Stand: 13.08.2015 12:39 Uhr

Eine Nacht durchwacht - und der Harz sieht Sterne

von Marco Schulze

Fast ein Dutzend Teleskope sind auf den Himmel gerichtet. Daneben stehen gepolsterte Liegen, auf denen es sich die ersten Schaulustigen mit Decken bereits bequem gemacht haben. Dazu wird Kaffee und Kuchen serviert. Wenn das Wetter mitmacht, färbt sich der Himmel in wenigen Minuten in ein Meer aus Sternschnuppen. Nach Aussagen der Experten sollen bis zu 100 Leuchtspuren pro Stunde am nächtlichen Himmel zu sehen sein. Die Sternwarte in St. Andreasberg ist die höchstgelegene Sternwarte Norddeutschlands - und deshalb der ideale Platz, um dieses Spektakel zu beobachten.

Himmlisches Spektakel über dem Nachthimmel

Wie eine "glühende Kugel"

Um kurz nach 22 Uhr geht ein Raunen durch das Publikum. Erstmals in dieser Nacht hat es am Himmel gefunkelt. Dietlinde Hartmann ist begeistert: "So eine Sternschnuppe habe ich noch nicht gesehen, das war eine richtig glühende Kugel", sagt sie. Auch die anderen Besucher strahlen. Doch nicht alle bekommen den eindrucksvollen Auftakt des Meteoritenregens mit: Etwa 40 Astro-Freunde lauschen derzeit einem Vortrag über Sternbilder. Doch wenige Minuten später kommen auch sie auf ihre Kosten. Es ist beinahe Neumond, die Sicht ist klar, der Sternenhimmel gut zu erkennen. Und dennoch lehnt sich Utz Schmidtko noch zurück. Der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Sternwarte St. Andreasberg will erst gegen 2 Uhr mit dem Fotografieren beginnen. Dann soll es laut Vorhersage Sternschnuppen nur so hageln. Der pensionierte Lehrer hat sich erst kürzlich mit neuer Technik für sein Hobby ausgerüstet. "Der Sternenhimmel hat für mich auch etwas mit Emotion und Natur zu tun. Daher finde ich es schade, dass viele Kinder den nächtlichen Sternenhimmel gar nicht mehr bewusst erleben", sagt der 63-Jährige.

Ruhe in der Nacht

Es ist auffällig ruhig auf dem Außengelände der Sternwarte. Man hat das Gefühl, niemand will das nächste Funkeln verpassen. Die Handys sind in der Hosentasche, der Blick ist auf den Himmel fokussiert. Ab und zu ein Kichern - sonst Stille. Und es ist stockduster. Das einzige was leuchtet, sind kleine rote Lampen, die den Gehweg markieren. Andere Lichter würden die Augen zu sehr vom Sternenhimmel ablenken, sagt Schmidtko. Ab 23 Uhr gehen die ersten Besucher. Veranstalter Schmidtko stört das nicht: "Mit so viel Andrang haben wir gar nicht gerechnet. Wir hatten rund 300 Leute hier. Und es kommen ja vereinzelt immer noch welche", sagt er. Judith König und Freundin Melanie Unkelbach leben eigentlich in Wiesbaden, machen aber gerade Urlaub in Braunlage. Daher haben sie es sich nicht nehmen lassen, mit Hund "Maxi" hier vorbeizuschauen. Nach zwei Stunden gehen sie wieder. Ihre Bilanz: "Sehr zufrieden" sind die beiden. "Wir haben einige schöne Sternschnuppen gesehen", sagt König.

Ein Wunsch bleibt unerfüllt

Gegen Mitternacht wird es dann spürbar kälter, windiger und auch leerer. Ohne Jacke sitzt oder liegt keiner mehr. Außerdem versperren mittlerweile Wolken die Sicht auf die Sterne. Die ersten schlafen und schnarchen bereits in- oder außerhalb ihrer Zelte. Es dauert einige Minuten, bis jemand schreit: "Da war wieder eine!" Bis 2 Uhr verdecken immer mal wieder Schleierwolken den Sternenhimmel. Mittlerweile hat auch Schmidtko seine Fotoapparatur aufgebaut. "Jetzt kann es richtig losgehen", sagt er. Kurz vor 3 Uhr ist es so weit. Die Sterne sind wieder freigelegt und es geht nun im Minutentakt weiter mit dem Sternschnuppen-Regen. Es glüht zwar häufig am Himmel, doch auf den Kracher warten alle: Eine Sternschnuppe, die über den "gesamten Himmel" huscht. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt. Doch Veranstalter Schmidtko ist trotzdem zufrieden: "Ich hatte nicht die Riesenerwartung, dass ich hier 100 Sternschnuppen sehe. Es ist ein bisschen wie beim Jagen, man kann es ja nicht berechnen."

Bis vier Uhr in der Sternwarte

Besucherin Rita Hartwig hingegen hatte auf mehr große Sternschnuppen gehofft. "Aber es war trotzdem sehr schön", sagt sie. Die Einbeckerin hat in der Nacht etwa 20 Sternschnuppen gezählt. Sie gehört zum harten Kern von zehn Personen, die bis zur Morgendämmerung kurz nach 4 Uhr wach geblieben sind. Hartwig wird die nächsten Tage weiter den Himmel nach Sternschnuppen absuchen. Noch bis Sonntag sind die sogenannten Perseiden zu sehen - wenn auch nicht mit der Intensität wie in dieser Nacht. Ursache für das Himmelsschauspiel sind abgelöste Trümmerteile des Kometen "Swift-Tuttel", dessen Flugbahn die Erde stets im August kreuzt.

Schleswig-Holstein

Helle Sternschnuppen über Schleswig-Holstein

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