Stand: 18.11.2015 19:12 Uhr

Hannover am Tag danach - Rückkehr zur Normalität?

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Oberbürgermeister Schostok will so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren.

Am Tag nach dem Ausnahmezustand ist der Oberbürgermeister vor die Mikrofone getreten. Stefan Schostok (SPD), Oberbürgermeister von Hannover, verteidigte die Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland gegen die Niederlande wegen einer Terrorwarnung. "Das war die absolut richtige Entscheidung", sagte Schostok am Mittwochnachmittag, "auch im Nachhinein." Er lobte Polizei, Feuerwehr und die Bürger seiner Stadt für ihr besonnenes Verhalten nach der Absage und warnte davor, zukünftig einen Generalverdacht gegen Menschen einer Religionsgruppe zu erheben. "Wir bleiben interkulturell und interreligiös. Wir bleiben im Dialog", so der Oberbürgermeister weiter.

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16:57 min

Der Tag nach der Terrorwarnung

18.11.2015 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Die Fans sind enttäuscht, viele Bürger sind verunsichert. Ministerpräsident Weil und Innenminister Pistorius rechtfertigen die Spielabsage, nennen aber keine Details. Video (16:57 min)

Keine Funde - kein Widerspruch?

Die Sicherheit sei immer gewährleistet gewesen und nun müsse so schnell wie möglich zur Normalität zurückgekehrt werden. Alle Großveranstaltungen in der Stadt werden weiterhin stattfinden - es werde auch einen Weihnachtsmarkt geben. Schostok betonte bei einer Pressekonferenz im Rathaus, dass eine Gefährdungslage existiert habe. Er sehe auch keinen Widerspruch darin, dass bei anschließenden Suchaktionen nichts Verdächtiges gefunden wurde. "Dass das Stadtgebiet durchsucht wurde, war absolut folgerichtig", sagte er. Hannover wollte mit dem Länderspiel und einer großen Lichterkette ein Zeichen für Freiheit und Solidarität setzen und das sei auch so wahrgenommen worden. Auch, wenn das Spiel abgesagt wurde.

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26:41 min

"Absage war die absolut richtige Entscheidung"

Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) hat sich am Mittwoch zur Absage des Länderspiels und der Ereignisse des Abends geäußert. Sehen Sie hier die Pressekonferenz in voller Länge. Video (26:41 min)

Weniger Polizei in der Stadt unterwegs

In der Stadt sind laut Innenministerium weiterhin Einsatzkräfte der Polizei unterwegs, es gebe immer noch Kontrollen. Aber: "Wir haben deutlich zurückgefahren", so Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwochmorgen. "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine weitere Gefährdung der Stadt", so der Minister weiter. Bislang wurde weder Sprengstoff gefunden, noch gab es Festnahmen. Der Berufsverkehr ist nicht eingeschränkt, der Hauptbahnhof wieder frei. Die Verkehrsbetriebe hatten am Dienstagabend kurzfristig an den Haltestellen rund um das Stadion nach einer Weisung der Polizei das Aus- und Zusteigen unterbunden. Am Mittwoch fahren aber auch Busse und Bahnen wieder normal durch das Stadtgebiet.

Veranstaltungen in der Stadt teilweise abgesagt

Am Dienstagabend war nicht nur das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande abgesagt und das Stadion evakuiert worden, auch verschiedene Kulturveranstaltungen fanden nicht statt - unter anderem das Konzert von Maceo Parker im Pavillon und eine Lesung von Helge Schneider. Der Komiker wolle am Mittwoch aber auf jeden Fall auftreten, sagt er in einem Video, das er am Dienstagabend auf Facebook gepostet hat - "sonst komme ich halt Donnerstag wieder." Andere Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Konzert der Söhne Mannheims in der TUI-Arena, fanden statt.

"Nicht in Schneckenhaus zurückziehen"

Mit Blick auf kommende Fußballspiele der Bundesliga sagte Innenminister Pistorius am Mittwochmorgen, dass es keine Anhaltspunkte gebe, die Ausrichtung von Bundesligaspielen künftig in Frage zu stellen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fügte hinzu: "Wir sollten weiter aufmerksam sein aber uns nicht von der eigenen Besorgnis erdrücken lassen." Er wolle sich jedenfalls nicht in ein Schneckenhaus zurückziehen. Die Deutsche Fußball Liga teilte am Mittwoch mit, dass die Bundesliga-Spiele am Wochenende stattfinden werden.

Kommentar

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