Stand: 25.02.2016 14:05 Uhr

"Flex" ist Göttingens neues Heroin

von Sebastian von Hacht
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"Flex" ist eine Droge aus der Gruppe der Amphetamine. (Themenbild)

Das weiß-graue Pulver trägt den fast unaussprechlichen Namen Methylendioxypyrovaleron, kurz MDPV. In Göttingen wird es einfach "Flex" genannt. Hier hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine Hochburg entwickelt. Die Droge aus der Gruppe der Amphetamine wirkt stimulierend und aufputschend und ist bei unterschiedlichen Personengruppen beliebt. Doch die Substanz ist keinesfalls harmlos, wie der Göttinger Kriminalpolizei-Leiter Volker Warnecke warnt. "Es ist eine künstlich hergestellte Droge, die dazu führt, dass die Konsumenten offensichtlich häufig in Wahnvorstellungen verfallen." Außerdem machen sie aggressiv gegen andere und sich selbst. 2015 starben laut Polizei drei Menschen an MDPV, in diesem Jahr sei ein Suizid auf das Mittel zurückzuführen. Die Polizei schätzt die Zahl der Konsumenten auf bis zu 300. Die Ermittlungsfälle hätten sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Was ist "Flex"?

Die Modedroge, die in Göttingen unter dem Szenenamen "Flex" bekannt ist, heißt offiziell Methylendioxypyrovaleron, kurz MDPV. Es ist eine synthetische Droge aus der Gruppe der Amphetamine und wurde zeitweise als "Badesalz" legal verkauft. Meistens wird das weiß-gräuliche Pulver geschnupft. Es kann aber auch geraucht oder injiziert werden. MDPV macht wach, euphorisch, verbessert die Konzentration und wirkt gegen Nervosität und Hyperaktivität. Die Droge macht sehr schnell abhängig und kann zu Panikattacken, Paranoia und einer Drogenpsychose führen.

MDPV als Heroin-Ersatz

Einen möglichen Grund für die starke Verbreitung in der Universitätsstadt sieht die Polizei in der Zerschlagung eines Heroin-Händlerringes vor wenigen Jahren. Da der Drogenmarkt in Göttingen kleiner geworden sei, seien vermutlich viele Konsumenten auf MDPV umgestiegen, so Warnecke. Aber nicht nur Heroin-Abhängige konsumieren "Flex". Wie die Therapeuten der Göttinger Drogenberatungsstelle wissen, gehören auch Studenten, die gerade in einer stressigen Prüfungsphase stecken, zu den Konsumenten. "Man kann in kurzer Zeit viel lernen. Danach ist man aber umso ausgelaugter", beschreibt Berater Markus Lingemann die Wirkung der Droge. Außerdem sei die Droge günstig und leicht über das Internet zu bekommen. Ein Gramm koste zehn Euro - und das reiche für mehrmaligen Konsum, so Lingemann. Viele Konsumenten, die sich in der Beratungsstelle meldeten, seien verwirrt und litten unter Verfolgungswahn.

Polizei ist optimistisch

Trotz allem ist Kripo-Leiter Warnecke optimistisch. Er glaubt, dass sich die Verbreitung der Droge künftig eindämmen lässt. "Wir gehen davon aus, dass durch die vielfältigen polizeilichen Maßnahmen die Szene deutlich unter Druck steht und dass zentrale Täter entweder in Strafhaft oder Therapie gegangen sind." Wie die Entwicklung im Laufe des Jahres weitergehe, sei aber noch nicht absehbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.02.2016 | 18:00 Uhr