Stand: 22.09.2015 15:02 Uhr

VW-Abgas-Skandal: US-Justizministerium ermittelt

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VW produziert in den USA zum Beispiel den Passat in Tennessee. (Archiv)

Volkswagen gerät in den USA wegen manipulierter Abgastests juristisch immer weiter unter Druck. US-Medien berichten, dass das US-Justizministerium ermittelt. Die Behörde prüfe, ob dem Unternehmen kriminelle Machenschaften vorzuwerfen seien, heißt es. In Kriminalfällen können die Ermittlungen in den USA Monate oder Jahre andauern, ergebnislos enden, aber auch zu heftigen Strafen führen. Auch der US-Kongress wird einen Ausschuss einsetzen, der sich mit den Vorgängen befassen soll. Erste interne Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass weltweit in elf Millionen Motoren die betrügerische Software verbaut ist. Damit dürften auch europäische Märkte betroffen sein.

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"Wir haben Mist gebaut"

Unterdessen entschuldigte sich der Amerika-Chef von VW, Michael Horn. "Wir waren unehrlich", sagte Horn am Montagabend (Ortszeit) bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. "Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: 'Wir haben Mist gebaut'." Das Desaster spiegelte sich bereits am Montagabend im Aktienkurs wider. Bei Handelsschluss war das Papier des Wolfsburger Konzerns um knapp 18,6 Prozent abgesackt, das entspricht einem Börsenwert-Verlust von 14 Milliarden Euro. Auch andere Automobilwerte, wie zum Beispiel Continental, verloren deutlich. Branchenbeobachter befürchten, dass die Krise über kurz oder lang auch Arbeitsplätze kosten wird. Für die betroffenen Modelle erließ VW einen Verkaufsstopp in den USA, fast 500.000 Autos könnten zudem in die US-Werkstätten zurückbeordert werden. Neben den US-Justizbehörden untersuchen auch deutschen Behörden den Fall. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft zudem, ob der Anfangsverdacht einer Straftat besteht.

Was wusste Winterkorn?

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte am Sonntag eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals angekündigt. "Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität", teilte Winterkorn mit. "Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben." Bleibt die Frage, ob und wenn ja seit wann Winterkorn und auch der Aufsichtsrat über die Vorgänge Bescheid wussten.

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Schon im Mai 2014 starteten Ermittlungen gegen VW

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA wirft VW vor, mithilfe einer speziellen Software die Resultate von Abgasuntersuchungen geschönt und somit gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" verstoßen zu haben. Das beanstandete Programm soll aufgrund technischer Parameter wie dem Steuerradwinkel und typischen Geschwindigkeitsabfolgen erkannt haben, dass sich das Fahrzeug gerade in einem Emissionstest befindet. Nur in diesen Fällen soll das Programm das Abgas-Kontrollsystem aktiviert haben. Das würde bedeuten, dass die Luftverpestung in Wirklichkeit 10 bis 40 Mal so hoch wäre. Laut tagesschau.de hatten die EPA und die Partnerbehörde CARB aus Kalifornien schon im Mai 2014 mit Ermittlungen gegen Volkswagen begonnen. Die Wolfsburger haben nicht überzeugend erklären können, wie es zu den Diskrepanzen zwischen Testbetrieb und Alltagsbetrieb kam. Als die Behörden Volkswagen schließlich damit drohten, den Autos des Baujahrs 2016 wegen dieser Unklarheiten die Zulassung zu verweigern, habe VW eingestanden, die Software eingesetzt zu haben.

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Hallo Niedersachsen | 21.09.2015 | 19:30 Uhr