Stand: 13.03.2016 13:38 Uhr

Die Wärme kommt aus der Kuchenfabrik

Duingen ist ein Flecken mit rund 3.000 Einwohnern im Landkreis Hildesheim. Dort gibt es ein Hallenbad, zwei Supermärkte und eine Kuchenfabrik. Und ab Mittwoch werden sich dort rund 40 Wissenschaftler und Studierende umschauen. Denn die kleine Gemeinde hat Großes vor: Duingen soll ein energieautarker Modellort werden, der den kompletten Bedarf des Ortes mit regenerativ erzeugter Energie deckt. Dabei geht es um mehr als Windräder und Solaranlagen. Denn Duingen verfügt bereits über ein 40.000 Quadratmeter großes Solarfeld und nutzt die vorhandene Abwärme von Industriebetrieben: Eine Biogasanlage speist ein Blockheizkraftwerk, das alle öffentlichen Gebäude wie die Schulen und das Hallenbad beheizt.

Duingen plant Energie-Selbstversorgung

"Es gibt Leute, die anfangen"

Das ist umweltschonend und spart jede Menge Geld, sagt Bürgermeister Wolfgang Schulz (parteilos). Die Idee sei, neue Möglichkeiten der Energiespeicherung zu entwickeln und die vor Ort erzeugte Wärme über einen Wärmetauscher in Kälte umzuwandeln, etwa zur Kühlung der Supermärkte. Dazu könnte auch die Abwärme einer großen Kuchenfabrik im Ort genutzt werden. Wie das funktionieren kann und ob auch Privatgebäude in die Versorgung mit einbezogen werden können, untersuchen die Experten der Ostfalia-Hochschule Wolfenbüttel in der kommenden Woche. Die Forscher denken laut Lars Kühl von der Ostfalia-Hochschule an das Anlegen eines Nahwärmenetzes. Seiner Einschätzung zufolge werden vor allem sinkende Energiekosten für viele Menschen den Ausschlag zu einer Umstellung geben: "Es gibt Leute, die fangen damit an und überzeugen andere davon."

Abwärme aus dem Chemiewerk

Auch Steyerberg im Landkreis Nienburg wolle die Abwärme eines Chemiewerks im Ort über ein Nahwärmenetz zum Beheizen von rund 450 Haushalten nutzen, sagt Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber (CDU). Der Flecken bemüht sich seit mehr als 25 Jahren um Elektromobilität und hat Niedersachsens erste Solartankstelle eingerichtet, mit einem Carsharing-Angebot für Elektroautos, das mehr als 40 Teilnehmer hat.

Niedersachsen als Vorreiter

Niedersachsen engagiert sich seit Jahren für die Suche nach effizienten und klimaschonenden Konzepten zur Energieversorgung. Duingen hat die Initiative 2008 gestartet. Bereits 2005 ging Jühnde im Landkreis Göttingen als bundesweit erstes Bioenergiedorf an den Start. Mittlerweile gibt es 15 solcher Orte in Niedersachsen, die mindestens 50 Prozent des Bedarfs an Strom und Wärme aus regional erzeugter Bioenergie abdecken, so eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums.

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