Stand: 08.12.2015 17:50 Uhr

Viel Wirbel: Schüler erforschen Tornados

Etwa 1.200 Tornados fegen jedes Jahr über Teile der USA hinweg. Auf Forscher und private "Sturmjäger" üben die Windhosen einen besondere Faszination aus. Doch die senkrechten Luftwirbel sind zerstörerisch und gefährlich. Tornados gibt es auch in Deutschland - wenn auch viel seltener. Im Juli zum Beispiel zog solch ein Wirbelsturm über Bad Sachsa im Harz hinweg. Er dauerte nur ein paar Sekunden - hinterließ aber eine Spur der Verwüstung. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen wurden in Südniedersachsen innerhalb von zehn Jahren etwa fünf Tornados beobachtet. Wie sie entstehen und wie sie wirken, können Schüler im Schullabor des DLR erleben und erforschen. Dort wurde am Dienstag ein laut DLR in Europa einzigartiger Tornado-Schutzraum-Simulator vorgestellt.

Wie ein echter Wirbelwind

Pfeifender Wind und flackerndes Licht

Wer sich in dem Raum befindet, kann die möglichen Auswirkungen eines Tornados mit allen Sinnen erleben: Die Schüler sitzen in einem kleinen, dunklen Raum und verfolgen auf einem Monitor eine Reportage über die Auswirkungen einer Tornadokatastrophe. Ganz plötzlich hören sie einen Alarm, der für sie selbst gilt. Dann spüren die Schüler am eigenen Körper, welche Kräfte so ein Wirbelwind hat - und wie es ist, einen Tornado in einem solchen Schutzraum zu überstehen. Der Sturm rüttelt am Schutzraum, der Wind pfeift ohrenbetäubend, die Beleuchtung flackert und es rieselt sogar Staub von den Wänden.

Wirbelwinde beobachten und untersuchen

Außerdem können Schüler an einem Modell beobachten, wie Tornados wüten: In einem Windkanal entsteht mithilfe von Fallwinden, Sogkräften und Pirouetteneffekt ein Wirbel, der von allen Seiten zugänglich ist. Eine dicke künstliche Gewitterwolke erscheint, eine rauchartige Säule baut sich auf, Bäume knicken ein, Modellhäuser werden zerstört. In einer Glassäule können die Schüler zudem selbst einen Wirbelwind aus Nebel erzeugen und untersuchen. Sie können hier zum Beispiel den Luftdruck und die Geschwindigkeit messen.

Fliegende Kühe gibt's nur im Film

"Wir wollen die Schülerinnen und Schüler forschen lassen, sie sollen ausprobieren, selber machen", sagt Oliver Boghun, der Leiter des Göttinger DLR-Schülerlabors. Dazu gehört auch, die Folgen eines Tornados zu dokumentieren. So soll das, was viele aus Kinofilmen kennen, relativiert werden. "Fliegende Kühe haben wir hier nicht", sagt Boghun. Die Forschung von Meteorologen und Strömungsforschern ziele vor allem darauf ab, Tornados rechtzeitig vorherzusagen, damit die Bevölkerung sich schützen kann. Jedes Jahr kommen etwa 4.000 Schüler in das Labor beim DLR. Die Besuche sind Teil ihres Physik- und Erdkunde-Unterrichts.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 08.12.2015 | 17:00 Uhr