Stand: 30.06.2017 09:31 Uhr

Ein großer Tag für die Pioniere der "Homo-Ehe"

Dass der Bundestag heute die "Ehe für alle" beschlossen hat, ist auch ein Erfolg zweier Männer aus Niedersachsen. Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre aus Hannover sind bundesweit Vorreiter in Sachen gleichgeschlechtliche Ehe: Vor knapp 16 Jahren gaben sie sich als erstes homosexuelles Paar in Deutschland das Ja-Wort als eingetragene Lebenspartner. Die Nachricht, dass die "richtige" gleichgeschlechtliche Ehe jetzt plötzlich doch ganz schnell auf der Tagesordnung des Bundestags steht, hat die beiden im Dänemark-Urlaub erreicht - und komplett überrascht.

Die erste "Homo-Ehe" hält bis heute

"Wir waren total von den Socken"

Als Lüschow und Harre am vergangenen Wochenende in den Urlaub aufbrachen, war eine standesamtliche Ehe für die beiden so undenkbar wie eine raue Brandung am Leineufer. Die Neuigkeit schlug im Ferienhaus ein wie ein Bombe, wie Lüschow berichtet: "Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet. Wir haben gehofft, dass es kommt, aber dass es plötzlich so schnell geht - wir waren total von den Socken." Ein wenig stolz sind sie auch, setzen sie sich doch seit Anfang der 1990er-Jahre für die rechtliche Gleichstellung ein. Wird diese erreicht, ist das auch ein Verdienst der Pioniere aus Hannover.

Aus dem Archiv
02:31

Endlich Mann und Mann

01.08.2001 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre haben in Hannover ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Dieselben Rechte wie ein Ehepaar haben sie allerdings nicht. Video (02:31 min)

Ein Kuss, der um die Welt ging

Die Bilder vom Kuss vor dem Standesamt in Hannover am 1. August 2001 gingen um die Welt. Lüschow und Harre hatten die erste Gelegenheit genutzt, nachdem die damalige rot-grüne Bundesregierung die Gesetze entsprechend geändert hatte. Sie waren somit das bundesweit erste homosexuelle Paar, das seine Lebenspartnerschaft eintragen lassen konnte. Ein riesiges Presseaufgebot erwartete sie damals nach der Trauung. "Wir hatten in unserer Naivität zwar mit ein paar Reportern gerechnet, aber nicht mit so einer Masse an Kamerateams", erinnert sich Harre. Auch, wenn die eingetragene Partnerschaft deutlich schlechter gestellt war als eine Ehe zwischen Mann und Frau, hatten sich Harre und Lüschow bewusst den ersten möglichen Termin beim Standesamt gesichert. Die Welt sollte sehen: "Das ist mein Mann, das ist der, mit dem ich alt werden will", sagte Harre vor einem Jahr, als die beiden ihren 15. Hochzeitstag feierten. Bei der Trauung waren sie bereits 13 Jahre zusammen. "Jetzt konnten wir es mal in irgendeiner Form legalisieren. Und das wollte ich einfach, das war mir wichtig, das auch nach außen hin zu zeigen: Wir gehören zusammen, wir sind ein Paar. Das war ein tolles Gefühl."

Weitere Informationen

"Ehe für alle": Überfällig oder überstürzt?

Die "Ehe für alle" ist heute vom Bundestag beschlossen worden. Der Osnabrücker Bischof Bode kritisiert die Abstimmung als überstürzt, Landesbischof Meister begrüßt eine Öffnung. mehr

Am liebsten gleich am 1. August heiraten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zu Beginn der Woche auf einer Talk-Veranstaltung eher beiläufig ihren Kurswechsel in Sachen "Ehe für alle" verkündet. Lüschow und Harre sind überglücklich, dass SPD, Grüne und Linke daraufhin schnell Nägel mit Köpfen machen wollten und umgehend einen Abstimmungstermin im Bundestag initiiert haben. Wenn die beiden aus ihrem Urlaub nach Hannover zurückkehren, haben sie einen großen Wunsch: Sie wollen sofort mit Hochzeitsvorbereitungen beginnen. Die eingetragene Lebenspartnerschaft sei eine wunderbare Sache gewesen, sagt Lüschow, aber ihr Ziel sei es immer gewesen, richtig zu heiraten. Das soll nun passieren, und zwar "so schnell wie möglich. Am allerliebsten am 1. August. Dann muss ich mir keinen neuen Hochzeitstermin merken. Ob das so schnell gehen wird, weiß ich nicht. Aber das wäre ein Traum."

Zwei Männer stehen in ihrer Agentur hinter einen Schriebtisch nebeneinander.

Ehe für alle: Wie ist die Stimmung?

Hallo Niedersachsen -

Der Bundestag wird über die Ehe für alle abstimmen. Wie erleben Lesben und Schwule die Diskussion darüber - und wie positionieren sich die niedersächsischen CDU-Abgeordneten?

3,7 bei 20 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Videos
mit Video

CDU-Landesgruppe MV gegen "Ehe für alle"

Die Mehrheit der CDU-Bundestagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern will gegen die "Ehe für alle" stimmen. Die klassische Familie verdiene besonderen Schutz, so Landesgruppenchef Rehberg. (29.06.2017) mehr

Link

FAQ: Was bedeutet die "Ehe für alle"?

Was ändert sich durch die "Ehe für alle"? Was passiert mit den Lebenspartnerschaften? Und was ist mit Adoptionen? Auf tagesschau.de finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 29.06.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:58

Haftstrafe im Prozess um getötete Millionärin

19.10.2017 16:00 Uhr
NDR//Aktuell
03:15

Klinik-Apotheken: Medikamente werden knapp

18.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:01

Emden bleibt Scheidungs-Hochburg

18.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen