Stand: 07.07.2017 17:40 Uhr

Pro Familia: Armen Frauen fehlt Geld für Pille

In Niedersachsen können sich einkommensschwache Frauen offenbar keine Verhütungsmittel leisten. Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfängerinnen, geflüchtete Frauen oder Studentinnen hätten schlichtweg kein Geld dafür, sagt die Landesgeschäftsführerin von Pro Familia, Uta Engelhardt. Hintergrund ist, dass die Jobcenter und Sozialämter die Kosten für die Empfängnisverhütung nicht mehr übernehmen. Die Folge seien ungewollte Schwangerschaften. Jede vierte Hartz-IV-Empfängerin in Niedersachsen verzichtet auf Verhütungsmittel, weil sie es sich nicht leisten kann, so Engelhardt.

Geld reicht nicht für die Pille

17,37 Euro sind für Körperpflege und Gesundheit im Hartz-IV-Satz vorgesehen, für die Pille reiche das nicht, sagt sie. Weil Kommunen und Städte frei selbst entscheiden, ob sie die Kosten übernehmen, sei Schwangerschaftsverhütung inzwischen eine Frage des Wohnortes, so Engelhardt. Sie fordert eine einheitliche Regelung.

Mehr ungewollte Schwangerschaften

Im Landkreis Northeim werden seit drei Jahren keine Verhütungsmittel mehr finanziert. Dort gebe es inzwischen viele arme Frauen, die ungewollt schwanger werden, sagt Lisa Kastner von der Pro-Familia-Beratungsstelle. Das soll sich ändern, Gespräche mit dem Landkreis seien auf einem guten Weg. Der Landkreis Göttingen gibt pro Jahr 12.500 Euro für Pille und Co. aus, das Geld werde unproblematisch auf Antrag ausgezahlt, sagt eine Sprecherin des Landkreises.

Niedersachsen will Hilfe gesetzlich verankern

In Wilhelmshaven und im Landkreis Friesland werden die Kosten erst seit Anfang 2017 übernommen. Die Stadt und der Landkreis sind Teil eines bundesweiten Modellprojekts. Dafür werde offensiv geworben. Rund 200 Frauen hätten die Hilfe innerhalb von fünf Monaten in Anspruch genommen, hieß es. Das Land Niedersachsen hat deswegen eine Bundesratsinitiative gestartet, um die Hilfe gesetzlich zu verankern.

Weitere Informationen

Seit 50 Jahren ist Pro Familia für Familien da

Zunächst ging es vor allem um die Pille, dann um das ungeborene Kind. Inzwischen sind die Aufgaben vielfältiger. Dass es Pro Familia im Norden überhaupt gibt, ist einem Arzt aus Kiel zu verdanken. (30.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.07.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen