Stand: 15.09.2017 19:45 Uhr

Freudentränen: "Cassini" verglüht auf dem Saturn

Nach 20 Jahren Saturn-Mission ist seit Freitagmittag Schluss für die Raumsonde "Cassini". Sie ist planmäßig in Richtung Saturn gestürzt und in dessen Atmosphäre verglüht. Das letzte Signal der Sonde sei wie erwartet um 13.55 Uhr (mitteleuropäischer Zeit) aufgefangen worden - 83 Minuten, nachdem die Sonde es ausgesendet hat. Das teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Auch in Göttingen wurde der Absturz mit Spannung verfolgt: Denn Wissenschaftler am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) haben den Teilchendetektor MIMI entwickelt, der sich an Bord der Raumsonde befand und unter anderem das Magnetfeld des Saturn untersucht hat.

Das Bild zeigt die Sonde "Cassini". © NASA/JPL

"Cassini" sendet letzte Signale

Niedersachsen 18.00 Uhr -

Die Raumsonde "Cassini" hat am Freitag ihre letzten Signale vom Saturn gesendet. Vor 20 Jahren hat die Sonde ihre Mission gestartet, um das System des Saturns zu erforschen.

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Noch immer funktioniert fast alles

Die in Göttingen entwickelten Geräte hätten seit "Cassinis" Ankunft im Saturn-System 2004 viele neue Erkenntnisse gebracht, sagte MPS-Forscher Norbert Krupp: Über elektrische Teilchen zum Beispiel, die auf die insgesamt 62 Monde des Saturns einprasseln. Und über die rund 100 Wassergeysire auf dem Saturnmond "Enceladus". Die "Cassini"-Mission ist für Krupp ein riesiger Erfolg - vor allem, weil sich die Sonde gut gehalten habe und noch fast alle Instrumente funktionierten. Nun also das Ende. Doch warum überhaupt, wo sich die Sonde doch noch in gutem Zustand erweist?

Cassinis schönste Aufnahmen

Leben auf den Saturn-Monden?

Die Antwort weist darauf hin, was die Wissenschaftler für möglich halten: Leben auf den Saturn-Monden. Etwa ein halbes Jahr nach der Ankunft im Saturn-System setzte die mitgeführte Landeeinheit "Huygens" 2005 auf dem größten Saturnmond "Titan" auf. Messdaten wiesen auf riesige Methan-Seen in der Nähe der Pole hin. Und der Mond "Enceladus" sprüht offenbar aus tiefen Spalten in seiner Oberfläche Fontänen aus Eis ins Weltall. "Beide Körper beherbergen einen unterirdischen Ozean aus flüssigem Wasser und bieten nach jüngsten Erkenntnissen günstige Bedingungen für das Entstehen von Leben", konstatiert das MPS auf seiner Internet-Seite.

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Mikroben sollen die Monde nicht kontaminieren

Und um mögliches Leben nicht zu gefährden, sollte ein unkontrollierter Absturz der Sonde vermieden werden. Denn der Sonde war der Treibstoff ausgegangen. Und die Alternative, das Raumschiff mit Hilfe der letzten Treibstoffreserven auf eine Umlaufbahn um den Saturn zu bugsieren, barg ein entscheidendes Risiko: Durch kleine Störungen könnte die Sonde im Laufe der Zeit vom Kurs abkommen, auf einen der Monde stürzen und diesen kontaminieren. Denn: Die Nasa hält es für denkbar, dass irdische Mikroben an Bord der Sonde die lange Reise durchs Weltall überlebt haben. Durch den Sturz Richtung Planet sollte eine Kontamination der Monde mit diesen Mikroben ausgeschlossen werden.

Letzter Akt begann im April

Die Vorbereitung für den letzten Akt begann im April: Seitdem fliegt "Cassini" Manöver, die die Raumsonde erstmals in den Bereich zwischen dem innersten Ring und dem Planeten führen. In den letzten fünf Wochen näherte sich die Sonde immer näher dem zweitgrößten Planeten des Sonnensystems - in die obere Atmosphäre des Saturn, 1.630 bis 1.710 Kilometer über der Wolkendecke des Planeten. Für nur vier Jahre war die Mission ausgelegt - heute geht sie, 20 Jahre nach dem Start, zu Ende.

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Das "große Finale"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.09.2017 | 08:00 Uhr