Stand: 31.05.2017 20:22 Uhr

Ex-Frau durch Hameln geschleift: 14 Jahre Haft

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Nach der Tat wurde in Hameln eine Mahnwache abgehalten.

Entsetzen herrscht im November 2016 in Hameln: Eine brutale Gewalttat erschüttert die Stadt. Ein Mann gerät mit seiner geschiedenen Frau in Streit - es geht um Unterhaltszahlungen. Er schlägt sie, verletzt sie mit Messerstichen und Axthieben. Dann bindet er der 28-Jährigen ein Seil um den Hals, befestigt dieses an seinem Auto und fährt los. Auf dem Rücksitz: der dreijährige Sohn des Paars. Die Frau wird rund 200 Meter mitgeschleift, dann löst sich das Seil. Die Frau kommt nur knapp mit dem Leben davon, vor der ersten Notoperation muss sie zweimal reanimiert werden. Die Folgen wird sie wohl noch lange spüren. Am Mittwoch ist der Mann vom Landgericht Hannover wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der Angeklagte Nurettin B. mit seinen Strafverteidigern.

Hameln: 14 Jahre Haft für Gewalttäter

Hallo Niedersachsen -

Weil er seine Ex-Frau mit Schlägen, Messerstichen und einem Axthieb schwer verletzt und am Auto durch Hameln geschleift hatte, muss ein 39-Jähriger für 14 Jahre ins Gefängnis.

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Gericht folgt Forderung der Verteidigung

Eine lebenslange Haftstrafe hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Nur durch ein Wunder habe das Opfer überlebt, sagte Staatsanwältin Ann-Kristin Fröhlich in ihrem Plädoyer. Anhaltspunkte für eine Strafmilderung könne sie nicht erkennen. Die Richter entsprachen mit ihrem Urteil jedoch der Forderung der Verteidigung. Diese hatte auf 14 Jahre Haft plädiert - mit Verweis auf das Geständnis des Angeklagten, der für seine Tat Verantwortung übernommen habe. Zum Prozessauftakt hatte der 39-Jährige eingeräumt, dass er seine Ex-Frau töten wollte. "Aufgabe eines Gerichts ist es nicht, Rache zu üben", erklärte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch.

Die Frau bekommt das Auto - auf eigenen Wunsch

Das Geständnis des Mannes wirkte sich Rosenbusch zufolge ebenso strafmildernd aus wie die Tatsache, dass er dem Opfer praktisch sein gesamtes Vermögen übergebe. Der Angeklagte und das Opfer hatten sich vor dem Urteil auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 137.000 Euro geeinigt. Zudem soll der Mann mögliche Folgeschäden bezahlen, sofern diese nicht von Versicherungen übernommen werden. Zusätzlich bekommt die Frau das Haus des Mannes in Eimbeckhausen bei Bad Münder sowie das Auto, an dem sie festgebunden und durch die Stadt geschleift wurde. Nach NDR Informationen war es der Frau besonders wichtig, dass sie selbst entscheiden kann, was mit dem Fahrzeug passiert.

Dass über das Schmerzensgeld und das Auto mit verhandelt wurde, war aufgrund des sogenannten Adhäsionsverfahrens möglich: Es soll den Opfern von Straftaten einen gesonderten Zivilprozess ersparen. Die Adhäsion ermöglicht es, diese Ansprüche im Strafverfahren mit zu entscheiden.

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Mann soll die Frau schon früher misshandelt haben

Die junge Mutter trat im Prozess als Nebenklägerin auf, auch ihr kleiner Sohn wurde als Nebenkläger zugelassen. "Es tut mir unendlich leid, was ich dir angetan habe und unserem gemeinsamen Sohn", sagte der Vater des Kindes in seinem Schlusswort vor Gericht an seine Ex-Frau gerichtet. Diese hielt währenddessen den Blick gesenkt. Sie bedeckte außerdem ihre Ohren, die unter einem Kopftuch verborgen waren - offenbar nicht aus religiösen Gründen, sondern weil sie seit der Tat kahle Stellen auf dem Kopf hat. Das Paar hatte 2013 nach islamischem Recht geheiratet. Nach Schilderung der Frau begann ihr damaliger Mann, sie zu misshandeln, nachdem sie zu ihm nach Eimbeckhausen gezogen war. 2014 hatte sie sich von ihm getrennt.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 31.05.2017 | 19:30 Uhr

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