Stand: 08.12.2015 10:21 Uhr

Lässt VW-Krise Immobilienpreise fallen?

von Sarah Termeer
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Für Makler wird es im Zuge der VW-Krise offenbar schwieriger, hochpreisige Wohnungen zu verkaufen.

Es begann kurz nachdem die ersten Artikel über den VW-Abgas-Skandal veröffentlicht wurden: Termine für Wohnungsbesichtigungen wurden abgesagt, Kaufverträge ganz kurzfristig nicht unterschrieben. "Es ist ruhig geworden auf dem Immobilienmarkt, sehr ruhig", sagt eine Maklerin aus Braunschweig, die ihren Namen nicht nennen möchte. Zwar gebe es immer wieder jahreszeitliche Schwankungen, doch eigentlich seien November und Dezember sehr gute Monate. Jetzt gibt es in ihrem Maklerbüro weniger Anfragen von potenziellen Käufern und es dauert merklich länger, bis ein Objekt verkauft wird.

Wohnungen stehen leer, es findet sich kein Käufer

Bei einer Drei-Zimmer-Altbauwohnung im östlichen Ringgebiet in Braunschweig ist bereits zum zweiten Mal in Folge der Preis gesenkt worden. Dass diese Preissenkung mit der VW-Krise zusammenhängt, wollte der zuständige Makler zwar nicht bestätigen. Der Eindruck aber drängt sich auf: Auch viele andere hochpreisige Altbauwohnungen im östlichen Ringgebiet stehen seit Monaten leer, für viele Wohnungen findet sich kein Käufer. "Eine erstklassige Wohnung in einer Top-Lage war vor der Krise oft nach vier bis sechs Wochen verkauft. Jetzt dauert es deutlich länger", erzählt die Maklerin aus Braunschweig.

VW-Mitarbeiter agieren zögerlicher

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Dirk Teckentrup betreut 80 Makler rund um Braunschweig.

Dass VW-Mitarbeiter gerade abwarten und weniger Immobilien kaufen, kann Dirk Teckentrup, IVD-Regionalvorstand aus Braunschweig, bestätigen. Er betreut 80 Makler in der Region. "Es kommt vor, dass Besichtigungen abgesagt und hochpreisige Mietwohnungen etwas zögerlicher vermarktet werden", sagt er. Die Nachfrage für Einfamilienhäuser sei aber trotzdem immer noch sehr hoch - da gebe es weiterhin deutlich mehr Nachfragen als Angebote.

Müssen einige VW-Mitarbeiter wieder verkaufen?

Es könne allerdings sein, dass es für VW-Mitarbeiter künftig schwieriger wird ihr Eigenheim zu finanzieren: "Viele Mitarbeiter von VW haben bei ihrer Immobilienfinanzierung eine jährliche Bonuszahlung mit eingerechnet", sagt Teckentrup. "Wenn die wegfällt, kann die Finanzierung schwieriger werden." Ob manche VW-Mitarbeiter dadurch gezwungen werden, ihre Häuser oder Wohnungen zu verkaufen, sei nicht auszuschließen, so Teckentrup. Das hieße, es kämen weitere Immobilien auf den Markt - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Preis.

Immobilienmarkt reagiert träge

Peter-Georg Wagner, Pressesprecher vom Immobilienverband Nord-Deutschland, sieht aber keinen Grund zur Panik: "Wir müssen jetzt erstmal sehen, was passiert." Würde VW in dem Kontext eine größere Anzahl Stellen streichen, träfe das die ganze Region. Generell reagiere der Immobilienmarkt aber sehr träge, auch was Preisänderungen angehe, sagt Wagner.

"Die nächsten sechs Monate abwarten"

In Wolfsburg ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt etwas anders, doch auch hier merkt Makler Michael Kellner erste Veränderungen: Hochpreisige Mietwohnungen mit über zehn Euro pro Quadratmeter werden gerade weniger schnell vermietet. "Von diesen großen Wohnungen gibt es in Wolfsburg jedoch nicht viele, das ist eher ein Thema in Braunschweig, dort gibt es die großen Altbauten", sagt Kellner, der ein eigenes Maklerbüro hat. In naher Zukunft werden in Wolfsburg allerdings einige Gewerbeflächen frei, die bisher von VW angemietet waren. "Diese Veränderungen waren schon länger von VW geplant und haben nichts mit der Krise zu tun", sagt Kellner. Große Sorgen mache er sich noch nicht: "Wir sind noch ganz am Anfang der Situation und wir müssen die nächsten sechs Monate abwarten. Im Bereich der Einfamilienhäuser übersteigt momentan die Nachfrage noch das Angebot", erzählt Kellner.

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