Stand: 12.02.2016 15:32 Uhr

Der Fall Edathy - eine Chronologie

Immer weitere Kreise zieht der Fall Sebastian Edathy. Aus Berichten über einen Verdacht im Zusammenhang mit Kinderpornografie gegen den SPD-Politiker, der Anfang Februar sein Mandat niedergelegt hatte, wird zusehends eine Politaffäre. Denn offenbar waren unter anderem die SPD-Spitze in Berlin sowie der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) seit Monaten informiert. Eine Chronologie der Ereignisse:

Wer wusste wann was im Fall Edathy?

2011

Das Bundeskriminalamt (BKA) erfährt Ende 2011, dass 800 Kunden einer kanadischen Firma, die weltweit kinderpornografisches Material vertreibt, aus Deutschland stammen. Die kanadischen Behörden ermitteln in dem Fall, der den Codenamen "Spade" trägt, seit 2010. Laut BKA wurde diese Datei Anfang 2012 grob durchgesehen. Dann seien zunächst Fälle verfolgt worden, bei denen es eindeutig um strafbares kinderpornografisches Material gegangen sein soll.

Oktober 2013

Das BKA leitet im Oktober eine Liste mit 80 Namen an die Landeskriminalämter (LKA) weiter, unter anderem auch an das LKA in Niedersachsen, um sie nach regionaler Zuständigkeit bearbeiten zu lassen. Im Oktober wird auch der Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main informiert. Dort sitzt die Zentralstelle des Landes Hessen zur Bekämpfung pornografischer und jugendgefährdender Schriften. Ende Oktober werden dann hochvertrauliche Informationen an den Generalstaatsanwalt in Celle übermittelt.

15. Oktober 2013

Das LKA informiert die Polizeiinspektion Nienburg, weil auf der Liste der Name Edathy entdeckt wird. Der Wohnort des Politikers, Rehburg-Loccum, liegt in deren Zuständigkeitsbereich. Sechs Ermittler für Sexualdelikte und der Leiter der Polizeiinspektion, Frank Kreykenbohm, erfahren von dem Verdacht. Kreykenbohm informiert auch seinen Chef, den Göttinger Polizeipräsidenten Robert Kruse, der wiederum Innenminister Boris Pistorius (SPD) verständigt. Noch am 15. Oktober ruft ein Nienburger Polizeibeamter im BKA an und informiert die Behörde, dass ein Bundestagsabgeordneter auf der Liste steht. BKA-Präsident Jörg Ziercke wird in Kenntnis gesetzt.

16. Oktober 2013

BKA-Chef Ziercke informiert den damaligen Innenstaatssekretär Klaus-Dieter Fritsche (CSU). Der gibt die Information an den damaligen Innenminister Friedrich weiter. Friedrich reicht die Information an SPD-Chef Sigmar Gabriel weiter, der wiederum SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sowie den damaligen Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, informiert.

17. Oktober 2013

Oppermann ruft bei BKA-Chef Ziercke an - um sich den Fall bestätigen zu lassen, wie er es zunächst im Februar 2014 formulierte. Von dieser Aussage rückte er später ab: Ziercke habe nichts bestätigt, er habe es aber so verstanden.

5. November 2013

Hannovers Oberstaatsanwalt Jörg Fröhlich erhält hochvertrauliche Akten in einem verschlossenen Umschlag. Lediglich Oberstaatsanwalt Thomas Klinge, Leiter der niedersächsischen Zentralstelle zur Bekämpfung pornografischer Schriften, erhält Fröhlich zufolge ebenfalls Kenntnis darüber. In den kommenden Wochen sammelt die Staatsanwaltschaft Hannover nach eigenen Angaben weitere Informationen zum Fall Edathy. Sie beginnt, die Verdachtsmomente zu klären und bezieht dabei auch die Persönlichkeitsrechte von Edathy mit ein. Für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ist die Lage laut Fröhlich "noch zu dünn".

