Stand: 03.06.2017 19:54 Uhr

Triumph-Treffen: T-Shirt statt Tellermütze

von Tino Nowitzki

Pfeife, karierte Tellermütze und vielleicht noch einen Jagdhund auf dem Beifahrersitz? So mögen sich viele den typischen Besitzer eines englischen Oldtimers vorstellen. Das Deutschland-Treffen der Triumph-Roadster-Fahrer in Braunlage an diesem Pfingstwochenende zeigt, dass nichts davon stimmt. Hier heißt es T-Shirt statt Jackett, Benzin-Geruch statt Pfeifendampf und statt Tee und Gebäck gibt es einen Begrüßungs-Schnaps für die Fahrer. Ziemlich unverkrampft - wenn man bedenkt, dass Triumph als altehrwürdige Traditionsmarke. Lange wurden die TR 1 bis TR 8 aus den Roadster-Reihen als englische Vorzeige-Sportwagen gehandelt. Das Deutschland-Treffen ist mit 200 Teilnehmern dazu eines der größten Marken-Meetings des Landes. Aber elitärer Habitus? Keine Spur.

Ein Sportwagen des britischen Autobauers Triumph in gelber Lackierung mit britischen Flaggen geschmückt. © NDR Fotograf: Tino Nowitzki

Tolle Flitzer in den Harzer Bergen

Einen Triumph fahren, das ist etwas ganz besonderes: Vier stolze Besitzer erklären uns die Vorzüge ihrer britischen Roadster - vom Lack bis zur Höchstgeschwindigkeit.

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Keine dicke Brieftasche nötig

"Roadster-Fahrer sind eben ganz bodenständige Leute", sagt denn auch der Leiter der Hannoverschen Gruppe des TR-Registers Deutschland, Jochen Schrader. Entgegen der allgemeinen Vorstellung brauche man nämlich keine dicke Brieftasche, um eines der englischen Cabrio-Geschosse zu besitzen. Klar, für einen TR 3, Baujahr Mitte der 50er-Jahre, muss man schon einmal 50.000 Euro auf den Tisch legen. Einen TR 8, ein viel späteres Modell also, ist mit weniger als 20.000 Euro hingegen günstiger als ein neuer Golf. Hört man sich auf dem Deutschland-Treffen um, hat so mancher sogar noch weniger für seinen Traum vom englischen Sportwagen bezahlt. "Wichtig ist beim Roadster nicht der Preis, sondern der Spaß am offenen Fahren", sagt Schrader.

Knackig über die Landstraße

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Bis zu 200 Triumph Roadster tummeln sich am Pfingstwochenende in Braunlage.

Und das zeigt sich auch in Braunlage: Kaum einer, der hier mit brüllendem Motor und wehenden Haaren um die Ecke biegt. Viel öfter zu sehen: ein breites Grinsen im Gesicht. "Offen fahren mit dem Roadster ist einfach unbeschreiblich", findet auch Ulrich Schmidt, der aus Berlin zum Treffen nach Braunlage gekommen ist. Was er an seinem Triumph TR 6 aus dem Jahr 1973 besonders liebt, ist dass er so schön kernig und knackig über die Straße fegt. Und das, obwohl er etwas mehr als eine Tonne wiegt - bei 123 PS. Doch in den 70er-Jahren war das viel und der Triumph hat dazu ein paar Asse im Ärmel: eine Einspritzung zum Beispiel und einen sogenannten Overdrive. Damit kann Schmidt seine Gänge länger ausfahren. "180 Kilometer pro Stunde habe ich auf der Autobahn damit schon geschafft", sagt er. Richtig Spaß mache das allerdings nicht.

Liebe auf den ersten Blick

So gehe einem richtigen Roadster-Fahrer erst das Herz auf, wenn er über leere Landstraßen fährt und den Wind und die kräftige Beschleunigung des Triumph Roadsters spürt. Durch Alleen. Durch Wälder. Durch kleine Dörfer. Mit dem Triumph-Virus infiziert hat sich Schmidt schon vor Jahrzehnten, als er ein paar Roadster in England sah. Als er eines Tages einen TR 6 in perfektem Zustand in Osnabrück fand, war für ihn klar: Der muss es sein. Seitdem holt er ihn regelmäßig für Ausflüge aus der Garage: Nach Frankreich, Italien - sogar bis nach Spanien ist er mit dem Flitzer gedüst. Auch auf den Deutschland- und Europa-Treffen des TR-Registers, dem deutschen Triumph-Roadster-Club, ist er fast immer dabei. Verändert Schmidt an seinem Roadster fast nichts. "Der hat sogar noch den ersten Lack", sagt der Roadster-Fan.

Eingeschworene Gemeinschaft

Natürlich habe er ab und an mal etwas an der Elektrik getauscht oder andere Teile überholen lassen. Schließlich sei das ja ein Oldtimer. Und auch auf dem Treffen dauert es nicht lange, bis ein weit aus England angereister Roadster erst einmal die Beine hochmacht und repariert werden muss. Lange dauert es aber nicht, bis Hilfe eilt: ein Schraubenschlüssel hier, ein Tipp zum richtigen Griff in den Motor da. Roadster-Freunde sind eine verschworene Gemeinschaft. Das zeigt sich auch an diesem Wochenende: gemeinsames Grillen, Stadtbesichtigungen, Ausfahrten zum Bergwerk "Rabensteiner Stollen" oder zum Brocken - natürlich mit den Roadstern und wenn es das Wetter zulässt "oben ohne". Auch Ulrich Schmidt ist dabei und blickt schon etwas wehmütig auf den Tag, an dem er wieder in sein Alltags-Auto steigt: ein Nissan Micra. "Der ist eben besser für die Stadt oder wenn es regnet und schneit", sagt Schmidt. Denn Schneeketten an einem englischen Sportwagen? Das gebe es nur bei James Bond.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.06.2017 | 15:00 Uhr