Stand: 02.09.2015 14:28 Uhr

Flüchtlingsheim in Osterode: Land verhandelt weiter

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Die frühere Rommel-Kaserne spielt als Flüchtlingsunterkunft in den Plänen der Landesregierung offenbar weiter eine Rolle.

Das niedersächsische Innenministerium in Hannover hat am Mittwoch Berichten von NDR Info widersprochen, wonach die Pläne für ein Erstaufnahmelager in Osterode am Harz vom Tisch seien. "Wir verhandeln weiter mit der Eigentümerin, weil wir dringend weitere Kapazitäten brauchen", sagte Ministeriumssprecher Matthias Eichler. "Wir haben eine Prognose vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über 75.000 Asylanträge in diesem Jahr. Da kann man einen Standort nicht einfach vom Tisch wischen." Das Ministerium stehe mit Eigentümern mehrerer Standorte in Verhandlungen. Im Fall von Osterode könne deshalb keine Rede vom Abbruch der Gespräche sein, so Eichler. Das Ministerium habe kontinuierlich auch wegen der Rommel-Kaserne weiter verhandelt.

Derzeit unbewohnbar wegen Asbest und Chlorverbindungen

Nach Informationen von NDR Info sei die Schadstoffbelastung in dem Gebäudekomplex, die nach dem Wehrmachts-Feldmarschall Erwin Rommel benannt ist, so hoch, dass sie nicht in angemessener Zeit beseitigt werden könne. Vor knapp zwei Wochen war bekannt geworden, dass der als mögliche Flüchtlingsunterkunft vorgesehene Kasernenkomplex mit verschiedenen Giftstoffen belastet ist. In den Gebäuden sollen unter anderem Asbest, Glaswolle sowie giftige und krebsauslösende Chlorverbindungen verbaut worden sein. Der Landkreis Osterode bestätigte daraufhin, dass viele Gebäude für einen Daueraufenthalt derzeit nicht geeignet seien. Die Sanierung soll einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Sanierung Sache des Eigentümers

Nach Aussage des Ministeriumssprechers sei die Schadstoffbeseitigung, vor dem möglichen Abschluss eines Vertrages mit dem Land, Aufgabe des Eigentümers. Das Land verhandele außerdem noch über weitere Standorte für Erstaufnahmeeinrichtungen in Cuxhaven und Neu Tramm im Wendland. Außerdem gebe es inzwischen sowohl aus dem Landkreis Gifhorn wie auch aus anderen Regionen des Landes Angebote, so Eichler.

Nächste Aufnahmeeinrichtung öffnet im November

Noch ist offen, an welchen Standort die sechste Aufnahmeeinrichtung geht. Dazu könne er noch nichts sagen, betonte der Sprecher des Innenministeriums. Er gehe aber davon aus, dass das noch in diesem Jahr der Fall sein werde. Im Frühjahr 2016 sollten dann eine siebte und möglicherweise auch eine achte dazu kommen. Im November werde das ehemalige Kloster Blankenburg in Oldenburg als fünftes Erstaufnahmelager eröffnet.

Til Schweiger engagiert sich vorerst nur in Osnabrück

In dem geplanten Flüchtlingsheim in Osterode wollte sich auch der Schauspieler und Produzent Til Schweiger engagieren. Er hatte gemeinsam mit Freunden, dem Geschäftsmann Wolfgang Koch aus Stade und dem "Security-Spezialisten" Jan Karras aus Hamburg, unter anderem Sprachkurse und Freizeitangebote finanzieren wollen. Koch war wegen seines undurchsichtigen Finanzgebarens in die Kritik geraten. Aus der ehemaligen Kaserne sollte nach den Vorstellungen von Til Schweiger ein "Vorzeigeflüchtlingsheim" werden. Jetzt will sich der Schauspieler aber zunächst in der Erstaufnahmeeinrichtung Osnabrück aktiv werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 02.09.2015 | 14:30 Uhr