Stand: 31.03.2017 13:38 Uhr

Salzgitter AG weist Dumping-Vorwürfe zurück

Billigstahl aus Deutschland? Die Salzgitter AG hat die Dumping-Vorwürfe der US-Regierung entschieden zurückgewiesen. Die US-Regierung hat mehreren ausländischen Stahlproduzenten vorgeworfen, Stahl unter Wert verkauft zu haben und mit Konsequenzen gedroht. Weder die Entscheidung noch die Höhe der drohenden Importzölle seien nachvollziehbar, sagte Konzernsprecher Bernhard Kleinermann am Freitag. Das US-Geschäft hat seinen Angaben zufolge einen Anteil von sechs Prozent am Umsatz des Stahlkochers.

Scharfe Kritik von Außenminister Gabriel

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat das Vorgehen der USA scharf kritisiert. Er nehme eine Festlegung sogenannter Dumping-Raten gegen die niedersächsische Salzgitter AG und die Dillinger Hütte im Saarland "nur mit großem Unverständnis zur Kenntnis", sagte Gabriel. Diese seien mit Methoden berechnet worden, die nicht den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) entsprächen. Ziel sei es, ausländischen "Wettbewerbern in der Stahlindustrie zu schaden". Dumping-Raten bezeichnen den Prozentsatz, mit dem die Verkäufe unter einem fairen Preis liegen. Die Bundesregierung hatte sich im Vorfeld ihrer Festlegung mit der EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström dafür eingesetzt, dass die WTO-Regeln als Berechnungsgrundlage eingesetzt werden.

Trump fordert neue Handelspolitik

US-Handelsminister Wilbur Ross hatte zuvor angekündigt, dass US-Präsident Donald Trump am Freitag zwei Dekrete unterzeichnen werde, um dem Handelsdefizit der USA "Land für Land und Produkt für Produkt" auf den Grund zu gehen. Trump fordert schon seit Längerem eine neue US-Handelspolitik. Er wirft Konzernen aus zahlreichen Branchen vor, durch unfaire Handelspraktiken amerikanische Unternehmen zu benachteiligen. Ross sieht die Stahlindustrie unter "Beschuss ausländischer Produzenten, die ihre Exporte verschleudern und subventionieren lassen". Man wolle sicherstellen, dass US-Unternehmen und -Arbeiter fair behandelt werden.

Dumping-Raten von bis zu 23 Prozent

Im Untersuchungszeitraum 2015 gehe es um Einfuhren im Wert von 732 Millionen Dollar (677 Millionen Euro), 192,2 Millionen Dollar (180 Millionen Euro) entfallen auf Importe aus Deutschland, wie die US-Regierung mitteilte. Die USA unterstellen der Salzgitter AG und Dillinger, Produkte bis zu 23 Prozent unter Wert an die USA verkauft zu haben. Die Regierung drohte den Konzernen damit, rückwirkend Strafzölle einzutreiben.

Regierung will Barsicherheiten eintreiben

Neben den deutschen Firmen bezichtigt die US-Regierung auch Stahlproduzenten in Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan des Preisdumpings. Das Handelsministerium will den Zoll- und Grenzschutz anweisen, auf Basis dieser Zahlen Barsicherheiten von den Unternehmen einzutreiben. Diese Mittel sollen einbehalten werden, bis die Bundesbehörde International Trade Commission am 15. Mai abschließend über den Fall entscheidet. Sollte das Verfahren dann eingestellt werden, würde das Geld zurückgezahlt. Mit dem Vorgehen riskieren die USA einen internationalen Handelsstreit.

Zuletzt hatte es auch in Europa Streit um Billigstahl gegeben. Dieser richtete sich vor allem gegen chinesische Produzenten. Nach massiven Protesten der Stahlarbeiter hatte die EU schließlich reagiert und Importzölle für chinesischen Stahl eingeführt.

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Salzgitter AG will ordentlich investieren

Die Salzgitter AG blickt äußerst optimistisch ins neue Geschäftsjahr. 2016 hat der Stahlkonzern 57 Millionen Euro Gewinn verzeichnet. 2017 soll noch bessere Zahlen bringen. (24.03.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.03.2017 | 08:00 Uhr

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