Stand: 16.06.2015 08:32 Uhr

Bundespolizei-Skandal: Opfer bestätigt Misshandlung

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Eines der mutmaßlichen Opfer des Bundespolizisten hat inzwischen ausgesagt. (Archiv)

Im Fall um mutmaßliche Misshandlungen von Flüchtlingen bei der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Hannover erhärtet sich der Verdacht gegen den beschuldigten Bundespolizisten: Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Hannover einen der Flüchtlinge ausfindig gemacht, der von dem Polizeibeamten misshandelt worden sein soll. Am vergangenen Donnerstag und Freitag sei der marokkanische Flüchtling vernommen worden, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Dabei habe der junge Mann bestätigt, dass er in einer Arrestzelle der Wache am Hauptbahnhof Opfer von Misshandlungen geworden ist. Der beschuldigte Bundespolizist hat sich bislang nicht zu den erhärteten Vorwürfen geäußert. Die Verteidiger des Mannes haben nun die Möglichkeit, Stellung zu nehmen, so Klinge weiter.

Gefesselt und gezwungen, verdorbenes Schweinemett zu essen

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"Wir müssen noch weitere Ermittlungen führen"

Im Fall um mutmaßliche Misshandlungen durch einen Bundespolizisten hat eines der Opfer umfassend ausgesagt. Nun werden weitere Zeugen befragt, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Video (00:56 min)

Das 19-jährige mutmaßliche Opfer der Misshandlungen habe sich zuletzt im nördlichen Niedersachsen aufgehalten. Nähere Angaben zur Aussage des Mannes wollte Klinge aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen: "Wir müssen noch weitere Ermittlungen durchführen, die möglicherweise auch auf den Aussagen des Zeugen basieren." Mitte Mai war bekannt geworden, dass die Behörde gegen den Beamten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Recherchen von Hallo Niedersachsen und den Radiosender NDR Info hatten ergeben, dass der Beschuldigte in mindestens zwei Fällen Flüchtlinge in der Bundespolizeiinspektion am hannoverschen Hauptbahnhof misshandelt haben soll. Den 19-jährigen Marokkaner soll er am 25. September 2014 mit Handschellen gefesselt und ihn gezwungen haben, verdorbenes Schweinemett zu essen. Mit seiner Tat soll er sich im Anschluss in sozialen Netzwerken gegenüber Kollegen gebrüstet haben.

Zweites Opfer noch nicht gefunden

Bereits im März soll der Beschuldigte zudem einen 19 Jahre alten Afghanen in der Wache geschlagen und an den Fußfesseln durch die Zelle geschleift haben. Nach diesem möglichen Opfer suchen die Ermittler noch immer. Nach Recherchen von Hallo Niedersachsen und NDR Info soll der Beamte zudem bereits ein Jahr zuvor, im August 2013, im gemeinsamen Aufenthaltsraum seine Dienstwaffe gezogen, den Lauf einem anderen Polizisten an die Schläfe gehalten und ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. 

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