Stand: 02.09.2017 17:37 Uhr

Herzschrittmacher anfällig für Hackerangriffe

Hackerangriffe auf Computersysteme kommen immer wieder und immer häufiger vor. Nun müssen selbst Patienten mit einem Herzschrittmacher befürchten, Opfer von Hackern zu werden. In Tausenden Herzschrittmachern klafft nach Angaben von Pharmakonzernen und US-Behörden offenbar eine Sicherheitslücke. Betroffen sind auch Patienten in Niedersachsen. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) berichtet von bis zu 30 Patienten, die den betroffenen Herzschrittmacher des Herstellers St. Jude Medical in sich tragen. Da die Betroffenen ohnehin regelmäßig für Routinekontrollen in der MHH seien, werde das Problem nun mit ihnen besprochen. Dann entscheide man gemeinsam, ob ein Update durchgeführten werden soll, so ein Klinik-Sprecher.

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25.07.2017 20:15 Uhr
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Einige zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln können schädlich sein. Und: Herzschrittmacher, Blutspenden, Gelenkschmerzen, Arztbesuch, Sonnenbrillen. Video (44:27 min)

MHH: Hackerangriff unwahrscheinlich

Nach Angaben der US-amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde und des Pharmakonzerns Abbott besteht das Risiko, dass Hacker die Herzschrittmacher per Funk manipulieren. In der MHH zeigen sich die Verantwortlichen aber entspannt, sie empfehlen das Update als reine Vorsichtsmaßnahme. Für die neue Software müsse nur ein Programmiergerät von außen auf die Haut gelegt werden. Eine Operation sei nicht nötig. Die Gefahr, dass die lebenswichtigen Schrittmacher beschädigt werden könnten, schätzen die Mediziner aber als sehr gering ein. Ein möglicher Hackerangriff sei äußerst unwahrscheinlich. Denn dafür müssten die Kriminellen sich den Patienten bis auf wenige Meter nähern.

Was ist ein "Hacker"?

Den Begriff "Hack" wurde im studentischen Modelleisenbahner-Club des Massachussetts Instituts of Technology in den 60er-Jahren geprägt. Wenn dort jemand ein technisches Problem besonders clever und kreativ gelöst hatte, wurde das anerkennend als "Hack" bezeichnet. Erst später ist der Begriff auf die Informatik übertragen worden.

Auch heute verstehen sich Hacker (weiblich: Haecksen) selbst als Tüftler, die ein Problem besonders kreativ und originell lösen. Mit ihrem technischen Know-How können sie unter anderem in Computersysteme eindringen und dort die Sicherheitslücken aufdecken, die dann geschlossen werden können. Computersicherheit ist aber nur ein Aspekt des Hackings. Hacker erstellen auch neue Software oder Hardware oder verändern sie.

Umgangssprachlich wird "Hacker" oft gleichgesetzt mit jemandem, der in ein System eindringt (Englisch "to hack" = eindringen), um dort Schaden anzurichten, Informationen zu stehlen oder um des puren Erfolgs willen. Experten sprechen von "Black-Hat-Hackern". In der weiteren Hacker-Kategorisierung gibt es außerdem die "Grey-Hat-Hacker". Sie verstoßen gelegentlich gegen Gesetze, wollen damit aber meist auch auf Sicherheitslücken und Risiken aufmerksam machen. "White-Hat-Hacker" halten sich an bestehende Gesetze.

Der Chaos Computer Club, die bekannteste deutsche Hacker-Vereinigung, beschäftigt sich unter anderem viel mit gesellschaftlichen Folgen neuer Technik. Der CCC folgt dabei den Grundsätzen der "Hacker-Ethik".

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.09.2017 | 08:00 Uhr

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