Stand: 22.09.2017 18:14 Uhr

USA: Neue Sammelklage gegen Volkswagen

von Peter Hornung

Trotz eines Vergleichs des Volkswagen-Konzerns mit den US-Behörden haben Anwälte von VW-Besitzern in den USA eine neue Sammelklage gegen den deutschen Autobauer eingereicht. Nach NDR Informationen verlangen nun auch Fahrzeugbesitzer Schadenersatz, die ihr Dieselfahrzeug bereits vor dem Bekanntwerden des Skandals im September 2015 wieder verkauft haben. Auch ihnen sei ein finanzieller Schaden entstanden, heißt es in der im vergangenen Monat bei einem Gericht in San Francisco eingereichten Klageschrift.

Videos
02:09

#Dieselgate: Der Volkswagen-Skandal mal kurz erklärt

Den VW-Abgas-Skandal zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Deshalb erklären wir Ihnen hier und jetzt kurz und verständlich, um was es da eigentlich geht. Viel Spaß! Video (02:09 min)

Klage richtet sich auch gegen Audi und Bosch

Die Klage richtet sich nicht nur gegen die Volkswagen AG, sondern auch gegen Audi und den Stuttgarter Elektronikkonzern Bosch. Zudem werden sechs ehemalige und jetzige VW-Manager als Beklagte aufgeführt, die von den US-Behörden der Teilnahme am Betrug beschuldigt und international zur Fahndung ausgeschrieben wurden.

"Erste Opfer" bislang nicht entschädigt

Der im Mai dieses Jahres geschlossene Vergleich habe lediglich Kunden einbezogen, die ihr Auto auch nach Bekanntwerden der Manipulationen noch besaßen und in der Folge einen Wertverlust erlitten hätten. Nicht entschädigt worden seien aber "die ersten Opfer" des Betrugs, heißt es in der Klageschrift: "Autobesitzer, die den Clean-Diesel-Lügen der Beklagten geglaubt haben, die jahrelang unfreiwillig Autos fuhren, die übermäßig viele Abgase ausstießen", die diese Fahrzeuge jedoch vor der "Implosion des Betrugssystems am 18. September 2015 verkauft hatten."

Gerade Neuwagenkäufer hätten aber für vermeintlich saubere Diesel überhöhte Preise gezahlt und damit einen finanziellen Schaden erlitten - durch den Wertverlust, den neue Autos schon bei der Erstzulassung erfahren.

Klage eingereicht von "VW-Schreck"

Eingereicht wurde die Klage unter anderem von der Kanzlei Hagens Berman mit Sitz in Seattle. Hagens Berman gilt als "VW-Schreck" und war die erste Kanzlei, die eine Sammelklage gegen den Konzern eingereicht hatte. Zuletzt hatten die Anwälte aus dem US-Bundesstaat Washington Anfang August dieses Jahres Klagen gegen VW und andere deutsche Autobauer wegen des Verdachts der Kartellbildung eingereicht.

Kein Kommentar seitens VW

Volkswagen wolle die Klage nicht kommentieren, sagte ein Sprecher dem NDR. Auch Bosch äußert sich ähnlich: "Wir haben die Existenz dieser Verfahren zur Kenntnis genommen, nehmen aber zu den darin erhobenen Vorwürfen nicht Stellung", sagte ein Unternehmenssprecher in Stuttgart: "Wie immer wird Bosch seine Interessen auch in diesem Verfahren verteidigen."

Weitere Informationen

Diesel-Skandal: VW-Händler wollen VW verklagen

Bei VW will keine Ruhe einkehren: Zwei Jahre nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals proben jetzt die VW-Händler den Aufstand und kündigen Schadenersatzforderungen an. (16.09.2017) mehr

mit Video

Mehr als drei Jahre Haft für VW-Ingenieur

In den USA ist erstmals ein VW-Mitarbeiter infolge der Abgas-Affäre verurteilt worden. VW-Ingenieur James Liang soll mehr als drei Jahre ins Gefängnis, hinzu kommt eine hohe Geldbuße. (25.08.2017) mehr

mit Video

Inhaftierter VW-Manager bekennt sich schuldig

Der in den USA inhaftierte VW-Manager Oliver Schmidt hat ein Geständnis abgelegt. Trotzdem drohen ihm noch bis zu sieben Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Dollar. (04.08.2017) mehr

mit Video

Die VW-Abgas-Affäre: Eine Chronologie

Der Abgas-Skandal hat Volkswagen in die schwerste Krise der Firmengeschichte gestürzt. Der finanzielle Schaden geht in die Milliarden. Der neue Chef, Matthias Müller, soll VW retten. (16.03.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.09.2017 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:05

Eine Kuh mit Star-Allüren

10.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:44

Adventstürchen 10: Die drei warmen Brüder

10.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:51

"Come in": Pate, Oma und Freundin

10.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen