Stand: 19.01.2016 21:36 Uhr

Streit um mögliche Erweiterung von Schacht Konrad

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Umweltministerin Hendricks hat am Dienstag eine Neubewertung des Standorts Schacht Konrad ausgeschlossen.

Noch immer befürchten die Menschen rund um Salzgitter, dass wesentlich mehr atomarer Müll in Schacht Konrad landet als genehmigt - möglicherweise doppelt so viel. Kritiker glauben, dass radioaktiver Abfall aus dem maroden Atommülllager Asse II im Endlager in Salzgitter landen könnte. Bei ihrem Besuch in Schacht Konrad am Dienstag in Salzgitter hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Bedenken nicht ausräumen können. Die Erweiterung des Atommüll-Endlagers sei noch nicht endgültig vom Tisch, sagte die Ministerin. Damit widersprach Hendricks dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König. Dieser hatte erst am Montag erklärt, dass eine Erweiterung nicht mehr in der Diskussion sei. Hendricks besuchte das Endlager, um sich über den Fortschritt des Ausbaus von Schacht Konrad zu informieren.

Kommen doch 600.000 Kubikmeter Atommüll ins Endlager?

Sie halte es zwar für äußerst unwahrscheinlich, dass das Endlager größer werde als bislang genehmigt, so Hendricks. Aber sie sagte auch: "Ich kann es zum jetzigen Zeitpunkt nicht hundertprozentig ausschließen." Geplant ist bisher, 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in Schacht Konrad zu lagern. In diese Kategorie gehören etwa 90 Prozent der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle. Sollte Schacht Konrad den Atommüll aus der Asse doch aufnehmen, würde sich der Müll in dem Endlager auf rund 600.000 Kubikmeter verdoppeln. Die Ministerin will die Entsorgung des Asse-Mülls mit der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll verbinden. Der Braunschweiger Zeitung (Dienstagsausgabe) sagte sie: "Welche Lösung es geben wird, kann derzeit niemand sagen, weil wir das Ergebnis der Endlagersuche (für hoch radioaktiven Müll) nicht kennen."

Kommunen wollen Resolution überreichen

Am Dienstagnachmittag nahm Hendricks an einer Podiumsdiskussion mit Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Bürgermeistern und Landräten aus der Region teil. Die Räte mehrerer Kommunen hatten sich in den vergangenen Wochen in Beschlüssen gegen eine Erweiterung von Schacht Konrad ausgesprochen. Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) übergab der Ministerin einen "Appell der Region", in dem 19 kreisfreie Städte und Kreistage neben einer Neubewertung des Standorts auch eine Möglichkeit für die Rückholung des Atommülls fordern. "Ängste und Sorgen kann man nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen zur Seite schieben", kommentierte Klingebiel. Vor dem Gebäude protestierten Anwohner und Landwirte mit einem Trillerpfeifen-Konzert und hupenden Traktoren.

Vergleich mit marodem Salzbergwerk Asse

In der Diskussion hielt Hendricks allerdings an ihrer Position fest. Es werde keine Neubewertung des Standorts Schacht Konrad geben, so die Bundesumweltministerin. Auch eine Rückholbarkeit von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen schloss sie aus, diese werde "weder bundesweit noch international gefordert". Zudem lägen keine Erkenntnisse vor, die die Sicherheit des Endlagers infrage stellten. Vor einer Inbetriebnahme würde dies nochmals geprüft. Vertreter von Städten der Region erinnerten indes an das marode Salzbergwerk Asse II im Landkreis Wolfenbüttel, in dem der radioaktive Abfalls nun zurückgeholt werden muss. Hendricks entgegnete, die Asse sei nicht mit Schacht Konrad gleichzusetzen, das verstärke nur "ein diffuses Unsicherheitsgefühl". Für die Asse habe es nie eine sicherheitstechnisch vernünftige Einschätzung gegeben.

Kritik von den Grünen

In genau diese Kerbe schlug am Dienstag die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. "Bevor über eine Erweiterung Konrads nachgedacht wird, musst erst einmal sichergestellt werden, ob Konrad überhaupt nach heutigen Anforderungen in Betrieb gehen kann", so Sylvia Kotting-Uhl. Vom Bund forderte sie eine Erklärung, wie vor der Einlagerung des ersten Atommüll-Fasses die Einhaltung des Standes von Wissenschaft und Technik nachweisen wolle. Dies sei noch unklar.

Schacht Konrad soll 2022 in Betrieb gehen. Laut der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern belaufen sich die Kosten für den Umbau auf rund 2,9 Milliarden Euro.

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Aktuell | 19.01.2016 | 13:00 Uhr