Stand: 11.09.2015 17:08 Uhr

20.000-Euro-Spende: Das kleine Wunder von Helmstedt

von Janek Wiechers
In diesen beiden Umschlägen steckten jeweils 10.000 Euro für eine Mutter mit zwei kranken Söhnen: Silvia Hirth, die die Spendenaktion ins Leben gerufen hatte, ist überwältigt.

Silvia Hirth arbeitet in einem Helmstedter Autohaus. Mit bedruckten Tassen wollte sie für eine alleinerziehende Mutter und ihre beiden 15-jährigen Söhne Spenden sammeln. Die Zwillinge leiden an Epilepsie, einer sitzt zudem im Rollstuhl. Am Ende sollte die Familie ein behindertengerechtes Auto bekommen. Durch den Aufruf zur Spende ist aber offenbar ein anonymer Wohltäter auf den Plan getreten. Mit großem Hut und Sonnenbrille - so berichtet es Hirth - sei er im Autohaus erschienen und habe Geld abgegeben. Insgesamt 20.000 Euro.

Hirth denkt zuerst an einen Scherz

Nachdem die Lokalzeitung über Hirths Spendenaktion berichtet hatte, klingelte im Autohaus das Telefon. Ein Mann war am anderen Ende der Leitung, seinen Namen nannte er nicht. "Ich war erst ein bisschen verunsichert", sagt Hirth. Er habe die Tassenaktion gelobt, angekündigt, eine größere Geldsumme zur Verfügung zu stellen und dass er sich noch mal melden würde. "Dann war das Gespräch beendet", so Hirth, "und ich dachte: 'Will dich jetzt jemand veräppeln?'" Später habe das Telefon erneut geklingelt und der Anrufer habe gesagt, dass er am nächsten Tag in der Mittagszeit vorbeikommen und 10.000 Euro bringen würde. Sie habe sich nach den Anrufen erst einmal beruhigen müssen, so aufgeregt sei sie gewesen, sagt Hirth.

Spender gibt Umschlag ab - und verschwindet wortlos

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Ebenso wie über die großzügige Spende freut sich Hirth über die 800 Euro aus der Tassen-Aktion.

Am Tag darauf stand sie mittags am Tresen des Autohauses, hatte gerade einige Kundenaufträge geschrieben, als die Tür aufflog. "Ein Mann kam rein mit einem großen Hut und einer großen Sonnenbrille. Quasi nicht zu erkennen. Und er hat mir einen Umschlag überreicht mit diesem Tassen-Artikel drauf." Anschließend habe er sich umgedreht und sei Richtung Tür gegangen. "Ich habe noch 'Danke!' gerufen. Er hob nur die Hand - und weg war er wieder." In dem Umschlag steckten 10.000 Euro, gestückelt in lilafarbene 500-Euro-Scheine.

Unbekannter erkundigt sich per Telefon über Spendenstand

Hirth freute sich riesig, als sie der Mutter der behinderten Kinder das Geld übergeben konnte. Wieder berichtete die Zeitung über die Aktion beziehungsweise die großzügige Spende des Unbekannten. Ein paar Wochen später rief er laut Hirth wieder an, um sich nach dem Ausgang der Tassen-Aktion zu erkundigen. 800 Euro waren inzwischen zusammengekommen. "Er freute sich total und sagte: 'Na ja, aber für ein Auto wird's nicht reichen - lange Rede, kurzer Sinn. Ich springe noch mal ein mit 10.000 Euro.'"

"Versprochen ist versprochen"

Es folgte dieselbe Prozedur wie beim ersten Besuch des Mannes: "Er kam rein, überbrachte mir den Umschlag mit dem Geld - und auch wieder mit der gleichen Verkleidung." Seine einzigen Worte seien folgende gewesen: "Versprochen ist versprochen." Dann habe er sich umgedreht und sei gegangen.

Mutter kann nun behindertengerechtes Auto kaufen

Das kleine Wunder von Helmstedt ist damit perfekt: Mit 20.800 Euro kann sich die Familie nun ein behindertengerechtes Fahrzeug kaufen. Die Mutter habe sich "extrem über die unerwarteten Spenden gefreut", so Silvia Hirth.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.09.2015 | 15:00 Uhr