13. November 2013

Kanadische Ermittler halten eine Pressekonferenz ab. Es wird öffentlich bekannt, dass auch Deutsche zu den Kunden zählen.

28. November 2013

Edathys Rechtsanwalt Christian Noll bittet um ein vertrauliches Gespräch mit der Leitung der Staatsanwaltschaft Hannover. Darin fragt er konkret nach Ermittlungen gegen seinen Mandanten. "Wie Herr Noll zu diesen Informationen gekommen ist, entzieht sich unserer Kenntnis", so Fröhlich. Auch bei der Staatsanwaltschaft Berlin und beim Landeskriminalamt Niedersachsen stellt Noll ähnliche Anfragen.

Dezember 2013

SPD-Fraktionschef Oppermann gibt die Informationen, die er im Oktober von Sigmar Gabriel erhalten hat, an die neue Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Christine Lambrecht, weiter. Dies teilt er am 13. Februar 2014 der Öffentlichkeit mit.

22. Januar 2014

Noll spricht bei der Staatsanwaltschaft Hannover mit dem zuständigen Oberstaatsanwalt Klinge. Der Anwalt betont, dass sein Mandant Edathy Gerüchte gehört habe, dass in einem bestimmten Verfahren ermittelt würde. Herr Edathy befürchte, davon betroffen zu sein. Noll weist darauf hin, dass Edathy keine Kinderpornografie besitze und Fotos nicht mehr in seinem Besitz seien.

28. Januar 2014

Beratungen zwischen der Staatsanwaltschaft Hannover und der Generalstaatsanwaltschaft Celle: An deren Ende steht der Entschluss, Ermittlungen gegen Edathy aufzunehmen. Es handelt sich um ein sogenanntes verdecktes Verfahren.

6. Februar 2014

Der Leitende Oberstaatsanwalt Fröhlich verschickt ein Schreiben an den Präsidenten des Bundestags, Norbert Lammert, in dem er ihn über Ermittlungen gegen Edathy informiert. Die Aufhebung der Immunität wird nicht beantragt, nötig ist lediglich das Anzeigen der Ermittlungen. Erst am 12. Februar kommt der Brief beim Bundestagspräsidenten an - unverschlossen.

7. Februar 2014

Edathy erklärt vor einem Berliner Notar seinen Verzicht auf sein Bundestagsmandat.

8. Februar 2014

Edathys Mandatsverzicht wird öffentlich. Er nennt "gesundheitliche Gründe". Sein Schritt kommt für die Staatsanwaltschaft Hannover "völlig überraschend", so Fröhlich später.

10. Februar 2014

Die Staatsanwaltschaft Hannover erwirkt Durchsuchungsbeschlüsse. Mehrere Wohnungen und Büros von Edathy werden durchsucht.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erfährt eigenen Angaben zufolge von den Vorwürfen gegen Edathy.

11. und 12. Februar 2014

Weitere Räume, die Edathy genutzt haben soll, werden bekannt und anschließend durchsucht. Bei allen Durchsuchungen werden insgesamt zwei Computer sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft erwartet nicht, dass darauf viel Material zu finden ist. Außerdem werden Computerteile gefunden. Dass diese auf die Zerstörung einer Festplatte zurückzuführen sind, kann die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

12. Februar 2014

Bundestagspräsident Lammert erhält den unverschlossenen Brief, mit dem die Staatsanwaltschaft Hannover ihre Ermittlungen anzeigt. Die Staatsanwaltschaft untersucht den "langen Postlauf".

Edathy meldet seinen Dienst-Laptop per Fax in der Bundestagsverwaltung als gestohlen.

13. Februar 2014

Bundesminister Friedrich gerät unter Druck: Die Berliner Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen wegen möglichen Geheimnisverrats ein, nachdem bekannt wird, dass Bundespolitiker bereits im Oktober von einem Verdacht gegen Edathy wussten. Die Frage: Wurde auch Edathy selbst informiert? Übereinstimmenden Medienberichten zufolge könnten in Edathys Räumen sichergestellte Festplatten zuvor manipuliert oder gelöscht worden sein. Gegenüber Vertrauten soll Edathy bestritten haben, Beweismittel vernichtet zu haben.

