Stand: 26.01.2016 16:21 Uhr

Wie geht es mit den Hunden aus Wohlde weiter?

von Thomas Hans

Auch nach zwei Monaten sorgt die Beschlagnahmung von 85 Möpsen und französischen Bulldogen im Landkreis Celle weiter für viel Arbeit und Ärger. Tierfreunde wollen die Hunde vermitteln, der Landkreis versucht, rechtliche Fragen zu klären. Durch die Tierheime hätten inzwischen rund 30 Tiere ein neues Zuhause gefunden, berichtet Michael Cordioli, Erster Celler Kreisrat, NDR.de. Einige Tiere konnten inzwischen auch an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden. Bei einem Großteil der Tiere in den Celler Tierheimen bleibe die Eigentumsfrage aber unbeantwortet, so Cordioli weiter. Und: Die Tiere könnten zum Teil noch nicht vermittelt bzw. verkauft werden, weil ihr Wert noch nicht geschätzt wurde.

50 Hunde suchen ein Zuhause

Komplizierte Eigentumslage

Bei der Sicherstellung im November habe man zunächst nur nach dem Halter geschaut, der die Tiere bei sich auf dem Grundstück untergebracht hatte, erklärt Cordioli. Nach und nach hatten sich dann aber Menschen gemeldet, die angaben, dass ihnen die Hunde gehören. Der Mann aus Wohlde im nördlichen Landkreis Celle hatte erklärt, einen Teil der Hunde nur zur Pflege bei sich gehabt zu haben. Alle mutmaßlichen Eigentümer seien daraufhin angeschrieben worden, damit sie entsprechende Belege wie zum Beispiel Steuernachweise erbringen können, sagt Cordioli. In vielen Fällen gestalte sich der Eigentumsnachweis aber schwierig, heißt es vom Landkreis. Unter anderem gebe es Kaufverträge, die erst nach der Sicherstellung der Tiere abgeschlossen wurden. Die Prüfung dauere an. Außerdem könnten die Tiere erst verkauft werden, wenn feststeht, wie viel sie wert sind. Das sei wichtig, falls mögliche Eigentümer noch nachträglich Ansprüche anmelden, erklärt Cordioli.

Schätzung durch Gutachter noch nicht abgeschlossen

Für die Schätzung der Tiere hat der Landkreis einen Fachmann als Gutachter beauftragt. Dieser könne den Markt und die Preise gut einschätzen, heißt es. Die Spanne reiche da bislang pro Tier von 50 bis 200 Euro, im Schnitt seien es 80 Euro, so Cordioli weiter. Aus den Schätzpreisen und den Behandlungskosten im Tierheim ergebe sich dann ein Verkaufspreis. Die Schätzung des Wertes der Hunde dauere aber aufgrund der Vielzahl der Tiere noch an.

Drei Hunde schnuppern mit ihren Schnauzen auf einem Kiesboden. © NDR Fotograf: Thomas Hans

Hundedamen im Angebot

Nach einer Beschlagnahmung konnte das Waldtierheim Celle einen Großteil seiner Tiere schon vermitteln. Die Verbleibenden sind Leiterin Welle besonders ans Herz gewachsen.

2,75 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dem Halter droht ein Bußgeld

Der Landkreis hat gegen den Halter der Hunde unterdessen ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Der Mann wird demnach verdächtigt, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. So sei für das gewerbsmäßige Züchten und Halten der Tiere eine Erlaubnis nötig, erklärt Cordioli. Die habe aber nicht vorgelegen. Der Mann hatte sie nach Angaben des Landkreises beantragt, aber die Erlaubnis sei nicht erteilt worden. Inzwischen habe die Behörde den Sachverhalt zusammengefasst und ein Anhörungsschreiben verfasst. Der Hundehalter habe nun die Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Anhörungsfrist endet demnach kommende Woche. Anschließend will der Landkreis entscheiden, wie es weiter geht. Der Ausgang sei ungewiss, sagt Cordioli. Sollte tatsächlich ein Bußgeld verhängt werden, habe der Halter die Möglichkeit, Einspruch einzulegen. Dann könnte sich die Sache sogar noch bis Ende des Jahres hinziehen.

"Zu viele Hunde auf zu engem Raum"

Bei der Beschlagnahmung habe man unter anderem schlechte hygienische Zustände vorgefunden, es seien einfach zu viele Hunde auf zu engem Raum gewesen, heißt es vom Landkreis. Bei gewerblicher Unterbringung müsse zum Beispiel eine ausreichende Betreuung sichergestellt sein. Als Schlüssel gelte hier eine Person für zehn Tiere, sagt Cordioli. Eine für 80 oder 90 Hunde, das sei definitiv zu wenig.

Hundehalter weist Vorwürfe zurück

Der Züchter hatte die Vorwürfe wegen der Haltungsbedingungen zurückgewiesen. Das Veterinäramt habe von den Tieren auf seinem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück gewusst, sagte er schon im Dezember bei NDR1 Niedersachsen. Auch bei einem Ortstermin mit dem Veterinäramt vor einigen Monaten sei nichts beanstandet worden. Der Mann hat einen Anwalt eingeschaltet, Martin Rockel aus Hamburg. Rockel hat sich auf Hunderecht spezialisiert. Die Beschlagnahmung sei hektisch abgelaufen und nicht rechtmäßig gewesen, erklärt er auf Nachfrage von NDR.de. Man wehre sich mit allen Mitteln gegen die Beschlagnahmung der Hunde.

Weitere Informationen
mit Video

Wohlde: 14 befreite Hunde sind schon zu Hause

Von den 85 Hunden, die aus einer Zucht bei Celle befreit wurden, sind nun 14 bei ihren Besitzern. Laut Landkreis hatte der Züchter keine Genehmigung und ließ die Tiere verwahrlosen. (21.12.2015) mehr