Stand: 24.05.2017 18:58 Uhr

100 Prozent Unterricht sind Althusmann nicht genug

Mehr als 100 Prozent - das verspricht Niedersachsens CDU im Falle eines Erfolgs bei der Landtagswahl Anfang 2018. Die unorthodox klingende Zahl bezieht sich auf den tatsächlich erteilten Schulunterricht im Land. Die Versorgung mit Unterricht liegt nach Angaben von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) im laufenden Schuljahr bei 98,9 Prozent. "Eine mehr als hundertprozentige Unterrichtsversorgung ist die Grundlage für gute Schule", sagte der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann am Mittwoch. Der Spitzenkandidaten der Christdemokraten stellte auf Norderney einen Zehn-Punkte-Plan zur Bildungspolitik vor. Der zurzeit registrierte Unterrichtsausfall an niedersächsischen Schulen sei nicht mehr tragbar.

CDU will Inklusion auf Eis legen

Die CDU plant zudem, die Inklusion für ein Jahr auszusetzen und die Schließung von Förderschulen zu stoppen. Andernfalls werde die Inklusion in Niedersachsen scheitern, warnte Althusmann. Er empfahl allen Bundesländern eine einjährige "Denkpause". Lehrer, Eltern und Kinder würden mit der Umsetzung allein gelassen, so der niedersächsische CDU-Spitzenkandidat. "Im Vordergrund muss das Kindeswohl und die Wahlfreiheit der Eltern stehen." Nach Vorstellung der CDU sollen die berufsbildenden Schulen künftig stärker Teil des jeweiligen regionalen Wirtschaftsstandortes werden. Stellenstreichungen an den Berufsschulen werde man zurücknehmen, heißt es in dem Papier.

Was verbirgt sich hinter der Unterrichtsversorgung?

Die Unterrichtsversorgung ist ein theoretischer Wert, der etwas darüber aussagt, wie eine Schule mit Lehrern ausgestattet ist. Bei der Unterrichtsversorgung wird der Lehrerstundenbedarf der einzelnen Schule, die sogenannten Sollstunden, ins Verhältnis zu den zugewiesenen Lehrerstunden (Ist-Stunden) gesetzt. Der Bedarf berechnet sich aus dem Pflichtunterricht der einzelnen Fächer und zusätzlichem Bedarf an Stunden, etwa für Inklusion, Ganztagsbetreuung und Sprachförderung, sowie aus sogenannten Poolstunden. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen der Erkrankung von Lehrern ist in dem Wert nicht eingerechnet.

Bildungsverbände reagieren skeptisch

Der Philologenverband reagierte zurückhaltend auf die Pläne. "Ich bin da erst mal skeptisch. Dieses Versprechen einzulösen, wird schwierig", sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz auf Nachfrage von NDR 1 Niedersachsen. Er warnte davor, bei Ganztagsangeboten oder Schulprojekten zu kürzen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern . Das sei "gefährlich", so Audritz. Auch der Lehrerverband VBE bezweifelt, dass die Schulen mehr Lehrer bekommen, sollte die CDU regieren. Angesichts des Personalmangels gebe es wenig Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, sagte VBE-Landeschef Franz-Josef Meyer. Mehr Studienplätze und eine bessere Bezahlung von Berufseinsteigern an Grund-, Haupt- und Realschulen, darin sieht Meyer die Lösung. Aber selbst dann würde es Jahre dauern, bis sich das positiv auf die Unterrichtsversorgung auswirke.

GEW vermisst konkrete Vorschläge

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das CDU-Wahlprogramm. "Herr Althusmann sitzt im Glashaus und wirft mit Steinen", teilte der GEW-Landesvorsitzende, Eberhard Brandt, mit. "Den heutigen Lehrkräftemangel, der maßgeblich zu niedrigerer Unterrichtsversorgung führt, hat er mitverschuldet, indem die damalige Regierung die Zahl der Studienplätze in der Vergangenheit gekürzt hat." Es kommt laut GEW darauf an, wie man dem Lehrkräftemangel konkret entgegentreten wolle. Dazu finde sich in den Äußerungen wenig, sagte Laura Pooth, die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende: "Der Lehrerberuf muss attraktiver werden. Das geht durch bessere Bezahlung, nämlich A 13 für alle, und durch eine geringere Unterrichtsverpflichtung - aber keinesfalls mit Prämien in wenigen Teilbereichen.“

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.05.2017 | 16:00 Uhr