Stand: 20.04.2017 10:09 Uhr

Auf Streife mit der Einbruchs-App

Kann eine App dabei helfen, Einbrüche zu verhindern? Genau das testet die Polizei in Niedersachsen derzeit in einem Pilotprojekt. Denn wenn die Polizisten der Polizeiinspektionen Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel sowie Wolfsburg auf Streife gehen, haben sie einen neuen Begleiter. Über einen Tabletcomputer gibt die App "PreMap" den Beamten Informationen über Wohnungseinbrüche. Die App zeigt an, wo in den zurückliegenden vier Wochen eingebrochen wurde. Rund um die Brennpunkte können die Beamten dann genauer hinschauen.

Programm ersetzt Papierarbeit

Ziel der Beamten ist es nicht, die Täter mithilfe der "PreMap" auf frischer Tat zu ertappen. Vielmehr gehe es um Prävention, sagt Hauptkommissar Björn Hirsch, einer der etwa 250 Beamten, die das Programm seit Februar testen. Die App helfe vor allem bei der Vorbereitung und Planung der Streifenfahrten. Bisher mussten die Beamten in der Wache unzählige Papiere durchgehen und Tabellen sichten, bevor sie schließlich auf Streife gehen konnten. Diese Arbeit erledigt jetzt das Programm.

Weitere Informationen

Polizei will Einbrüche per App vorhersehen

Ab Februar testet die Polizei Braunschweig "PreMAP" - das System soll Wohnungseinbrüche per Software vorhersagen können. Funktioniert die App, soll sie landesweit eingeführt werden. (05.12.2016) mehr

Häufig kehren die Täter zurück

Denn schließlich können Informationen über bisherige Einbrüche genutzt werden, um Prognosen über die Gefahr von Wiederholungstaten abzugeben. Denn die Erfahrung zeigt: Einbrecher kommen häufig dahin zurück, wo sie schon einmal erfolgreich zugeschlagen haben. "Repeat-Near-Victimisation" nennt sich dieses Phänomen. Die empirischen Daten legen nahe, dass Täter nach einer ersten Tat innerhalb der nächsten 72 Stunden oft im Umkreis von 500 Metern erneut zuschlagen.

Schnell und gezielt in Risikogebiete

Hirsch und sein Kollege, Oberkommissar Daniel Arth, sind nach den ersten Wochen überzeugt, dass die App ihnen dabei hilft, schneller und gezielter in Risikogebieten Streife zu fahren. "Wenn der Empfang über den Mobilfunkstandard LTE gut ist, funktioniert auch die Technik, auch wenn die Anwendung manchmal etwas langsam ist", sagt Arth. Insgesamt stehen den Beamten derzeit 29 Tablets zur Verfügung.

"Großes Interesse an der Anwendung"

Für die nächste Version arbeiten die Techniker bereits an der monierten Schnelligkeit. "Die unbedingt notwendige Ver- und Entschlüsselung sensibler Daten führt aber zwangsläufig zu Zeitverlust", erklärt Sven Kohrs vom Landeskriminalamt (LKA). Es gebe ein großes Interesse an der Anwendung. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh, sagt Kohrs. "Das wird erst nach Beendigung der Pilotphase und der Auswertung der Nutzung Anfang August möglich sein."

100.000 Euro für die Prävention

Das Programm ist eine Eigenentwicklung des LKA und der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen. Insgesamt stehen nach Angaben des LKA 100.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Während sich Niedersachsen für ein eigenes Projekt entschieden hat, wird in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg eine kommerzielle Software getestet - in Bayern sei eine kommerzielle Variante nach erfolgreichem Test bereits im Einsatz.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2017 | 10:00 Uhr

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