14. Februar 2014

Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich gibt seinen Rücktritt bekannt. Die Staatsanwaltschaften in Hannover und Berlin wollen voraussichtlich in der folgenden Woche entscheiden, ob Ermittlungen gegen Friedrich wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen aufgenommen werden.

Die Staatsanwaltschaft Hannover äußert sich in einer Pressekonferenz erstmals zu den Vorwürfen gegen Edathy.

17. Februar 2014

Edathy reicht Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Hannover ein. Seinem Anwalt zufolge haben sich die Ermittler auf einer Pressekonferenz am 14. Februar "wahrheitswidrig" geäußert und "die Grundrechte" des 44-Jährigen verletzt.

SPD-Innenexperte Heiner Bartling spricht im NDR Fernsehen über ein Telefongespräch mit Edathy. Demnach sagte Edathy seinem Parteikollegen, dass er von mehreren oder einem Informanten von Gerüchten über mögliche Ermittlungen gehört haben soll.

Nach Informationen des Rechercheverbunds von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" erhält Edathy Morddrohungen. Am 23. Februar bestätigt er dies gegenüber "Spiegel Online". Er werde deshalb zunächst nicht nach Berlin oder in seine Heimat im Landkreis Nienburg zurückkehren.

18. Februar 2014

Die Staatsanwaltschaft Hannover reagiert auf das NDR Interview mit Innenexperte Bartling (SPD) und will prüfen, ob wegen eines möglichen Informanten zusätzlich wegen Verdachts auf Strafvereitelung ermittelt wird. Zudem leitet die Behörde ein Verfahren wegen Verdachts auf Geheimnisverrat gegen unbekannt ein, weil der Brief der Staatsanwaltschaft über die Ermittlungen gegen Edathy unverschlossen bei Bundestagspräsident Lammert ankam.

19. Februar 2014

Am Vormittag informiert Justizstaatssekretär Wolfgang Scheibel den Ausschuss für Rechts- und Verfassungsfragen in Hannover. In Berlin beschäftigt sich der Innenausschuss mit der Affäre Edathy, im Bundestag debattieren die Abgeordneten in einer Aktuellen Stunde über den Fall.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, erstattet Strafanzeige gegen den Fraktionsvorsitzenden der SPD, Thomas Oppermann, und gegen den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke. Der FDP-Vize wirft Ziercke vor, Dienstgeheimnisse verletzt zu haben und Oppermann, Ziercke zum Geheimnisverrat angestiftet zu haben.

20. Februar 2014

Die CDU Niedersachsen fordert, dass die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen gegen Edathy abgibt, "sie sei zu nah dran". Außerdem verlangt die Landtagsfraktion Kopien von Vermerken, E-Mails und Gesprächsnotizen aller niedersächsischen Ministerien, der Staatskanzlei sowie nachgeordneter Behörden zum Gesamtkomplex Edathy.

21. Februar 2014

Der Druck auf die niedersächsischen Ermittlungsbehörden nimmt zu. Oppositionspolitiker in Bund und Land werfen Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) und der Staatsanwaltschaft Hannover vor, nicht an der Aufkärung des Falls Edathy interessiert zu sein. Diese hatten zuvor kurzfristig eine Ladung des Bundesinnenausschusses abgesagt, weil sie in der Sache "nichts Neues" beizutragen hätten.

03. März 2014

Die niedersächsische SPD teilt mit, dass sie erst nach Abschluss des Strafverfahrens darüber entscheiden will, ob Sebastian Edathy aus der Partei ausgeschlossen werden soll. Zur Begründung hieß es, wesentliche Fragen der parteiinternen Klärung seien Gegenstand des Ermittlungsverfahrens. "Es gibt ein formales Parteiordnungsverfahren gegen Herrn Edathy", sagt SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nach einer Besprechung des Parteipräsidiums. Man habe das Verfahren einstimmig an die Bezirksschiedskommission in Hannover übergeben. Fahimi begründet den Schritt mit moralisch unkorrektem Verhalten Edathys.

