Stand: 11.02.2016 22:29 Uhr

Dem Klang des Universums lauschen

Es ist eine Weltsensation, die Wissenschaftler am Donnerstag verkündet haben. Ihnen ist endlich der direkte Nachweis von Gravitationswellen gelungen. Entscheidend daran beteiligt waren Forscher aus Hannover: Zwei von ihnen entdeckten das wichtige Signal als erste. Am 14. September 2015 maßen sie die Gravitationswellen einer Kollision zweier schwarzer Löcher, die vor rund 1,3 Milliarden Jahren stattgefunden hatte. Die nagelneuen Detektoren waren eigentlich noch gar nicht im Dienst und machten doch die nobelpreisverdächtige Entdeckung möglich. Vollkommen neue Einblicke ins All erwarten die Wissenschaftler nun, auch in die Entstehung unserer Welt. Vielleicht können wir sogar den Urknall hören.

Eine alte Aufnahme von Albert Einstein.

Erstmals Gravitationswellen nachgewiesen

Hallo Niedersachsen -

Albert Einstein hatte Recht: Physiker aus Hannover und den USA haben Gravitationswellen nachgewiesen und damit einen Baustein seiner Relativitätstheorie bestätigt.

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Letzter Baustein für endgültigen Beweis der Relativitätstheorie

Bislang können wir das Universum nur sehen, sagte Harald Lück von der Leibniz Universität Hannover vor der Verkündung. "Aber Gravitationswellen erlauben es uns sozusagen, zu dem Bild auch den Ton anzuschalten." Was passiert alles in den unendlichen Weiten, von dem wir keine Ahnung haben? "Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Dschungel und sehen um sich herum Blätter", erklärt Lück. Das entspricht dem, was man bisher vom Weltall wahrnehmen konnte. "Aber wenn Sie irgendwo einen Affen rufen oder einen Vogel zwitschern hören, dann bringt Ihnen das erst das richtige Gefühl, bringt Ihnen sehr viel Information über das, was im Verborgenen noch alles passiert." Vor 100 Jahren hatte Albert Einstein die Existenz von Gravitationswellen vorhergesagt - ohne sie haut seine allgemeine Relativitätstheorie nämlich nicht hin. Bislang konnte niemand die Wellen messen, und damit stand auch der letzte Baustein noch aus, der Einsteins Theorie belegt. Dass sie stimmt, davon gingen Forscher zwar schon vorher aus, aber Glauben ist eben nicht Wissen. Vor allem nicht in der Physik.

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Wenn schwarze Löcher verschmelzen

Aber was sind diese Gravitationswellen überhaupt, die unter Forschern solche Wellen schlagen? Ein Blick ins All: Schwarze Löcher gibt es dort, die in der von Einstein beschriebenen Form übrigens auch noch nicht belegt waren - bis jetzt. Die schwarzen Löcher saugen alles an, was ihnen zu nahe kommt, und verschlingen es. Manchmal kommen sich auch zwei schwarze Löcher zu nahe. Wenn sie miteinander verschmelzen, gibt es eine Explosion, die die Raumzeit zum Wackeln bringt. Kleiner Exkurs: Einstein zufolge bilden der dreidimensionale Raum und die Zeit gemeinsam die vierdimensionale Raumzeit. Erschüttert die Schwarze-Löcher-Explosion die Raumzeit, entstehen sie: Gravitationswellen. Die Wellen dehnen und stauchen den Raum, aber nur minimal. Einmal ausgelöst, verschwinden Gravitationswellen nie wieder. Alle Wellen, die jemals erzeugt wurden, sind heute noch da, eben auch die vom Urknall. Gut, das war jetzt eine stark vereinfachte Erklärung - für fortgeschrittene Physik-Interessierte erklärt das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover das Phänomen etwas genauer.

Der Beginn einer neuen Forschungs-Ära

Schon mehrfach hatten sich Meldungen verbreitet, denen zufolge eine Messung von Gravitationswellen gelungen war - doch jedes Mal verpufften sie im Nichts. Diesmal - pünktlich zum 100. Geburtstag der allgemeinen Relativitätstheorie - können die Wissenschaftler also endlich sagen: "We did it!" - "Wir haben es geschafft!".

"Die niedersächsischen Forscherinnen und Forscher haben Herausragendes geleistet, ich freue mich riesig über ihren Erfolg", sagte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). "Dies ist ein schöner Beweis für die Stärke und das Potenzial niedersächsischer Forschung." Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung für diejenigen, die das Universum erforschen. Der Beweis verändert alles, sagen manche - ob das allerdings auch auf das alltägliche Leben von Nicht-Forschern zutrifft, bleibt zugegebenermaßen offen.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 11.02.2016 | 18:00 Uhr