Stand: 07.09.2017 21:00 Uhr

Studie: Zu viel Stickoxid trotz Software-Updates

von Carsten Wagner

Es klingt ganz einfach: Eine neue Software aufspielen und schon sinkt der Schadstoff-Ausstoß um 30 Prozent. Beim Dieselgipfel in Berlin haben sich die deutschen Autohersteller auf dieses Ziel geeinigt - auch, um Fahrverbote für Diesel in Großstädten möglichst zu vermeiden. Doch ob das den Städten helfen würde, Grenzwerte bei Stickoxiden einzuhalten, war von Beginn an strittig. Das niedersächsische Umweltministerium wollte es genau wissen und ließ die Experten der Gewerbeaufsicht rechnen. Auf NDR Nachfrage teilte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) nun die Ergebnisse dieser Modellrechnungen mit. Das Fazit der Experten: Zwar wäre ein Rückgang der Stickoxide nachweisbar, doch ausreichend seien die geplanten Software-Updates nicht. "Es kann sich allenfalls um einen ersten kleinen Beitrag zur Lösung des Problems handeln, weitere Maßnahmen sind zwingend erforderlich", heißt es im Ergebnisbericht.

Fahrzeuge aller Hersteller bekommen Update

Dabei sei die Studie von einem idealen Fall ausgegangen, so Wenzel. Dieser Fall setzt voraus, dass die Fahrzeuge aller Hersteller ein Update bekommen und nicht nur die deutschen Fabrikate. Außerdem gehe das Modell davon aus, dass 30 Prozent bei der Schadstoffreduzierung tatsächlich erreicht werden. Von der Regelung betroffen wären dann ausnahmslos alle Euro-5- und die meisten Euro-6-Diesel. Beispiel Hannover: Die Friedrich-Ebert-Straße ist eine der Strecken in Niedersachsen, an denen die zulässigen Grenzwerte überschritten werden. Ohne Updates errechneten die Experten des Gewerbeaufsichtsamts dort für das Jahr 2019 einen NO2-Wert von 52 Mikrogramm pro Kubikmeter. Ein Software-Update für Diesel würde den Wert den Berechnungen zufolge auf 49 Mikrogramm senken - also immer noch neun Mikrogramm über dem Grenzwert.

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"Damit stirbt ein Stück Hoffnung"

Laut Wenzel betrifft dieses Problem nicht nur Hannover. Auch Oldenburg und Osnabrück sei mit den Updates nicht ausreichend geholfen. "Damit stirbt ein Stück Hoffnung", sagte der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Städtetags, Heiger Scholz, im NDR Interview. "Auf der anderen Seite sind die Ergebnisse nicht völlig überraschend." Umweltminister Wenzel fordert eine blaue Plakette für verhältnismäßig saubere Fahrzeuge. Scholz begrüßt diese Forderung zwar nicht, sieht aber andererseits wenig Alternativen. Schließlich bliebe manchen Städten letztlich nichts anderes übrig, als schmutzige Diesel zu verbannen. "Dann brauchen wir ein Instrument, um Diesel von anderen Fahrzeugen zu unterscheiden. Das ist die blaue Plakette."

Dass der Bund sich dieser Maßnahme verweigere, kann Scholz nach eigenen Angaben nicht verstehen. Es könne nicht sein, dass die Bundesregierung die Kommunen in dieser Sache alleine lässt.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 07.09.2017 | 18:00 Uhr

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