Stand: 18.05.2016 15:06 Uhr

Des Papstes Haar: Laatzen hat nun eine Reliquie

Turin verwahrt das Grabtuch von Jesus Christus, Köln hütet in seinem Dom seit dem 12. Jahrhundert im berühmten Drei-Königs-Schrein die Gebeine der drei heiligen Könige und in Paris rühmt man sich des Besitzes von Partikeln der Dornenkrone, die Jesus Christus während der Kreuzigung getragen haben soll. Seit vielen Jahrhunderten pilgern deswegen Katholiken zu diesen Orten, da sie sich von einer Anbetung oder gar Berührung Heilung von Krankheiten versprechen. In der Region Hannover hatte sich dieser Brauch nach der Reformation im 16. Jahrhundert für lange Zeit erledigt. Seit Mittwoch ist diese reliquienlose Zeit beendet. Ein Altenheim in Laatzen (Region Hannover) hat für seine Kapelle aus Polen eine besondere Reliquie erhalten: Dabei handelt es sich um Haare des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II., der 2014 heiliggesprochen worden war.

Heiliges Haar in Laatzener Seniorenresidenz

Reliquie als Geschenk

Die außergewöhnliche Schenkung hat das Altenheim den guten Kontakten seines Leiters Adrian Grandt nach Polen zu verdanken. Er hatte dort ein Benefizkonzert zugunsten eines Hospizes organisiert und als Dank die Reliquie geschenkt bekommen.

Video
03:33 min

Heilige Locke von Johannes Paul II. in Laatzen

18.05.2016 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

In jedem katholischen Altar gibt es eine Reliquie. In der Kapelle einer Laatzener Seniorenresidenz sind dies nun einige Haare von Johannes Paul II., der 2014 heiliggesprochen wurde. Video (03:33 min)

Haare eines heiligen Pontifex

Im Gegensatz zu mancher anderer Reliquie ist die Echtheit in Laatzen verbürgt. Das lässt sich nicht von allen Reliquien behaupten, denn im Mittelalter gab es einen schwunghaften Handel mit solchen Heiligtümern. Manch ein verehrter Knochen stammt nach Ansicht von Wissenschaftlern deshalb auch nicht unbedingt von einem Heiligen. Laatzen könnte jedenfalls von der Papst-Reliquie profitieren. Offen ist, ob daraus ein regelrechter Pilgerstrom wird.

Erstklassige Reliquie

Die Chancen dafür stehen allerdings ganz gut: Denn es handelt sich bei den Haaren des verstorbenen Papstes um eine Reliquie erstes Grades. Das heißt, es handelt sich um körperliche Überreste wie Knochen, Fingernägel oder in seltenen Fällen auch Blut des Verstorbenen. Die Reliquien zweiter Klasse sind Gegenstände, die der Heilige zu Lebzeiten berührt hat. Und auch eine dritte Klasse gibt es. Wenn beispielsweise ein Tuch mit einer Reliquie in Kontakt gekommen ist.

Weitere Informationen

Das Kirchenlexikon - R wie Reliquien

Kirche im NDR

Der Brauch, Reliquien in Altäre einzulassen, geht auf eine Tradition der frühen Kirche zurück. Menschen erhofften sich Schutz, Heilung und Glück, wenn sie die Reliquiare berührten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 18.05.2016 | 15:30 Uhr

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