12. März 2014

Der Bundestagsinnenausschuss befragt Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) zum Fall Edathy. Niedersachsens Justizministerin sagt, es gäbe "keine Anhaltspunkte für Ermittlungsfehler" im Fall Edathy. Die Kritik an den niedersächsischen Behörden, nicht schnell und entschlossen genug gehandelt zu haben, weist sie von sich. Forderungen, die Ermittler im Fall Edathy auszutauschen, lehnt Niewisch-Lennartz bereits vor der Befragung in Berlin ab: "Eine politische Einflussnahme auf ein Verfahren wird es mit mir nicht geben."

16. März 2014

Sebastian Edathy trifft sich in Südeuropa zum Gespräch mit dem "Spiegel". Nach Wochen des Schweigens äußert er sich selbst zu dem Fall. Er beteuert, er sei nicht pädophil. Edathy distanziert sich von Kinderpornografie und räumt Verständnis für seine Kritiker ein: "Wenn jemand sagt, ich finde das nicht gut, kann ich das verstehen." Edathy gibt erneut an, der Laptop, von dem aus er die Nacktbilder bestellt habe, sei gestohlen worden.  

22. März 2014

Das Bundeskriminalamt erneut in der Kritik: Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hätte das BKA schon vor Oktober 2013 von dem Verdacht gegen Sebastian Edathy wissen können. Bereits bei den Ermittlungen zu dem Anschlag auf Edathys Büro soll der Name Edathy in Zusammenhang mit dem Besitz von Kinderpornografie aufgetaucht sein. Die Vorwürfe wurden aber offenbar nicht weiter verfolgt.

2. Mai 2014

Der NDR und die "Süddeutsche Zeitung" berichten, dass das Landeskriminalamt Niedersachsen seinen Abschlussbericht über die Ermittlungen zum Fall Edathy vorgelegt hat. Darin heißt es, Edathy habe in mehreren Fällen strafbares kinderpornografisches Material über das Internet aufgerufen. Zudem fanden Ermittler im Rahmen der Durchsuchungen von Büros und Privaträumen Edathys eine CD mit 45 angeblich jugendpornografischen Videos sowie Hefte mit angeblich jugendpornografischen Bildern.

4. Mai 2014

Der "Spiegel" berichtet, Edathy habe in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen die Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit den Kinderpornografie-Ermittlungen eingelegt. Eine Beschwerde gegen die Durchsuchungsbeschlüsse beim Landgericht Hannover war im April abgewiesen worden. Edathys Anwalt Christian Noll sagte dem Nachrichtenmagazin, die Beschlüsse seien "verfassungswidrig", da die Ermittler aus einem viele Jahre zurückliegenden nicht strafbaren Verhalten Rückschlüsse auf eine aktuelle Straftat geschlossen uns so "zu Unrecht einen Anfangsverdacht angenommen" hätten.

4. Mai 2014

Die Staatsanwaltschaft Hannover will im Fall Edathy wegen Geheimnisverrats ermitteln, weil Teile aus einem Bericht des Landeskriminalamtes öffentlich geworden waren. NDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten am Freitag (2. Mai 2014) berichtet, dass Edathy laut dem LKA-Bericht mehrfach strafbares kinderpornografisches Material aus dem Internet abgerufen hat.

9. Mai 2014

Die niedersächsische CDU-Fraktion kündigt an, vor dem Staatsgerichtshof Bückeburg gegen die Landesregierung zu klagen. Die Partei fordert die Herausgabe aller Akten im Fall Edathy. Derzeit lägen ihr nur vier Prozent der Akten vor, empörte sich Fraktionschef Björn Thümler.

