Stand: 05.12.2016 16:18 Uhr

Polizei will Einbrüche per App vorhersehen

Das Bild zeigt, wie eine Karte eines Wohngebietes aussehen könnte, in dem Einbrüche bereits stattgefunden haben (Markierungen) und welche Bereiche aufgrunddessen gefährdet sind (gelb=hoch, blau=schwach gefährdet).

Wie wäre es wohl, wenn schon vorher klar ist, wo demnächst ein Verbrechen begangen wird? Hört sich nach Science-Fiction an, nach heiler Welt ohne Mord und Totschlag. Ganz so abwegig ist die Vorstellung offenbar jedoch nicht. "Predictive Policing" heißt diese Art von präventiver Verbrechensbekämpfung, die bereits in einigen Bundesstaaten der USA angewandt und in Bayern getestet wird. Nun will auch Niedersachsen es Einbrechern schwerer machen, indem sie diese noch junge Technologie in einem Pilotprojekt unter dem Namen "PreMAP" testet. Wie das Innenministerium in Hannover mitteilt, sollen ab Februar Polizisten in Wolfsburg und der gesamten Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel Tablets erhalten.

"Einbruch ist immer Eingriff in das Leben der Opfer"

Die Entwicklung von Einbrüchen mit Diebstählen in Niedersachsen von 1993 bis 2015 zeigt, dass nach einem Rückgang ab 2008 die Zahlen wieder steigen.

Per Tablets und einer speziellen App können die Polizisten laut Ministerium auf einer Karte sehen, "wo Wohnungseinbrüche stattgefunden haben und wo aufgrund kriminologischer Ansätze die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Taten am höchsten sein wird." So kann die Polizei eigenen Angaben zufolge dort verstärkt Streife fahren oder sich verdeckt auf die Lauer legen. Für Innenminister Boris Pistorius (SPD) ist das Projekt ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den zuletzt gestiegen Zahlen bei den Wohnungseinbrüchen entgegenzuwirken. "Ein Einbruch - dabei ist es fast egal, wie hoch der materielle Schaden ist - ist ein unglaublich drastischer Eingriff in das Leben der Opfer. Denn: jemand völlig Fremdes ist in die persönliche Sicherheits- und Wohlfühlzone eingebrochen", so der Minister.

Theorie: Verbrechen häufen sich örtlich

Das Projekt soll also klären, inwieweit das Predictive Policing - also der Versuch, zukünftige Taten möglichst exakt räumlich und zeitlich vorherzusagen - erfolgreich eingesetzt werden kann. Grundlage stellt die sogenannte Near Repeat Victimisation dar. Dieses Phänomen besagt, dass nach einer Ausgangstat die Wahrscheinlichkeit weiterer Taten in räumlicher und zeitlicher Nähe erhöht ist. Vorläufig enden soll das Projekt im Oktober 2017. Dann erst zeigt sich vielleicht, wieviel Science-Fiction wirklich möglich ist. Funktioniert das System und gibt es keine Einwände von Datenschützern, soll es niedersachsenweit eingeführt werden.

Weitere Informationen

Polizei will Verbrechen vorhersehen - per PC

Es klingt wie im Hollywood-Film: Die Polizei kann am Computer sehen, wo bald ein Verbrechen passieren wird. Niedersachsens LKA testet eine solche Software, auch Hamburg ist interessiert. (16.07.2015) mehr

Polizei will Verbrechern Schritt voraus sein

Im Film "Minority Report" verhinderte die Polizei bereits im Jahr 2002 Morde mit dem "digitalen Blick in die Zukunft". Doch Computerprogramme sollen auch real die Verbrechensquote senken. (13.08.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.12.2016 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen