuse passieren. Der Hauptangeklagte Abu Walaa gab sich zum Prozessauftakt entspannt, zeigte sich sogar amüsiert, als ein Ausfall der Mikrofonanlage im Gerichtssaal den Verhandlungsbeginn noch weiter hinauszögerte und als es dem Richter schwerfiel, seinen vollständigen Namen auszusprechen.

Verteidiger nennt Kronzeugen einen Hochstapler

Mehrere V-Leute der Polizei und ein ehemaliger IS-Sympathisant, der im Prozess als Kronzeuge auftritt, belasten den Hauptangeklagten. Der Kronzeuge war selbst zum IS nach Syrien gereist, dann aber nach Deutschland zurückgekehrt. Er stellte sich hier den Behörden und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Abu Walaas Verteidigung bezeichnete den Kronzeugen zum Prozessauftakt als Hochstapler. Es könne nicht sein, dass sich die Vorwürfe gegen den Angeklagten auf Aussagen eines Terroristen stützten, so Verteidiger Peter Krieger. Der Zeuge erzähle "fantastische Geschichten", deren Wahrheitsgehalt die Behörden nicht überprüft hätten.

Prozess bis Januar - mindestens

Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung jeweils bis zu zehn Jahre Haft. Bis Ende Januar sind 29 Verhandlungstage geplant. Ob das ausreicht, steht allerdings noch nicht fest. Anträge der Verteidigung könnten den Prozessverlauf verzögern, zudem sollen 70 Zeugen angehört werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 26.09.2017 | 14:00 Uhr

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