9. Mai 2014

Im niedersächsischen Justizministerium geht ein Schreiben von Edathys Anwalt Christian Noll ein. Er fordert Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz dazu auf, die Staatsanwaltschaft Hannover von den Ermittlungen gegen seinen Mandanten abzuziehen. Als die Staatsanwaltschaft am 10. Februar Edathys Privat- und Büroräume durchsucht habe, sei er noch Bundestagsabgeordneter gewesen und habe Immunität besessen. Die Durchsuchungen seien ein Verfassungsbruch. Von seinem damaligen Status habe Edathy erst am Tag zuvor erfahren.

02. Juni 2014

Der Bundestag entscheidet über den Untersuchungsausschuss im Fall Edathy. Darin soll es um die Verfahrensabläufe in der niedersächsischen Justiz und zwischen dem Bundeskriminalamt und den Ländern gehen. Sebastian Edathy selbst soll vor dem Ausschuss aussagen - als Zeuge, nicht als Beschuldigter.

02. Juli 2014

Im Deutschen Bundestag nimmt der Untersuchungsausschuss im Fall Edathy die Arbeit auf. Das achtköpfige Gremium soll unter anderem die Rolle des Bundeskriminalamts und die Verfahrensabläufe in der niedersächsischen Justiz untersuchen.

17. Juli 2014

Die Staatsanwaltschaft Hannover klagt Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos und Videos an. Die Anklage soll auf Links zu kinderpornografischen Internetseiten basieren, die die Ermittler in einer Sicherungskopie eines verschwundenen Laptops von Edathy gefunden hatten.

29. August 2014

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe weist Edathys Beschwerde gegen die Durchsuchung seiner Wohnung zurück. Die Rügen seien "teilweise unzulässig, im Übrigen unbegründet", teilte das Gericht mit.

15. Oktober 2014

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages beschließt, Edathy am 18. Dezember als Zeuge zu befragen. Der frühere Abgeordnete könnte allerdings die Aussage verweigern.

14. November 2014

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Hannover wird zugelassen: Das Landgericht Verden eröffnet ein Verfahren gegen Edathy. Der erste Verhandlungstermin wird für den 23. Februar 2015 angesetzt.

13. Dezember 2014

Edathy behauptet gegenüber dem Magazin "stern", er sei von dem SPD-Politiker Michael Hartmann im November 2013 darüber informiert worden, dass gegen ihn Ermittlungen laufen. Hartmann habe die Informationen vom früheren BKA-Präsidenten Zierke bekommen.

18. Dezember 2014

In einer Pressekonferenz in Berlin bezieht Edathy erstmals öffentlich Stellung zu den Kinderpornografie-Vorwürfen. Dabei spricht er auch von einer öffentlichen Vorverurteilung seitens der Medien. Zudem habe ihm das Landgericht Verden nach eigener Aussage angeboten, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Am gleichen Tag sagt Edathy erstmals im Untersuchungsausschuss des Bundestages aus.

9. Januar 2015

Die Staatsanwaltschaft Hannover lehnt eine Einstellung des Verfahrens gegen Sebastian Edathy ab. Das bisherige Verhalten Edathys nach den vorgeworfenen Taten sei nicht geeignet, den Schuldvorworf geringer erscheinen zu lassen. Insbesondere habe sich Edathy bisher weder schriftlich noch in öffentlichen Äußerungen in irgendeiner Form zu den Anklagevorwürfen bekannt, so die Staatsanwaltschaft.

15. Januar 2015

Edathy sagt erneut als Zeuge im Untersuchungsausschuss aus - und bleibt dabei, dass er von seinem damaligen Fraktionskollegen Hartmann informiert wurde und der vom damaligen BKA-Chef Jörg Ziercke. Auch Ziercke sagt als Zeuge aus und bestreitet einen Geheimnisverrat. Am Ende steht Aussage gegen Aussage.

16. Januar 2015

Der "Spiegel" berichtet, dass Edathy im nicht öffentlichen Teil der Ausschuss-Sitzung die Namen von fünf weiteren SPD-Politikern offenbart hat, die ebenfalls frühzeitig von den Kinderpornografie-Ermittlungen gewusst haben sollen. Unter ihnen ist der Hamburger Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs. Auch sie sollen demnächst im Ausschuss befragt werden.

5. Februar 2015

Vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss belastet Sebastian Edathys Anwalt, Christian Noll, erneut den SPD-Abgeordneten Michael Hartmann. Er soll Edathy über die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes informiert haben. Zudem warf er SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann vor, mehrere Leute über die Ermittlungen gegen Edathy in Kenntnis gesetzt zu haben.

23. Februar 2015

Nach nur eineinhalb Stunden wird der Prozess gegen Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischen Materials am Landgericht Verden unterbrochen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung sollen die Zeit nutzen, um sich über die Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zu verständigen.

02. März 2015

Sebastian Edathy legt am zweiten Prozesstag ein Geständnis ab. "Die Vorwürfe treffen zu. Die Gegenstände habe ich in meinem Besitz gehabt", sagte Anwalt Christian Noll im Namen von Edathy. Der Richter stellt das Verfahren daraufhin gegen eine Geldauflage von 5.000 Euro ein.

20. März 2015

Das Verfahren gegen den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy ist endgültig eingestellt. Edathy hat die Geldauflage in Höhe von 5.000 Euro an den Landesjugendfeuerwehrverband gezahlt. Das Gericht hatte den Verband als Adressaten bestimmt, nachdem der Niedersächsische Kinderschutzbund das Geld nicht angenommen hatte.

1. Juni 2015

Das Schiedsgericht des SPD-Bezirks Hannover entzieht Edathy für drei Jahre alle Rechte als SPD-Mitglied. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete kündigt Widerspruch gegen die Entscheidung an. Im Zuge des sogenannten Parteiordnungsverfahrens stand zuvor auch ein kompletter Rauswurf von Edathy aus der Partei im Raum.

08. Juni 2015

Das SPD-Bundespräsidium will das Parteiausschlussverfahren gegen Edathy fortsetzen und auch das Schiedsgericht der Bundespartei einberufen. SPD-Generalsekretärin Fahimi fordert Edathy erneut auf, die Partei freiwillig zu verlassen.

11. Juni 2015

Der Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig und die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) werden als Zeugen im sogenannten Edathy-Ausschuss des Deutschen Bundestages gehört. Lüttig attackiert die Ermittler aus Hannover bei seiner Aussage.

18. Juni 2015

Der Untersuchungsausschuss befragt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Dieser bestreitet, Edathy vor den Ermittlungen gegen ihn gewarnt zu haben. Er habe im Oktober 2013 vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) davon erfahren und nur mit Frank-Walter Steinmeier und Thomas Oppermann darüber gesprochen.

04. August 2015

Ein Gutachten wird öffentlich, demzufolge das Bundeskriminalamt 2013 die gegen Edathy ermittelnde Staatsanwaltschaft zeitnah darüber hätte informieren müssen, dass ihre Ermittlungen in der SPD bekannt waren. Dem Gutachten zufolge, das dem ARD-Magazin Panorama vorliegt, war dies zumindest dem damaligen BKA-Präsidenten Jörg Ziercke nach einem Anruf des SPD-Politikers Thomas Oppermann im Oktober 2013 bewusst.

12. Februar 2016

Auch nach dem zweiten Anlauf der SPD-Spitze, einen Parteiausschluss von Sebastian Edathy zu erwirken, bleibt dieser SPD-Mitglied. Die Partei einigt sich mit Edathy auf einen Vergleich: Der Parteivorstand erhebt "keinen strafrechtlichen Unrechts- oder Schuldvorwurf" gegen Edathy, der lässt seine Rechte als Parteimitglied im Gegenzug für fünf Jahre ruhen.