Stand: 04.09.2015 17:00 Uhr

Anschlag auf Flüchtlinge offenbar gezielt verübt

von Britta von der Heide, Stephan Wels, Christian Baars

Nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf belasten sich die Tatverdächtigen gegenseitig schwer. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat die 23-jährige Saskia B. ausgesagt, dass sie den Anschlag gezielt verübt hätten. Sie hätten gewusst, dass in dem Haus Asylbewerber leben. Der 30-jährige Dennis L. hat nach eigener Aussage den Molotow-Cocktail auf das Haus geworfen. Saskia B. zufolge soll er gesagt haben: Wenn der "Neger" brenne, feiere er richtig. Dennis L. bestreitet das. Er hat aber zugegeben, den Brandsatz geworfen zu haben. Er bereue die Tat aufrichtig und bitte die Familie um Entschuldigung.

Rechtsextreme Musik und Weinbrand vor dem Anschlag

Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ haben sich die drei Tatverdächtigen Saskia B., Dennis L. und Sascha D. am 27. August, dem Abend des Anschlags, in der Garage von Dennis L. in Lauenstein, knapp fünf Kilometer vom Haus der Asylbewerber entfernt, getroffen. Dort haben sie stundenlang rechtsextreme Musik gehört und mitgesungen, irgendwann dann den Molotow-Cocktail gebastelt, eine leere Flasche mit Holzspänen und Benzin gefüllt. Die Anleitung dafür haben sie sich im Internet gesucht. Die beiden Männer sollen sich betrunken haben - mit Bier und knapp zwei Flaschen Weinbrand. Saskia B. hat offenbar nicht mitgetrunken. Sie soll bei klarem Verstand gewesen sein, als sie später das Auto zur Unterkunft der Flüchtlinge in Salzhemmendorf fuhr.

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"Terroristen mit E-Gitarre", so bezeichnen sich die Mitglieder einer bekannten rechtsradikalen Band. Ein Foto zeigt Dennis L. mit diesem Aufdruck.

Dort hat Dennis L. gegen 2 Uhr den Brandsatz auf das Haus geschleudert. In seiner Aussage behauptet er, absichtlich auf das Fenster gezielt zu haben, hinter dem niemand schlafe. In seiner Darstellung äußert er sich jedoch widersprüchlich. An anderer Stelle sagt er, er habe nicht gewusst, dass genau in diesem Haus die Flüchtlinge leben. Laut den Aussagen von Saskia B. und Dennis L. haben sie nach der Tat noch Sascha D. in der Nähe der Freiwilligen Feuerwehr Salzhemmendorf abgesetzt. Er war dort Mitglied. Nach Angaben der Feuerwehr nahm er in dieser Nacht tatsächlich am Löscheinsatz teil. Dennis L. erschien wenige Stunden nach dem Anschlag, pünktlich um 6.30 Uhr, auf seiner Arbeitsstelle in Salzhemmendorf.

Auch Saskia B. hat in ihrer Vernehmung die Tat bereut. Dennis L. gab beim Untersuchungsrichter an, ihm sei mittlerweile bewusst, dass durch den Brandsatz Menschen hätten sterben können. Aber bei der Tat sei ihm das wohl nicht klar gewesen, er habe zu viel getrunken. Die 34 Jahre alte Mutter und ihre vier, acht und elf Jahre alten Kinder aus Simbabwe, die in der Wohnung lebten, blieben unverletzt, müssen aber psychologisch betreut werden.

Tatverdächtiger soll in rechter Szene aktiv sein

Die drei Verdächtigen sitzen wegen schwerer Brandstiftung und gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Der 24-jährige Sascha D. hat nach Informationen von NDR, WDR und SZ ebenfalls zugegeben, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, aber nicht in welcher Form. Er ist den bisherigen Erkenntnissen zufolge in der rechten Szene aktiv und einschlägig vorbestraft wegen eines Hitlergrußes. Sascha D. lebt etwa 300 Meter von der Flüchtlingsunterkunft entfernt, kannte die Gegebenheiten gut.

Auch Dennis L. soll der rechten Szene nahestehen. Sein Anwalt, Roman von Alvensleben, sagte dem NDR, seine ersten Eindrücke von seinem Mandanten seien, dass dieser zwar durchaus rechte Ansichten habe, aber nicht dem organisierten Neonazi-Bereich zuzuordnen sei. Er habe das Mandat als Pflichtverteidiger nicht ablehnen wollen und können. "Jeder hat ein Recht auf einen Verteidiger."

Die Staatsanwaltschaft Hannover wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Sie verweist auf die laufenden Ermittlungen.

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