Stand: 04.03.2016 15:58 Uhr

15-jährige Messerstecherin: Zeugen gesucht

Im Fall der 15-Jährigen, die im Hauptbahnhof Hannover einen Bundespolizisten niedergestochen hat, setzen die Ermittler auf Zeugen-Hinweise. Insbesondere sei von Interesse, ob das Mädchen vor der Tat in Begleitung einer anderen Person war, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag. Die 15-Jährige könnte Sympathisantin des "Islamischen Staates" (IS) sein. Nach Recherchen des NDR hat sie Verbindungen zu der Terrorgruppe. Zudem hatte sie offenbar schon als Kind Kontakt zur Salafisten-Szene: Auf Internetvideos ist sie als Siebenjährige zusammen mit dem radikalen Prediger Pierre Vogel zu sehen. Vor laufender Kamera zitiert sie aus dem Koran. Vogel lobt sie außerdem dafür, dass sie Kopftuch trägt. Hinweise nimmt der Kriminaldauerdienst der Polizeidirektion Hannover unter (0511) 109-55 55 entgegen.

Medien: Bruder sitzt im Ausland im Gefängnis

"Focus Online" berichtete zudem, dass das Mädchen, eine Deutsche mit marokkanischen Wurzeln, bis vor Kurzem im türkisch-syrischen Grenzgebiet unterwegs gewesen sei. Erst jüngst habe ihre Mutter sie zurückgeholt. Medienberichten zufolge sitzt der ältere Bruder der 15-Jährigen zurzeit im Ausland im Gefängnis, weil er sich dem IS anschließen wollte.

Staatsanwaltschaft zieht noch andere Motive in Betracht

Die Staatsanwaltschaft ist offiziell zurückhaltender. "Wir gehen nicht davon aus, dass ein religiöser oder politischer Hintergrund besteht", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge dem NDR. "Es ist einfach eine Ermittlungsthese, weil wir verzweifelt auf der Suche nach einem Motiv sind." Bei einem 15-jährigen Mädchen schreibe das Gesetz zudem vor, zu dessen Schutz so wenig wie möglich nach außen dringen zu lassen. Es würden nun Zeugen aus ihrem persönlichen und schulischen Umfeld befragt, um die Stichhaltigkeit dieser These zu überprüfen. Es sei auch bekannt, dass das Mädchen im Ausland war. Ob es sich aber tatsächlich im türkisch-syrischen Grenzgebiet aufgehalten habe, sei unklar, sagte Klinge. Man ermittele nach wie vor in drei Richtungen: Eine psychische Erkrankung werde von den Ermittlern ebenso in Betracht gezogen wie eine spontane oder eben eine politisch-religiös motivierte Tat.

Jugendliche sitzt in Untersuchungshaft

Mit einer rund sechs Zentimeter langen Klinge hatte die Angreiferin dem Bundespolizisten in den Hals gestochen. Der Mann wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Ein anderer Beamter konnte die Jugendliche anschließend überwältigen. Es stellte sich heraus, dass die Angreiferin schon mehrfach polizeilich aktenkundig geworden war, unter anderem wegen Körperverletzungen und Diebstahls. Zudem fand die Polizei bei ihr ein zweites Messer. Gegen die Jugendliche ist ein Verfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet worden, sie sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Gezielter Angriff auf Polizisten?

Laut Medienberichten gibt es Hinweise darauf, dass die 15-Jährige einen Angriff auf die Bundespolizisten geplant haben könnte: Nach Auskunft der Beamten hatte das Mädchen sie zuvor beobachtet und mit starrem Blick verfolgt. Daraufhin erst hätten die Polizisten die 15-Jährige kontrolliert; das Mädchen stach dann mit dem Messer zu.

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Niedersachsen 18.00 Uhr | 04.03.2016 | 18:00 Uhr