Stand: 26.08.2015 19:42 Uhr

Ermittlungen im Bundespolizei-Skandal ausgeweitet

von Angelika Henkel, Stefan Schölermann, NDR Info
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Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen fünf Beamte der Bundespolizei. (Themenbild)

Drei Monate nach Bekanntwerden der Vorgänge in der Bundespolizeiinspektion am Hauptbahnhof Hannover sind die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ausgeweitet worden. Wie die Behörde dem NDR auf Nachfrage sagte, wird mittlerweile gegen insgesamt fünf Beamte der Dienststelle ermittelt. Im Zentrum der strafrechtlichen Prüfung stand bisher Polizeiobermeister Torsten S. Er steht unter dem Verdacht der Körperverletzung im Amt. So soll er unter anderem einen 19-jährigen Marokkaner in der Gewahrsamszelle der Wache misshandelt haben. Worum es bei den Ermittlungen gegen die anderen Beamten geht, dazu gab es keine Auskunft. Eine Frage dabei könnte sein, ob diese Beamten von zweifelhaften Vorgängen Kenntnis hatten.

Prügelei im Polizeibus?

Ein Aspekt der Ermittlungen ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft zumindest ein weiterer Tatkomplex, der sich in einem Polizeibus abgespielt haben soll. Tatzeitpunkt soll nach NDR Recherchen ein Winterabend Anfang 2015 gewesen sein. Nach Angaben eines Zeugen soll ein Mann, der am Bahnhof in Gewahrsam genommen worden war und der an einen anderen Ort transportiert werden sollte, im Polizeifahrzeug verprügelt worden sein. Dabei habe er auch einen Zahn verloren. Torsten S. soll dabei einen anderen Polizeibeamten aufgefordert haben, die Musik lauter zu drehen - so die Zeugenaussage. Später sei auch Blut im Fahrzeug zu sehen gewesen. Bei dem mutmaßlich Geschädigten soll es sich um einen deutschen Staatsbürger handeln.

"Keine Anzeichen für systematische Fremdenfeindlichkeit"

Bei ihren bisherigen Ermittlungen habe die Ermittlungsbehörde keine Anzeichen für eine systematische Fremdenfeindlichkeit im Kreise der Beamten in der Bundespolizeiinspektion am Hauptbahnhof Hannover gefunden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zu zwei der mutmaßlich Geschädigten habe die Ermittlungsbehörde mittlerweile Kontakt. Zu dem mutmaßlich dritten Geschädigten, einem 19 Jahre alten Afghanen, bestehe bislang keine Verbindung.

Untersucht werden weiterhin auch die fragwürdigen Einträge einzelner Beamter im sozialen Netzwerk Facebook. Man prüfe nachwievor, ob diese Einträge eine strafrechtliche Relevanz hätten, sagte die Staatsanwaltschaft Hannover dem NDR.

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Hallo Niedersachsen | 26.08.2015 | 19:30 Uhr