Stand: 02.10.2015 13:58 Uhr

Haftstrafe für Missbrauch eines Elfjährigen

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Der 22-Jährige ist zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Im Prozess um den sexuellen Missbrauch eines Kindes hat das Landgericht Hannover den Angeklagten am Freitag zu vier Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Der 22-jährige Mann aus dem Raum Hameln hatte sich im sogenannten Darknet mit einem 45-jährigen Belgier verabredet, um Sex mit dessen zur Tatzeit elf Jahre altem Sohn zu haben. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, dass es Jahre dauern werde, bis der Junge über das Erlebte hinwegkomme - sofern dies überhaupt möglich sei.

Stichwort: Darknet

Im sogenannten Darknet ("dunkles Netz") können sich Internetnutzer anonym bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste erreichbare Bereich des Internets wird häufig von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf ihre Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben. Zugangsvoraussetzung ist eine Anonymisierungssoftware, etwa die Freeware "Tor". Damit werden Datenpakete zwischen Tor-Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger, aber nicht die gesamte Verbindung von einem zum anderen Ende. Dadurch wird die IP-Adresse des Nutzers getarnt.

Auch Verteidiger plädiert für Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor fünfeinhalb Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Die Tat sei besonders erniedrigend gewesen, weil der Vater des Jungen sich daran beteiligt und sie außerdem gefilmt habe, so die Anklage in ihrem Plädoyer. Der Vater hatte das Video anschließend ins Netz gestellt. Auch die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe, wollte die Länge der Haft aber im Ermessen des Gerichts lassen. Der Verteidiger wies lediglich darauf hin, dass der Angeklagte sich zur Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld bereiterklärt habe. Dies solle strafmildernd berücksichtigt werden.

Angeklagter will Wiedergutmachung leisten

Zu Prozessbeginn am Mittwoch hatte der 22-Jährige die Tat gestanden. Über seinen Anwalt ließ er erklären, dass er sich gezielt in den pädophilen Kreis des Vaters begeben habe. Er sei ins belgische Mechelen gefahren, um dort den Jungen zu missbrauchen. Gemeinsam mit dem Vater habe er das Kind am 1. März dieses Jahres vergewaltigt. Er sei sich des Unrechts bewusst gewesen, bedauere heute die Tat und wisse auch um die Folgen für das Kind. Obwohl dies angesichts des Verbrechens schwierig sei, wolle er Wiedergutmachung leisten. Am Freitag fügte er hinzu, dass er im Gefängnis eine Therapie machen wolle, damit sich eine solche Tat nicht wiederhole.

Junge wohl bereits als Säugling missbraucht

Vor Gericht wurde am Mittwoch auch das Protokoll der belgischen Polizei von der Vernehmung des Opfers verlesen. Darin schildert der Junge, wie er jahrelang von seinem Vater brutal misshandelt wurde. Aus den Ermittlungsergebnissen geht hervor, dass der Mann seinen Sohn bereits als sechsmonatigen Säugling missbraucht haben soll. "Das ist ein Martyrium durch den Vater, das man sich kaum vorstellen kann", sagte der Richter am Freitag. Bislang gibt es laut der Staatsanwaltschaft in Mechelen keine Hinweise darauf, dass der Belgier seinen Sohn noch von weiteren Männern missbrauchen ließ. Der 45-Jährige sei derzeit inhaftiert und solle in seiner Heimat vor Gericht gestellt werden.

Australische Ermittler entdecken Missbrauchsfilm

Aufgedeckt wurde der Fall durch australische Ermittler, die im Internet nach Sexualstraftätern gefahndet hatten. Dabei entdeckten sie den Film vom Missbrauch des Jungen und verfolgten die Spur bis nach Belgien und Niedersachsen. Der Angeklagte aus dem Raum Hameln wurde über ein Kennzeichenerfassungssystem der belgischen Polizei ermittelt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 02.10.2015 | 13:00 Uhr