Stand: 05.09.2017 13:59 Uhr

Rad-Autobahn von Braunschweig nach Wolfsburg?

Das könnten mögliche Trassen für Radschnellwege in der Region Braunschweig sein. Am heißesten diskutiert: eine Verbindung nach Wolfsburg.

Der Trend zum Radeln ist ungebrochen. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) gibt es in Deutschland fast so viele Fahrräder wie Einwohner. Einen regelrechten Boom erleben dabei momentan die elektrisch angetrieben E-Bikes und Pedelecs: 680.000 werden davon in diesem Jahr verkauft, schätzt der ZIV. In der Region Braunschweig denkt man deswegen nun laut über mehrere Radschnellwege nach, auf dem Elektro-Radler, die schon mal 45 Stundenkilometer schnell werden können, von Stadt zu Stadt pendeln können. Der Regionalverband Braunschweig hat dazu zwei Studien vorgestellt. Darin werden drei mögliche Strecken präsentiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einem Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfsburg.

Fast 19 Millionen Euro Baukosten

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Radschnellwege: Mögliche Trassenverläufe

Eine Karte des Regionalverbandes Braunschweig zeigt mögliche Trassenverläufe für Radschnellwege in der Region. Download (1 MB)

24,8 Kilometer würde die Trasse Braunschweig-Wolfsburg demnach messen. Der größte Teil: Ein eigenständiger Radweg, der ganz ähnlich aussehen könnte, wie der Radschnellweg in Göttingen. Dort fahren Radler auf einer bis zu vier Meter breiten Fahrbahn, inklusive leuchtend blauer Markierungen und großflächiger Piktogramme. Einige Streckenabschnitte würden entlang oder auch direkt auf anderen Straßen laufen, zum Beispiel als Fahrradstraße. Die geschätzten Kosten für alle Baußmaßnahmen belaufen sich auf rund 18,6 Millionen Euro. Das sind über 700.000 Euro pro Kilometer. Darin enthalten: Der eigentliche Trassenbau und die Errichtung zwei neuer Brücken. Das erinnert nicht zufällig an Planungen für eine Autobahn. Auch bei Radschnellverbindungen wird darauf geachtet, dass Radler möglichst schnell von A nach B kommen können, wenige Steigungen vorkommen und die Linienführung möglichst direkt ist.

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Radschnellweg von Braunschweig nach Wolfsburg?

05.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Keine Kreuzungen, kaum Ampeln, schön breit: Die Pläne für einen Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfsburg stoßen bei Radfahrern auf einhellige Zustimmung. Video (03:12 min)

Bürgermeister wollen die Trasse

Dass der Regionalverband Braunschweig sich überhaupt so konkret mit den E-Radschnellwegen beschäftigt, liegt vor allem an aktuell immer drängenderen Problemen des Klimaschutzes und einhergehend an der Frage nach Alternativen zum Autoverkehr. Dazu komme, dass besonders zu Spitzenzeiten das Straßennetz durch das Pendleraufkommen schnell überlastet ist, heißt es in der Studie. Vor allem Autofahrer zwischen den VW-Standorten Braunschweig und Wolfsburg haben mit dem Problem zu kämpfen. Die Oberbürgermeister beider Kommunen haben die Studie deswegen nicht nur mit ins Rollen gebracht, sondern sind auch vom Nutzen einer Radschnelltrasse überzeugt. So sieht Braunschweigs OB Ulrich Markurth (SPD) mit ihr eine "Verbesserung der Mobilität" in der Region. Wolfsburgs Stadtchef Klaus Mohrs (SPD) ist überzeugt, mit der Trasse "ein attraktives und zukunftsfähiges Angebot für den Alltagsverkehr" zu haben, insbesondere für Pendler. Dazu könne sie helfen, die verkehrsbedingten Emissionen auf der Achse Braunschweig-Wolfsburg zu reduzieren.

Zwei weitere Radschnellwege untersucht

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Ein Radschnellweg von Braunschweig nach Wolfsburg könnte ganz ähnlich aussehen wie hier dir Trasse in Göttingen.

Die Studie beinhaltet aber auch zwei weitere Vorschläge für mögliche Fahrradschnellwege: Zwischen Braunschweig und der Kleinstadt Vechelde sowie zwischen Braunschweig und Salzgitter-Thiede. Die würden zwischen neun und elf Kilometer lang sein und rund 5,5 für die Strecke nach Vechelde und 8,1 Millionen Euro für die Strecke nach Salzgitter kosten. Geld, dass die Kommunen nicht allein tragen müssten. Der Niedersächsische Landtag hat für den Doppelhaushalt 2017/18 jeweils rund 6,1 Mio. Euro für Projekte rund um E-Radschnellwege bereitgestellt. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium veröffentlichte kürzlich dazu einen Fördererlass.

Göttinger machen gute Erfahrungen mit ihrem Radschnellweg

Vorbild für die Trassen in der Region Braunschweig könnte Göttingen sein. Dort hat man mit einem E-Radschnellweg, der seit 2013 durch die Stadt vom Bahnhof zum Uni-Nordcampus führt, offenbar gute Erfahrungen gemacht: Die Strecke wird gut angenommen, wie Stadtsprecher Detlef Johannson sagt. Im vergangenen Jahr habe man rund 1,1 Millionen Nutzungen gezählt. Johannson glaubt, dass der Radweg ausschlaggebend war für Göttingens ersten Platz beim Fahrradklima-Test 2016 bei Städten dieser Größenordnung. Bei dem Test hatten Radfahrer selbst abgestimmt. Bereits jetzt arbeite man deshalb einer Verlängerung der Strecke bis in eine Nachbargemeinde, die 2018 fertig sein soll.

Geht es bald schon weiter?

Über die weitere Vorgehensweise zu den in den Studien vorgestellten Trassen in der Region Braunschweig entscheiden die Gremien des Regionalverbandes noch im September. Die Kommunen selbst müssen zudem entscheiden, ob und wo sie Radschnellwege möchten. Der Regionalverband hat indes seine Unterstützung signalisiert: Auf Wunsch wolle man bis zur Entwurfsphase helfen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 05.09.2017 | 17:00 Uhr

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