Stand: 24.09.2014 16:00 Uhr

GEW-Studie: Lehrer arbeiten fast 50 Stunden

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Für eine Pilotstudie haben 39 Lehrer ihre Arbeitszeiten auf die Minute genau notiert. (Themenbild)

Die beschlossene Mehrarbeit für Gymnasiallehrer von einer Unterrichtsstunde wöchentlich treibt die Pädagogen auf die Barrikaden: Ihre vielen Arbeitsstunden außerhalb des Unterrichts würden nicht berücksichtigt. Zugleich hält sich hartnäckig das alte Klischee, dass Lehrer mittags Feierabend machen und mehr Ferien haben als alle anderen. In der Tellkampfschule in Hannover ist am Mittwoch eine Studie vorgestellt worden, in der die Arbeitszeit der Lehrkräfte erstmals genau erfasst wurde. Demnach haben sie knapp eine 50-Stunden-Woche.

Gewerkschaft finanziert die Studie

Das Kollegium der Tellkampfschule hatte die Erhebung in Auftrag gegeben, bezahlt wurde sie von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen. Die Sozialwissenschaftler Frank Mußmann und Martin Riethmüller von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften an der Universität Göttingen haben die Daten gesammelt und ausgewertet. Die Daten stammen von den Lehrern selbst: Vom 24. März bis zum 30. Juli haben 39 Mitglieder des Kollegiums der Tellkampfschule ihre Arbeitszeit minutengenau festgehalten. Laut GEW hat die Auswertung ergeben, dass sie durchschnittlich 49 Stunden und 44 Minuten in der Woche arbeiten.

Daten von 39 Lehrern können nur der Anfang sein

Die teilnehmenden Lehrkräfte hätten sich schriftlich dazu verpflichtet, wahrheitsgemäße Angaben zu machen, erklärte Mußmann. Sie seien außerdem ausführlich mit dem Erhebungstool vertraut gemacht worden. Die Lehrer konnten die Daten in den Computer oder auch ins Smartphone eingeben. Eine Studie, die sich allein auf die Angaben von 39 Lehrern eines einzigen Gymnasiums stützt, ist allerdings auch nach Ansicht der Wissenschaftler und der Gewerkschaft nicht allgemein aussagekräftig, sondern kann höchstens Diskussionen anstoßen. Wünschenswert wären "umfassendere Studien an Schulen unterschiedlicher Schulformen", so Mußmann und Riethmüller.

Eine Stunde mehr = Drei Stunden mehr

"Wenn sich mehr Schulen beteiligen, sammeln wir gute Argumente, die wir im Normenkontrollverfahren vortragen können", sagte Laura Pooth von der GEW. Dennoch: "Die Ergebnisse sind eindeutig", so Pooth. Die Arbeitsbelastung sei ganz klar zu hoch. Bei der Einschätzung der Arbeitszeit von Lehrern werde oft vergessen, dass eine Unterrichtsstunde sozusagen einen Rattenschwanz hinter sich herzieht: Die Stunde müsse vor- und nachbereitet werden, erinnert die GEW. Hinzu kämen zahlreiche weitere Tätigkeiten. Der Plan, Gymnasiallehrer eine Stunde mehr pro Woche unterrichten zu lassen, bedeute für diese deshalb mehr als nur eine Stunde. "Bezieht man alle Tätigkeiten eines 'Durchschnittslehrers' mit ein (also auch Verwaltungstätigkeiten, Konferenzen, die Selbstorganisation der Schule etc.), kann die Erhöhung in der Summe sogar auf bis zu drei Zeitstunden zusätzliche Arbeit hinauslaufen", so die Einschätzung der Gewerkschaft.

"Arbeitgeber muss unsere Arbeit qualitativ neu bewerten"

Die beiden Sozialwissenschaftler sprechen in ihrer Pilotstudie von "bemerkenswerten (Dauer-)Belastungen", die eine Arbeitswoche von 45 oder 50 Stunden darstelle. Lehrer, mit denen er gesprochen habe, fühlten sich schon vor der Einführung der neuen Regelstundenzeit überlastet, so Frank Mußmann. Die GEW sieht dringenden Handlungsbedarf. "Der Arbeitgeber muss unsere Arbeit qualitativ neu bewerten", forderte Laura Pooth. "Durch die von der Landesregierung beschlossene Arbeitszeiterhöhung wird sich die Belastung noch deutlich verschärfen."

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.09.2014 | 19:30 Uhr

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