Stand: 27.01.2017 19:30 Uhr

"Task Force Cybercrime" ermittelt in Göttingen

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Dem Tatort Internet widmet sich in Göttingen eine Spezialeinheit der Polizei. (Themenbild)

Datendiebstahl, Hacking-Angriffe, Kinderpornografie: Das Internet ist ein Tatort, der Ermittler täglich beschäftigt. Straftäter nutzen zudem digitale Kommunikationswege für Waffen- und Drogenhandel und andere illegale Geschäfte, für Betrug und vieles mehr. "Es gibt kaum noch Straftaten, bei denen die Täter nicht auch digitale Spuren hinterlassen", sagt Uwe Lührig, Leiter der Polizeidirektion Göttingen. Dort beschäftigt sich eine Spezialeinheit mit digitalen Beweismitteln: 16 Mitarbeiter sind in der "Task Force Cybercrime/Digitale Spuren" tätig.

Virtuelle Spuren: Wichtig bei jeder Art von Ermittlung

Bereits im Oktober hat die Spezialeinheit ihre Arbeit aufgenommen. "Wir kümmern uns sowohl um die Gefahrenabwehr als auch um die Strafverfolgung", erklärt der Leiter der Einheit, Oliver Knabe. Konkret geht es zum Beispiel um die Sicherung und Auswertung von Handy-Daten, von Chat-Protokollen und weiteren Formen digitalen Austauschs sowie das Auffinden anderer virtueller Spuren von Straftätern. Solche Daten können mittlerweile bei jeder Form von Straftat eine Rolle spielen. Bei einem Mord beispielsweise: So hat vor zwei Jahren ein 28-Jähriger den Bruder seiner Ex-Freundin mit einer fingierten SMS in die Feldmark gelockt und dort erschossen, erinnert die Polizeidirektion.

Spezialisten beraten ihre Kollegen

Wegen der riesigen Bedeutung digitaler Daten für Ermittlungen jeder Art stehen die Mitarbeiter der Spezialeinheit auch anderen Polizisten als Berater zur Verfügung, zum Beispiel bei Fragen zur Sicherung digitaler Beweismittel. "Wir bekommen jeden Tag bis zu zehn Anfragen von den Kollegen", erzählt Knabe. In den ersten drei Monaten seien es bereits 250 gewesen. Nebenbei berät die Einheit auch Unternehmen zur IT-Sicherheit.

Einheit muss immer auf dem neuesten Stand sein

Es ist eine schwierige Aufgabe, die die Cyber-Ermittler übernommen haben, und eine, die permanente Wachsamkeit und Anpassung erfordert. Denn Kriminelle, die das Internet nutzen, finden immer neue, immer raffiniertere Methoden - die Polizei läuft damit Gefahr, ihnen schnell einen Schritt hinterherzuhinken. "Wir müssen sehr innovativ und kreativ sein, um die Datenströme bewältigen und bis zu den Hintermännern vordringen zu können", sagt Oliver Knabe. Dazu sei sowohl kriminalistische Erfahrung notwendig als auch IT-Know-how. Ein Informatiker ist deshalb Teil der Spezialeinheit. "Diese Expertise kommt uns vor allem dann zugute, wenn es darum geht, besonders komplexe Strukturen zu entschlüsseln", so Knabe. Außerdem ist die technische Ausstattung der "Task Force" auf dem neuesten Stand. Rund 130.000 Euro hat die Polizeidirektion dafür investiert.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.01.2017 | 19:30 Uhr