Stand: 07.01.2016 15:23 Uhr

"Schatz der Natur": Zehn Jahre Nationalpark Harz

von Tino Nowitzki
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Beim Festakt sind Niedersachsens Ministerpräsident Weil (links) und sein Magdeburger Amtskollege Haseloff (rechts) dabei.

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat der Harz eine besondere Bedeutung. Seit 35 Jahren wandere er regelmäßig durch den Gebirgszug, sagte er am Donnerstag beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Nationalparks, der sich über Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erstreckt. Gerade das Schutzgebiet sei mit seiner Artenvielfalt ein "Schatz der Natur", so Weil, der genauso wie sein Magdeburger Amtskollege Reiner Haseloff (CDU) zu den Feierlichkeiten in die Kaiserpfalz nach Goslar gekommen war. Für Haseloff ist der Nationalpark eine Erfolgsgeschichte: "Hier wächst nun seit zehn Jahren im wahrsten Sinne des Wortes etwas zusammen." Im Harz sei "an der Schnittstelle von Ost und West" ein "wichtiger Ort mit Vorbildcharakter für den Schutz von Natur und Landschaft entstanden", lobte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) das länderübergreifende Projekt. Bei all dem Lob forderte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) aber auch mehr Zusammenarbeit zwischen den beiden Bundesländern. Außer dem Nationalpark und dem Heimat- und Naturschutzbund Harzklub gebe es wenig gemeinsame Projekte.

Raue Naturschönheit

Der Vertrag über das Schutzgebiet war am 1. Januar 2006 in Kraft getreten und ließ so den westlichen und östlichen Teil zusammenwachsen. Inzwischen gilt der 247 Quadratkilometer große Nationalpark als Mekka für alle, die Natur möglichst rau lieben. Als einer der größten seiner Art in Deutschland umfasst er ein Zehntel der Fläche des Gesamt-Harzes. Dabei dehnt er sich von Herzberg und Bad Harzburg im Süden und Norden nach Altenau und Schierke in West und Ost aus. Beheimatet sind hier Pflanzen und Tiere, die man ansonsten in Deutschland selten antrifft: Dazu zählen wertvolle und schutzwürdige Wälder und Hochmoore sowie seltene Tiere wie zum Beispiel der Luchs.

Die DDR war Vorreiterin ...

Der Nationalpark hat in seiner Geschichte aber auch einige Hürden überwinden müssen - samt politischem Gezänk. Entstanden ist das Wildnis-Paradies aus einer Hauruck-Aktion des letzten DDR-Parlaments: Nur zwei Tage vor der Wiedervereinigung verabschiedete es das Gesetz zum Nationalpark Hochharz. Gestrickt hatten die Idee DDR-Naturschützer um Uwe Wegener nach der Öffnung der Grenzen. "Jetzt kommen Touristen, wir müssen hier die Natur schützen, wir müssen hier was machen", erinnert sich Wegener an seine damalige Motivation. Zu jener Zeit war er zuständig für Naturschutz und Forstwirtschaft im Ostharz.

... und der Westen hinkte hinterher

Die niedersächsischen Gebiete gehörten freilich damals noch nicht dazu. Überhaupt hinkte der Westen ein paar Jahre hinterher. Erst 1994 entstand hier der neue, aber noch deutlich kleinere Nationalpark Harz. Zur Fusion mit dem angrenzenden Hochharz sollte es zunächst überhaupt nicht kommen, weil sich die Leiter beider Parks vehement dagegen wehrten. Aus der Politik hieß es außerdem: Nationalparks sind Ländersache. Erst zwölf Jahre später kam die Einsicht: Ein gemeinsamer Nationalpark Harz sollte her. Zwei Staatsverträge zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt regelten schließlich die Formalitäten.

Dixie-Klos sollten auf den Brocken

Trotzdem lief auch dann nicht alles glatt: "Es gab schon Schwierigkeiten, auch in der Mentalität", sagte Uwe Wegener. So sei es bei den Ost-Kollegen üblich gewesen, ohne Abmeldung aufzubrechen, um einem Forstamtsleiter einen Geburtstagsbesuch abzustatten. "Das kam beim neuen Westamtsleiter hier nicht so gut an, der wunderte sich, wo seine Mannschaft geblieben war." Außerdem war da noch die Frage nach dem Brocken - 1.141 Meter ragt er aus dem Nationalpark heraus und ist damit Norddeutschlands höchster Berg. Und plötzlich wollte jeder dort rauf: Eine Firma hatte vor, Batterien von Dixie-Klos dort zu stationieren. Auch eine bekannte amerikanische Schnellrestaurant-Kette plante eine Filiale auf dem Gipfel. Wegener lehnte ab.

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